Digitale Lösung und Filialbank: 100 Jahre Commerzbank Aachen

Von: Uli Kölsch
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Sieht sein Geldinstitut auf dem richtigen Weg zwischen digitaler Ausrichtung und direktem Kundenkontakt: Jürgen Bauten, Filialleiter der Commerzbank Aachen. Zwei Foto: Andreas Steindl
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100 Jahre Commerzbank Aachen: Mit einem Festakt im Tivoli wurde dieses runde Jubiläum gewürdigt. Jürgen Heyne (rechts), Christian Hormuth (allianz, links) gratulierten Jürgen Bauten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Commerzbank kann in Aachen auf eine lange Tradition zurückblicken, denn sie hat 2009 die Dresdner Bank übernommen, die bereits 1915 am Kapuzinergraben eine Niederlassung eröffnete. Durch Fusion mit verschiedenen Banken in Aachen wurde die Commerzbank schon in den 20er Jahren eine echte Instanz.

Bereits 1920 bezog man das Gebäude an der Theaterstraße, die damals noch Hindenburgstraße hieß. Dort ist die inzwischen zweitgrößte deutsche Geschäftsbank auch heute noch zu Hause. Am vergangenen Donnerstag feierte die Commerzbank Aachen mit einem Festakt im Tivoli ihr 100-jähriges Bestehen. Im Interview mit Ulrich Kölsch nimmt Jürgen Bauten, Leiter der Niederlassung der Commerzbank Aachen, Stellung.

 

Kaum ein anderer Beruf hat in den letzten Jahren so sehr an Ansehen eingebüßt wie der des Bankers. Spüren Sie diese Entwicklung auch bei den Berufsanfängern? Ist die Bankausbildung bei Jugendlichen weiter so beliebt wie früher?

Bauten: Das Ansehen unseres Berufsstands hat durch die Finanzkrise gelitten. In den vergangenen zwei Jahren stellen wir allerdings wieder ein vermehrtes Interesse an einer Ausbildung bei der Commerzbank fest. Die Auszubildenden begeistert es, mit Menschen arbeiten zu können, dabei faire und kompetente Beratung zu erlernen – in Summe eine gute Ausbildung erfahren. Auch erlebe ich bei unseren Auszubildenden einen gewissen Stolz, bei der zweitgrößten Bank Deutschlands zu arbeiten. Das war sicherlich vor ein paar Jahren noch anders.

Wie können die Banken aus diesem Image-Tief wieder herauskommen?

Bauten: Jede Bank geht da ihren eigenen Weg. Seit 2011 haben wir bei der Commerzbank unser Geschäftsmodell komplett verändert, einen neuen Beratungsprozess eingeführt und das Produkt- und Leistungsangebot überarbeitet. So beraten wir bei Baufinanzierungen und Fonds heute anbieterunabhängig und vermitteln auch Angebote anderer Banken und Sparkassen. Auch dadurch haben wir die Weiterempfehlungsbereitschaft unserer Kunden deutlich gesteigert. Das heißt: Wir gewinnen Kunden und Marktanteile von unseren Wettbewerbern.

Wie ist die Commerzbank in der Region Aachen positioniert?

Bauten: Die Niederlassung Aachen umfasst derzeit 18 Filialen, davon zwei in der Stadt selbst. Die übrigen verteilen sich vom Dürener Land bis Aachen. In diesem Gebiet betreuen wir 133 000 Kunden, davon gut 8000 Geschäftskunden. Die mittelständischen Firmenkunden werden ebenfalls von Aachen aus bedient. Insgesamt stehen rund 170 Mitarbeiter und 13 Auszubildende für Qualtität und Zufriedenheit unserer Kunden in der Region in und um Aachen und Düren.

Wo liegen die Schwerpunkte im Bankgeschäft und wo sind noch Wachstumspotenziale?

Bauten: Der Markt im Privatkundengeschäft stagniert. Wir müssen also Kunden von Wettbewerbern gewinnen. Das gelingt uns mit guter Beratung und Produkten wie unserem kostenlosen Girokonto. Zudem sehen wir Wachstumspotenzial in der Betreuung vermögender Kunden. Die Zahl der Wealth-Management-Standorte erhöhen wir gerade bundesweit von 43 auf 65. In Aachen haben wir zudem durch unser Engagement im Mittelstand einen guten Weg gefunden, Firmenkunden auch bei ihren privaten Geldangelegenheiten zu betreuen.

Potenzial sehen wir auch bei Freiberuflern und Selbstständigen. Seit Jahresbeginn haben wir in der Niederlassung Aachen rund 500 dieser Geschäftskunden gewonnen. Für diesen Kundenkreis ist es wichtig, dass wir auch außerhalb normaler Geschäftszeiten erreichbar sind. Deshalb sind über unsere Call-Center qualifizierte Kundenbetreuer auch rund um die Uhr und am Wochenende erreichbar.

Gibt es spezielle regionale Schwerpunkte im Geschäft der Commerzbank?

Bauten: Wir haben Kunden aus allen Schichten der Bevölkerung. Interessant sind für uns die Chancen, die sich im Umfeld der RWTH einstellen. Dort ergeben sich für uns Verbindungen zu Forschungsprojekten und zu den zahlreichen Firmenneugründungen im Hochschulbereich.

Andere namhafte Geldinstitute haben bereits oder planen eine Reduzierung ihres Filialnetzes. Die Commerzbank versagt sich diesem Trend. Welche Philosophie steht dahinter?

Bauten: Wir glauben fest daran, dass die Zukunft digital ist, aber auch persönliche Beratung noch gefragt sein wird. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Kunden über das Internet besser informiert sind als früher. Trotzdem will kaum einer gänzlich auf persönliche Beratung verzichten, gerade bei Themen wie Altersvorsorge und Baufinanzierung. Es geht nicht um ‚entweder – oder‘. Kunden wollen gute digitale Angebote und gute Beratung. Wir setzen deshalb auf eine Multi-Kanal-Strategie. Jeder Kunde kann uns so erreichen, wie es für ihn passt – telefonisch, online, mobil oder in der Filiale.

Hat sich die Strategie ausgezahlt?

Bauten: Definitiv. Seit Jahresbeginn haben wir 1500 neue Kunden in unseren Filialen in der Region Aachen/Düren gewonnen. Und unsere Apps wurden bisher insgesamt über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen.

Niedrige Zinsen machen die Geldanlage für Kunden immer schwieriger. Ist das ein Risiko oder eine Chance für die Bank?

Bauten: Das ist für uns eine große Chance. Bei niedrigen Zinsen können wir klar unsere Beratungskompetenz unter Beweis stellen. Dabei geht es zunächst einmal darum, beim Kunden die individuelle Risikobereitschaft auszuloten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dabei werden hier in Aachen unsere Berater durch erfahrene Wertpapierexperten unterstützt.

Stichwort Online-Banking: Wie ist die Entwicklung bei der Commerzbank?

Bauten: Bei uns in Aachen hat ungefähr jeder zweite Kunde einen Online-Zugang zum Konto. Bei den Neukunden sind es nahezu 100 Prozent. Bei den Bestandskunden versuchen wir, die Bereitschaft für Online zu wecken.

Ist damit der Siegeszug des Online-Bankings vorgezeichnet?

Bauten: Nein. Seit 20 Jahren gibt es Direktbanken, ihr Marktanteil liegt heute unter 20 Prozent. Selbst bei den 14- bis 24-Jährigen halten 84 Prozent eine Bankfiliale in der Nähe wegen der persönlichen Beratung für wichtig. Das ist eine Bestätigung unserer Philosophie.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie sieht in zehn Jahren eine typische Filiale bei der Commerzbank aus?

Bauten: Das entscheiden die Kunden. Als Bank müssen wir darauf achten, wie sich ihr Verhalten verändert. Wie nutzen unsere Kunden in Zukunft das Angebot an Finanzdienstleistungen? Wir testen deshalb neue Filialmodelle mit digitalen Angeboten in Berlin und Stuttgart. Ich erwarte, dass Filialen in zehn Jahren deutlich anders aussehen. Aber Filialen und persönliche Berater wird es weiter geben.

Sie hatten für die Festveranstaltung „100 Jahre Commerzbank in Aachen“ Donnerstag in den Tivoli eingeladen – ein ungewöhnlicher Ort für ein Bankjubiläum. Was waren die Gründe?

Bauten: Wir haben lange über die geeignete Räumlichkeit für die Festveranstaltung nachgedacht. Dabei haben wir uns an dem Motto orientiert: „Tradition trifft Moderne“. Wir sind uns bewusst, dass der Tivoli eine sehr bewegte Vergangenheit hat. Aber die Commerzbank als traditionelles Institut mit modernen Angeboten passt wunderbar zum Tivoli, wo in der Vergangenheit viele Schlachten geschlagen wurden, und der sich heute als modernes Stadion präsentiert.

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