DIG: Staatsanwaltschaft schaltet sich ein

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Gleich zwei Behörden beschäftigen sich jetzt intensiv mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Aachen: das Finanzamt und nun auch noch die Staatsanwaltschaft.

Wie deren Sprecherin Katja Schlenkermann-Pitts auf Nachfrage mitteilte, ist nach der Berichterstattung in der Aachener Zeitung über die Vorgänge in der DIG ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet worden. Darin wird geprüft, ob und von wem es Straftaten gegeben haben könnte und ob die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gerechtfertigt erscheint.

Wie berichtet, war im Frühjahr aufgefallen, dass vom Vereinskonto in den vergangenen vier Jahren rund 21 000 Euro abgezweigt worden waren, wobei das Geld offenbar für private Zwecke und nicht für Aktivitäten der DIG verwendet worden war. In einem Jahr hatte es über 100 Abbuchungen gegeben.

Was in den Jahren davor war, ließ sich nicht mehr nachvollziehen, da die Unterlagen bereits vernichtet worden waren. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden der DIG, CDU-Ratsherr Jörg Lindemann, hatte man damit den früheren Schatzmeister konfrontiert, der schließlich ein Fehlverhalten eingeräumt habe und zurücktrat. Bis heute seien 6500 Euro zurückgezahlt, der Rest soll in Raten folgen.

Jörg Lindemann und andere Mitglieder hatten zudem dem langjährigen Vorsitzenden Axel H.A. Holst vorgeworfen, von den Vorfällen schon länger gewusst zu haben, habe er doch noch im Frühjahr den Dispo des Vereinskontos erhöht. Eigentlich hätte das gar nicht nötig sein dürfen, denn das Konto hätte eigentlich weit im grünen Bereich stehen müssen. Stattdessen hatte sich ein Minus von mehreren tausend Euro angesammelt.

Holst war am Sonntag nach mehrfacher Aufforderung durch den Rest des Vorstandes mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. In dem Rücktrittsschreiben weist er „sämtliche mir unterstellten Manipulationen“ mit Nachdruck zurück. Holst stand 38 Jahre lang an der Spitze des Vereins.

Das Finanzamt ist ebenfalls auf die Angelegenheit aufmerksam geworden, weil eine bislang unbekannte Quelle der Behörde Unterlagen zugeleitet hatte. Der DIG droht nun, die Gemeinnützigkeit aberkannt zu bekommen. Das könnte hohe Steuernachforderungen zur Folge haben. In diesem Fall müsste umgehend die Insolvenz angemeldet werden, was faktisch das Aus des Vereins bedeuten würde.

Am Donnerstag gab es deswegen ein Gespräch beim Finanzamt. Im Ergebnis gibt es nun wohl offenbar doch noch einen Funken Hoffnung, dass der Verein erhalten bleiben und Anlauf zu einem Neubeginn nehmen kann. Jedenfalls sei nicht sofort die Gemeinnützigkeit aberkannt worden, wie Jörg Lindemann, der die DIG nach dem Rücktritt des Vorsitzenden derzeit kommissarisch führt, berichtete.

Umgekehrt gebe es aber auch keinerlei Zusage, dass dies vom Tisch sein könnte. „Wir haben einige Hausaufgaben mitbekommen, die wir erledigen müssen, damit uns die Aberkennung erspart bleibt“, so Lindemann. Unter anderem müsse das Geld zurückgefordert werden. „Aber das hatten wir ohnehin vor“, so der Übergangsvorsitzende. Der Strohhalm bleibt weiterhin sehr dünn.

Für Mitte Oktober, wahrscheinlich den 19., will Lindemann die rund 180 Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung einladen. Die Reaktionen auf die Veröffentlichung der Vorgänge sei indes gemischt gewesen, so Lindemann. Zwar hatte es vorher bereits Gerüchte gegeben, doch das Ausmaß habe auch Entsetzen an einigen Stellen ausgelöst.

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