Aachen - Dieter Kaspari blickt auf 70 ausgesprochen bewegte Jahre zurück

Dieter Kaspari blickt auf 70 ausgesprochen bewegte Jahre zurück

Von: Albrecht Peltzer
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Musiker, Fotograf, Ur-Öcher, Wahl-Alsdorfer: Dieter Kaspari feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Und ausnahmsweise steht kein Auftritt an diese Ehrentag an. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Treffen auf ein halbes Stündchen? Dieter Kaspari hat wenig Zeit. Vor allen in diesen Tagen. Elf Konzerte in zwölf Tagen, drei unterschiedliche Programme. Der Terminkalender würde jedem Manager zur Ehre gereichen. Ein Mann im Ruhestand – was für ein Irrtum! Und ein Treffen auf ein halbes Stündchen? Schwieriges Unterfangen. Dieter Kaspari wird am Donnerstag 70 Jahre alt.

Und da hat er einiges zu erzählen, mehr als 30 Minuten füllen. Von den wilden 68ern, die für ihn nicht Mythos, sondern ein gutes Stück Lebensgeschichte sind. Von den Jahren auf Tour mit den Größen des Musikbusiness. Von seiner Laufbahn als Fotograf. Von seiner Liebe zu seiner Heimatstadt Aachen und seiner Wahlheimat Alsdorf. Und vom Blues, der sein Lebenselixier ist. Vom Mississippi-Delta zur Pau. Blues auf Platt, Öcher Blues, Kaspari eben.

Das Langzeitgedächtnis

70 Jahre? „Okay“, lehnt er sich zurück. Es sei dann doch das erste Mal bei einem runden Geburtstag, dass er innehält. „Geb ich ehrlich zu.“ Aber die Sache habe ihre Vorteile. Zum Beispiel: Langzeitgedächtnis. „Ich erinnere mich plötzlich wieder an Gegebenheiten, die lange weg waren.“ Und Gegebenheiten gab es viele. Mitte der 60er Jahre: Kaspari lernt Charly Büchel kennen. Ein junger Wilder wie er selbst. Einer, der das Leben aufsaugt, der Musik zu seinem Lebensmittelpunkt macht.

Kaspari und Büchel – das passt. Von Beginn an und bis heute. „Der Charly ist mein Freund“, sagt Kaspari. Und ergänzt: „Er ist der Freund, der wichtigste im Leben.“ Die beiden ziehen als Begleitmusiker der amerikanischen Blues-Größe Champion Jack Dupree durch die Lande. „Es gibt wohl keinen Club zwischen Flensburg und Reit im Winkl, in dem wir nicht gespielt haben“, erinnert sich Kaspari. Was für eine Zeit! „Wir haben sie gerockt“, sagt Kaspari. Und er strahlt dabei so sympathisch, dass man glaubt, mit im Tourbus zu sitzen.

Mit Büchel gründet Kaspari die Band „Truss“, ein Aushängeschild Aachens in Sachen Rock ‘n‘ Roll. Legendär. Erzählen könnte er davon, stundenlang. Doch vor allem einer hat im Moment keine Zeit, stundenlang zu erzählen, weil er rastlos unterwegs ist: Kaspari selbst. Vielleicht findet er irgendwann die Muße, das alles im Detail aufzuschreiben. Es würde sich lohnen.

Rück ‘n‘ Roll und Blues – aber wie kam das Öcher Platt dazu? Kaspari ist Öcher durch und durch. Das Rosviertel ist sein Revier. Hier ist er aufgewachsen, mit Eltern und zwei Brüdern. Öcher Platt ist rund um die Roskapelle nicht verpönt, Dieter Kaspari bleibt seiner Heimatsprache treu, vergisst die Wurzeln nicht. 1975 stehen Plattenaufnahmen an. Blues natürlich. Ebenso natürlich auf Englisch. Oder doch nicht? „Den ,Thieke-Blues‘ habe ich damals komponiert. Und den haben wir auf die LP gepackt.“ Neben rein englischen Songs. Fast tollkühn! „Und was glaubst Du, welches Lied im Radio rauf- und runtergespielt wurde?“ Nix englischer Blues, Öcher Blues machte Furore. Amerikanische Musik mit Mundart – Kaspari hat’s gewagt. Vor allen den BAPs und Niedeckens. Der Durchbruch? Fast, oder: zunächst eigentlich gar nicht.

Denn es gibt diesen Bruch in der Biografie. 1977 hängt Kaspari die Gitarre an den sprichwörtlichen Nagel. „Ich musste ja die Familie ernähren.“ Ein „ordentlicher Beruf“ muss her. Kaspari findet ihn hinter der Kamera. Er wird Fotograf. Mit der gleichen Leidenschaft wie als Musiker. Er setzt die Region objektiv in Szene. Industriefotografie, Webefotografie sind sein Metier. „Ich hab sofort einen Preis gewonnen“, schmunzelt er. Wenn er etwas macht, dann richtig. Und gekonnt!

Natürlich lässt ihn die Musik nicht ganz los. Nach der Fotografenkarriere gibt er in Sachen Blues wieder Vollgas. Seit 2006 bis heute – ein Vollzeitjob. Professionell würde man sagen – wenn man denn ausschließlich davon leben könnte. Was wiederum schwierig ist. Aber als Vollblutmusiker schaut man nicht aufs Konto, sondern ins Textbuch. Unzählige Songs stammen aus der Feder von Dieter Kaspari, bei Pech&Schwefel sorgt er für den guten Ton, seine Blues Bajasch ist Markenzeichen geworden, seine Zusammenarbeit mit dem Autor und Kabarettisten Wendelin Haverkamp ist sein „Glücksfall“, wie er sagt. Preiswürdig ist Kaspari natürlich auch. Der Thoeut-Mundartpreis wird ihm 2014 verliehen. Als Mitglied des Mullefluppet-Kuratoriums der Aachener Zeitung sorgt er mit dafür, dass echte Öcher Mullefluppets zu Ehren kommen.

Geburtstag mit der Familie

Am Donnerstag also der 70. Geburtstag. Ausnahmsweise stehen keine Termine an. Kaspari feiert im Kreise der Familie. Mit Ehefrau, zwei Kindern, drei Enkelkindern, das vierte kommt im Januar. Kaspari ist Familienmensch. Und er ist ein ausgesprochen zufriedener Zeitgenossen: „Ich habe Zeit meines Lebens das Glück gehabt, das tun zu können, was mir am meisten Spaß macht.“ Will man mehr? Nichts. In diesem Sinne: herzlichen Glückwunsch!

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