Aachen - Dieses Buch hätte bestimmt auch Gustav Heinemann gefallen

Dieses Buch hätte bestimmt auch Gustav Heinemann gefallen

Von: Peter Schopp
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Verleihung: Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär, überreichte Isabel Minhós Martins den Heinemann-Preis. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist eine der wichtigsten Auszeichnungen für deutschsprachige Kinder- und Jugendbücher und wurde zum 34. Mal verliehen. Der Gustav-Heinemann-Friedenspreis besitzt ein großes Renomée in der Literaturlandschaft.

Aus diesem Grund fanden sich Verantwortliche, Autoren, Verleger und Interessierte im Forum M der Mayerschen Buchhandlung ein, um die portugiesische Autorin Isabel Minhós Martins und den Illustrator Bernardo P. Carvalho für ihr gemeinsames Werk „Hier kommt keiner durch“ auszuzeichnen. Sie war eigens nach Aachen gereist.

In diesem Wimmelbuch zeigt Martins mit der kurzen Geschichte über unsinnige Befehle, ungerechte Privilegien, unterwürfigen Gehorsam und den unaufhaltsamen Drang nach Freiheit, dass kritikwürdige Verhältnisse in Frage gestellt werden müssen. Darüber hinaus ist es ein Plädoyer für das Miteinander der Menschen in all ihrer Vielfalt und zeigt, dass das Zusammenwirken vieler zur anarchisch-gewaltlosen Macht werden kann, die grenzüberschreitend wirkt und Waffengewalt überwindet.

Vom General angeordnet

Auf Anhieb fühlt sich ein erwachsener Betrachter an die Maueröffnung zur DDR erinnert, wenn auf den ersten Seiten des Buches ein „Aufpasser“ genannter Soldat der immer größer werdenden Menschenmenge auf der linken Buchseite das Betreten der rechten Buchseite verbietet. Dem immer größer werdenden Unverständnis hat der Aufpasser nur die Erklärung „Das hat der General angeordnet“ entgegenzusetzen.

Als er schließlich zwei kleinen Jungen „ausnahmsweise, nur dieses eine Mal“ den Grenzübertritt erlaubt, um ihren hinübergefallenen Ball zurückzuholen, ist der Bann gebrochen und die Freiheitswelle der Menschen schwappt von der linken auf die rechte Buchhälfte.

Mit filzstiftähnlicher Technik gezeichnet, sind die Figuren im Buch sehr kinderfreundlich gezeichnet und werden nach ersten Erfahrungen von BiBu-Experten (Bilderbuch) an der Kreuz-Grundschule in Dortmund intensiv angenommen. Die Kinder identifizierten sich sowohl mit den Figuren als auch mit den Gedanken und Ideen der Menschen. „Das ist genau das Ziel“, freute sich Martins beim kleinen Festakt über den Erfolg des Werks und unterstrich, dass ihre Idee vor dem Aufkommen der Flüchtlingskrise entstanden war.

Martins hatte sich in den Tagen vor der Ehrung mit dem Hintergrund des Gustav-Heinemann-Preises beschäftigt und zeigte sich sehr stolz, ihn überreicht zu bekommen. Gustav Heinemann selbst hatte in der NS-Zeit unter Lebensgefahr versteckte Juden mit Lebensmitteln versorgt und war im Widerstand tätig. Der dritte Bundespräsident war schon während seiner politischen Laufbahn darauf bedacht, nationalsozialistische Tendenzen zu bekämpfen und mit Aufklärung entgegenzuwirken.

„Heinemann hätte das Buch sicher gefallen“, glaubt auch Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär, bei der Verleihung. Und dass Aachen ein „wirklich passender Ort für die Preisverleihung war“, daran ließ er keinen Zweifel. Aachens Grenzen seien offen, und Sinn und Unsinn von Grenzen sei das Thema bei Isabel Minhós Martins. Er übergab an Stelle von Kulturministerin Isabelle Pfeiffer-Poensgen die Urkunden an die Autoren. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert.

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