Aachen - Dieser Westwall kommt in Bewegung

Dieser Westwall kommt in Bewegung

Von: Hanna Sturm
Letzte Aktualisierung:
Beeindruckend: Die Gruppe Desi
Beeindruckend: Die Gruppe Designmetropole will mit ihrer Aktion „Walking Westwall” - hier auf dem Markt - Groß und Klein zum Nachdenken anregen. Es geht darum, sich mit der Vergangenheit, aber auch dem Thema Grenzen insgesamt auseinanderzusetzen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Kunst ist anstrengend. Das erfahren die zwölf Mitglieder der Designmetropole Aachen am eigenen Körper. Ziemlich verschwitzt gönnen sie sich eine kleine Pause bei ihrer Performance, einer Art Kunstdemonstration, „Walking Westwall” in der Aachener Innenstadt.

Die acht Kilogramm schweren Holzkolosse bei sommerlichen Temperaturen in der Sonne über den Markt zu tragen, sei schon anstrengend, geben die jungen Künstler aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland zu. Trotzdem sind sie natürlich froh über das gute Wetter, denn die Innenstadt ist voll mit Passanten. Und auf deren Reaktionen haben sie es schließlich abgesehen.

Zur Aufarbeitung

Mit ihrer Aktion in der Fußgängerzone zwischen Dom und Rathaus will die Designmetropole Menschen mit dem Westwall und der damit verbundenen Geschichte des Zweiten Weltkrieges konfrontieren und zur Aufarbeitung animieren.

Gleichzeitig verstehen sie die ehemaligen Panzersperren als Symbol für alle Arten von Grenzen und wollen den Westwall auf diese Weise als Denkanstoß nutzen. In lockerer Formation stehen sie auf dem Markt, marschieren im Gänsemarsch im Kreis oder in Viererreihen. Noch kompakter wirkt die Choreographie dann in der schmalen Krämerstraße, in der sich die Menschen zwischen den grauen Blöcken durchschlängeln müssen.

Bei den Passanten kommt die Aktion gut an. Viele bleiben neugierig stehen, schauen durch die schmalen Sichtschlitze ins Innere der Wallelemente, während Kinder im Slalom dazwischen herrennen und sich dahinter verstecken. „Die Reaktionen sind erstaunlich entspannt. Wegen der schweren Geschichte hätten wir auch mit etwas anderem gerechnet”, sagt Barbara Brouwers von der Designmetropole.

Manche Zuschauer brauchen zunächst noch eine Erklärung, was die grauen Blöcke darstellen sollen, vor allem Besucher von außerhalb. Anderen Zuschauern ist die Bedeutung des Westwalls dagegen nur zu gut bekannt. „Heute gibt es keine wirkliche Grenze mehr zu den Nachbarländern, und das soll auch so bleiben”, sagt Karin Sprietz, die sich mit ihrem Mann Günther das Treiben von einer Bank im Schatten aus ansieht. Es sei wichtig, dass sich durch die Kunstaktion auch jüngere Generationen noch einmal mit der Geschichte befassten. „Schließlich soll das nie wieder passieren”, sagt das Paar mit Nachdruck.

Auch Rick Takvorian, der Organisator des Kulturfestivals „Across the Boarders”, indessen Rahmen der „Walking Westwall” stattfindet, ist mit der Aktion sehr zufrieden. „Das ist eine hochwertige, künstlerische Performance”, die sich ohne erhobenen Zeigefinger mit der Geschichte auseinandersetze, lobt Takvorian.
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