Aachen - Dieser Weg wird kein leichter sein

Dieser Weg wird kein leichter sein

Von: Thorsten Karbach
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Gut gelaunt machen sie sich au
Gut gelaunt machen sie sich auf den Weg: Die Schüler der Pilger-Arbeitsgemeinschaft der Heinrich-Heine-Gesamtschule starten am Montag mit den Lehrern Leo Gielkens (links) und Hannokarl Weishaupt (rechts) zu ihrer Wallfahrt nach Trier - freiwillig und in den Ferien. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Katholisch ist kaum die Hälfte der 13 Schülerinnen und Schüler. Nadin Mahrouk ist Muslimin. Als gläubig sehen sich auch nicht mehr der Jungen und Mädchen. Aber sie alle glauben, dass sie über den Matthiasweg ans Ziel kommen. Das liegt in Trier. Und ihre Reise dorthin ist eine Pilgerreise.

Es ist eine ungewöhnliche Gruppe, die sich an der Heinrich-Heine-Gesamtschule um die beiden Lehrer Leo Gielkens und Hannokarl Weishaupt sowie Referendarin Hanna Wulf formiert hat. Gielkens ist Religionslehrer, er hatte die Idee, an der Schule eine Pilger AG zu gründen. Weishaupt ist eigentlich Priester, er glaubte an den Erfolg dieser Idee. Die 13 Schüler mag zunächst vor allem Neugier angetrieben haben, sich mit dem Thema Pilgern auseinanderzusetzen. Das sagen sie ganz offen. „Ich hatte das Gefühl, dass mir das Spaß machen würde, und ich wollte mal sehen, wie es ist, ohne Handy und Playstation auszukommen”, erzählt René Honds aus der 10 b. „Ich wandere gerne und will diese Erfahrung unbedingt machen”, berichtet Wiebke Bratz aus der 10 a. „Die Ferien sind doch sonst oft langweilig”, sagt Kevin Wernerus aus der 10 b.

Und so machen sich Schüler und Lehrer am Ostermontag - wenn andere an der Nordsee oder wer weiß wo liegen - um 8.30 Uhr am Schulzentrum in Laurensberg auf den Weg zunächst nach Hallschlag und ab dort dann auf Schusters Rappen nach Trier, das sie in fünf Etappen erreichen wollen. Freiwillig in den Ferien. 30 Euro zahlen sie auch noch für die Reise (weitere Kosten übernehmen die Pfarren). Samstagabend kehren sie dann zurück mit ihren Rucksäcken und vor allem voller Eindrücke und Erfahrungen - in Trier ist Heilig-Rock-Wallfahrt.

Es werde keine tieffromme Veranstaltung, haben Gielkens und Weishaupt ihren Schülern mit auf den Weg gegeben. „Wir sehen die Geschichte eher lebensorientiert. Gerade die Zehntklässler stehen am Ende einer Etappe und nun vor einem Wechsel - in die Oberstufe oder eine Ausbildung”, erläutert Weishaupt. Das werde gewiss Thema während der fünf tatsächlichen Etappen auf der Pilgerreise sein, die dann abends ganz bescheiden in Pfarrheimen und Dorfgemeinschaftshäusern endet - nur in Trier wird die Jugendherberge bezogen.

Sorgen um die Füße

Kevin Wernerus weiß bereits, welche nächste Etappe in seinem Leben ansteht. Er beginnt eine Ausbildung. „Diese Wechsel stecken voller Ungewissheiten. Bei einer Wallfahrt lassen sich diese reflektieren”, berichtet Priester Weishaupt. Als Gruppe mit Schülern aus drei Jahrgängen und vier verschiedenen Klassen würden sie zwischen Hallschlag und Trier gewiss Grenzerfahrungen machen. „Keiner kann stehen bleiben und sagen, er habe keine Lust mehr”, sagt Gielkens. Dafür wurde im Vorfeld quasi trainiert. In einem Sportgeschäft wurden die Füße vermessen, im Oktober wanderte die AG vom Preusweg auf dem alten Pilgerweg im strömenden Regen nach Moresnet. „Ich mache mir schon Sorgen um meine Füße”, sagt Stefanie Großcurth aus der 10 a. „Ich laufe eigentlich nicht so gerne”, gibt Nadin aus der 8 d zu. Ja, dieser Weg wird kein leichter sein.

Leise sein, Stille erfahren, sich selbst reflektieren. Es werden vor allem neue, ungewöhnliche Erfahrungen, die die Gesamtschüler auf ihrer Wallfahrt begleiten. „Als Gruppe haben wir uns noch nicht gefunden, aber ich glaube, je länger wir miteinander unterwegs sind, umso mehr werden Freundschaften entstehen”, formuliert Kevin seine Erwartungen. Seine Lehrer erwarten, dass die Schüler auf ihrer Wallfahrt ihren ganz eigenen Zugang zum Glauben finden. Das spürten sie bereits in Moresnet, als gemeinsam Lieder gesungen und Gebete gesprochen wurden. „Ich will viel nachdenken”, sagt dementsprechend Wiebke.

Es war schon ein Experiment, dass Leo Gielkens da im letzten Sommer ins Leben rief. Das gibt er zu. Wallfahrende Gesamtschüler in den Ferien - die Erfolgsaussichten waren gering, doch Gielkens nennt sich selbst einen „beharrlichen Typen”, warb für seine Idee „Ich bin dann mal weg - Pilgern probieren”, und nun freut sich der Lehrer riesig auf die Zeit mit den 14 Schülern. Alle organisatorischen Fragen sind geklärt, ein ehemaliger Schüler, Manuel Goll, lenkt das Begleitfahrzeug. Und Blasenpflaster hat Stefanie eingepackt.
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