Diesel-Unfall bei der Aseag: Knapp an einer Umweltkatastrophe vorbei

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Wenn 30.000 Liter Diesel auslaufen, hat das gravierende Folgen: Auf dem Aseag-Gelände sind umfangreiche Arbeiten im Gange. Mittlerweile steht fest: Am 21. Dezember sind vor allem die Kläranlage Soers und die Wurm knapp an einer Umweltkatastrophe vorbei geschrammt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als kurz vor Weihnachten eine defekte Dieselpumpe einen Großeinsatz der Feuerwehr auf dem Aseag-Betriebsgelände an der Neuköllner Straße auslöste, gab das Verkehrsunternehmen schnell Entwarnung. Alles halb so wild, so klangen jedenfalls die Aussagen in der Öffentlichkeit.

Eine Gefahr für das Erdreich und die umliegenden Bäche habe man schnell ausschließen können, hieß es. Und über die Menge des ausgelaufenen Kraftstoffs hüllte man sich in Schweigen. Man wisse es nicht, hieß es, widersprach aber gleichwohl AZ-Informationen, nach denen es sich um 25.000 Liter handelte.

Rettung in letzter Minute

Heute steht fest: An jenem 21. Dezember sind Aachen und seine nähere Umgebung nur knapp an einer Umweltkatastrophe vorbei geschrammt. Große Mengen Diesel gelangten nach dem Unfall in die Kanalisation und flossen auf die Kläranlage Soers zu. Quasi in letzter Minute konnten Mitarbeiter des Wasserverbands Eifel-Rur das Eindringen des Treibstoffs in die Anlage verhindern, indem sie den Abwasserzufluss in ein 10.000 Kubikmeter fassendes Auffangbecken umleiteten. Wäre das nicht gelungen, hätte die giftige Brühe das biologische Reinigungssystem zumindest geschädigt. Noch schlimmer: Der Dieselkraftstoff wäre in die Wurm gelangt, die von dort aus Richtung Würselen und Herzogenrath in ein Naturschutzgebiet fließt. „Das war Wahnsinn, das habe ich in 18 Dienstjahren nicht erlebt“, erinnert sich Thomas Zobel, Unternehmensbereichsleiter West beim Wasserverband Eifel-Rur, an den Rettungseinsatz an jenem Freitagmorgen. Und fügt hinzu: „Da haben wir ganz schön geschwitzt und viel Angst gehabt.“

Aseag: „Situation war kritisch“

Die hatte man wohl auch damals schon bei der Aseag. „Die Situation am 21. Dezember war kritisch“, räumt deren Sprecherin Anne Linden heute auf AZ-Anfrage ein. Und auch zur Menge des ausgelaufenen Treibstoffs äußert sie sich: „Wir gehen davon aus, dass es maximal 30 000 Liter waren.“ Der Großteil sei in ein zwei Meter tiefes Kies-Sandbett unter den riesigen Treibstofftanks geflossen, das von einer dicken Tonschicht nach unten abgeschlossen werde. Zwischen 2000 und 4000 Liter ergossen sich aber auch in die Kanalisation und damit Richtung Kläranlage.

Während dort durch das rasche Zusammenwirken von Rettungskräften und Behörden schlimmste Folgen für die Natur schnell verhindert werden konnten, kämpft die Aseag auf ihrem eigenen Gelände immer noch mit den Auswirkungen des Unfalls – und wird das laut Linden auch „noch einige Wochen“ tun müssen. Nachdem man zunächst an den Tagen vor Weihnachten die Unfallstelle und das darunter liegende Kanalsystem isoliert und gesichert hatte, begann man mit dem Leerpumpen und Reinigen der sechs riesigen Dieseltanks. Drei 100.000-Liter-Behälter sind mittlerweile abgebaut, ein weiterer großer und zwei 50.000-Liter-Tanks warten noch auf die aufwändige Demontage, die den Einsatz von Kränen und Schweißarbeiten erfordert. Erst wenn die Tanks weg sind, kann das 330 Quadratmeter große Sand-/Kiesbett ausgebaggert und entsorgt werden. Die Aseag rechnet dabei mit 660 Kubikmetern Sondermüll – und kämpft während der wochenlangen Arbeiten mit ungewohnten Versorgungsproblemen. Denn: Derzeit steht nur ein Ersatztank mit 30.000 Litern zum Betanken der Busflotte zur Verfügung – und die schluckt an normalen Tagen 25.000 Liter Diesel. „Zurzeit muss der Tank täglich nachgefüllt werden“, sagt Linden.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden ist, der durch den Unfall entstanden ist, vermag man bei der Aseag noch nicht beziffern. Wobei man angesichts der wochenlangen Arbeiten, der teuren Entsorgung und der umfänglichen baulichen Maßnahmen schnell im sechs- oder gar siebenstelligen Bereich landen dürfte. Eine klare Position vertritt das Verkehrsunternehmen aber in Sachen Schuldfrage: Man gehe davon aus, dass die erst im vergangenen September angeschaffte Pumpanlage, die vom TÜV geprüft und freigegeben worden sei, fehlerhaft war, erklärt die Aseag-Sprecherin: „Ein Bedienfehler der Aseag ist auszuschließen.“ Und da die Frage, wer die teure Rechnung am Ende bezahlt, nicht unerheblich ist, wird derzeit nicht nur auf dem Gelände fieberhaft gearbeitet, sondern auch in den Konferenzräumen heftig diskutiert. „Wir führen fast täglich Gespräche mit der Versicherung, mit dem Hersteller, mit Sachverständigen“, sagt die Unternehmessprecherin.

Wer die Zeche zahlt, interessiert im Übrigen auch Thomas Zobel. Denn die Kosten, die beim Wasserverband entstanden sind, taxiert er auf eine „fünfstellige Summe, ohne Entsorgung“. Die wird nämlich auch in der Kläranlage fällig. Schließlich haben die Mitarbeiter dort die giftige Brühe im Auffangbecken mit Bindemitteln abgestreut und den Dieselkraftstoff aufgenommen. Und auch mit dem Reinigen des Beckens werde man erst in diesen Tagen fertig, erzählt der Bereichsleiter.

Sicherheitsstandards prüfen

Derweil macht man sich bei der Aseag nach dem zweiten großen Diesel-Unfall binnen rund zehn Jahren auch Gedanken über die Zukunft. Zwar habe man bislang schon sehr hohe Sicherheitsstandards, sagt Anne Linden. „Doch natürlich schauen wir uns jetzt kritisch an, was wir noch besser machen können.“

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