Diese Schule braucht nur halbe Energie

Von: Thorsten Karbach
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Stimmiges Bild: Die Gemeinschaftsgrundschule Driescher Hof an der Gleiwitzer Straße wurden rundum saniert. Neue Fenster und eine neue Fassade machen die Schule zu einem „Schmuckstück im Viertel“. Am Tag der Architektur können Besucher Blicke hinein werfen. Foto: Michael Jaspers
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Innere Werte: Auch die Klassenräume profitieren von der Sanierung. Optisch wie energetisch.

Aachen. Große Fenster, schnörkellose Wände. So sieht es aus, das neue Schmuckstück des Viertels. So nennt Andreas Biener jedenfalls die rundum sanierte Gemeinschaftsgrundschule Driescher Hof. Und er, der Schulleiter, freut sich, dass dieses Schmuckstück einmal derart ins Rampenlicht gerückt wird. Am Samstag, 29. Juni, und Sonntag, 30. Juni, ist in Nordrhein-Westfalen Tag der Architektur.

Dann werden landesweit 437 Gebäude in 153 Städten und Gemeinden vorgestellt. In Aachen sind es zehn Objekte – vom Zeitungsmuseum über Wohnhäuser bis zur CHIO-Brücke.

Nein, es sind nicht zwangsläufig ästhetisch makellose Bauwerke. Es sind immer auch Objekte, die zum Dialog anregen – wie die Brücke über die Krefelder Straße. Architektur lebt davon, dass über sie gesprochen wird. Und nicht immer ist ihre Leistung auf den ersten Blick sichtbar. An der GGS Driescher Hof – die Architektur kommt vom Aachener Büro Heuer Faust, Bauherr ist das Gebäudemanagement der Stadt Aachen – jedenfalls lohnt es, auch hinter die neue Fassade zu schauen.

In Spitzenzeiten 600 Schüler

43 Jahre ist das Schulhaus an der Gleiwitzer Straße mittlerweile alt, die Turnhalle 38. Geplant wurden damals eine Grund- und Hauptschule. Doch dann kam die neue Hauptschule in Brand – die es bekanntermaßen längst nicht mehr gibt –, und in Driescher Hof blieb es bei einer Grundschule. „Wir sind heute nicht böse, dass wir dadurch eine riesige Fläche haben, die wir gerne nutzen“, sagt Schulleiter Andreas Biener. In Spitzenzeiten waren 600 Kinder auf dem Schulgelände unterwegs. Deswegen wurden drei Pavillons aufgestellt – in denen wie in so vielen anderen später schädliches Formaldehyd festgestellt wurden. Schon immer waren es viele Kinder mit Migrationshintergrund, die das Bild der Schule prägten. Anfangs vor allem die türkischen und griechischen Gastarbeiterkinder. Nun kommen 230 Schüler aus 18 Nationen. Die GGS Driescher Hof bietet zudem seit 22 Jahren gemeinsamen Unterricht, es werden also auch Kinder mit einer Behinderung unterrichtet.

Sie alle finden nun ein Gebäude, das heller, freundlicher, frischer, wohnlicher ist. Außen wie innen. Und genau das wird beim Tag der Architektur präsentiert: Die Schule kann am 29. Juni von 14 bis 16 Uhr besucht werden. Halbstündlich gibt es Führungen.

Luftsprünge

Im Schuljahr 2007/2008 begann die Sanierung – mit den Flachdächern. Das Konjunkturpaket 2 sorgte dann in vielen Kommunen für Luftsprünge. Plötzlich war Geld da für energetische Sanierungen. Und davon profitierte die Schule maßgeblich: Zwischen Sommer 2010 und Sommer 2011 wurden Fassade und Fenster (nun dreifachverglast, innen Holz, außen Metall), Sonnenschutz, Beleuchtung und Lüftung (dezentral) des Hauptgebäudes saniert. 1,77 Millionen Euro wurden investiert. „Da hatten wir durch das Konjunkturpaket ganz neue Möglichkeiten. Niemand baut gerne stückweise. Wir hatten die Gelegenheit, hier Tabula rasa zu machen“, erklärt Klaus Schavan, seit November technischer Leiter des städtischen Gebäudemanagements.

Neuer Pavillon

Es folgte der Bau eines neuen Pavillons nach Heuer-Fast-Plänen für 770.000 Euro (inklusive Abbruch des alten), der vor allem von der Offenen Ganztagsschule genutzt wird. „Deswegen haben wir auch so ein einheitliches Bild“, sagt Stefan Weiß vom Gebäudemanagement. „Wir sind mir dem Umbau glücklich und zufrieden“, sagt der Schulleiter. „Die Sanierung fand ja bei laufendem Schulbetrieb statt. Aber es hat alles reibungslos funktioniert.“ Und Schavan fügt hinzu: „Der Dreiklang aus Schule, Stadt und Architekt ist in solchen Fällen die halbe Miete.“

Biener ist seit 21 Jahren an der Schule. Er hat jeden Stein, der versetzt wurde, verfolgt. Es gab Zeiten, da konnte er in seinem Büro nur sitzen, wenn er die unteren Fenster notdürftig abdichtete. Er erinnert an die Einfachverglasung und die Metallrahmen der Fenster. „Wir haben hier die Umwelt geheizt“, sagt er. Und nun? Vor der Sanierung lag der Wärmeverbrauch der Schule bei 659.705 Kilowattstunden. Nach der Sanierung, also 2012, reichten 332.013 Kilowattstunden. Das ist fast eine Halbierung des Energiebedarfs. Und die Stadt spart 36.000 Euro im Jahr. „Das Gebäudemanagement hat immer auch die Nutzung im Blick“, sagt Schavan.

Das neue Schmuckstück lässt Schulleiter Biener jedenfalls strahlen. Auf dem Dach steht mittlerweile eine von 48 Solaranlagen auf städtischen Immobilien. Die erzeugte Strommenge entspricht dem Bedarf einer zwölfköpfigen Familie. Insgesamt sorgen alle Anlagen auf städtischen Gebäuden für sechs Prozent des Stroms, den alle kommunalen Gebäude in Aachen nutzen. Zahlen, die auch die Schule gerne aufgreift. „Umwelt ist einer unserer Schwerpunkte in der Schule. Das spielt uns in die Karten“, sagt Biener.

Die Arbeiten an der GGS Driescher Hof gehen anschließend weiter: Die Toilettenanlagen werden erneuert und der Toilettentrakt farblich dem Rest des Ensembles angepasst. Dann ist das Schmuckstück des Viertels komplett.

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