Diese Börsen-Jongleure haben immer Konjunktur

Von: Matthias Hinrichs
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Auch nach zwei Jahrzehnten gemeinsamer Bühnen-Scharaden stehen ihre Aktien beim Publikum ganz oben: Andreas Wiegels (links) und Christian Klömpken lassen „good old England“ auf ihre Weise hochleben.

Aachen. Eigentlich haben die beiden so gar nichts gemein mit den schnieken Börsen-Artisten aus Manhattan-Süd. Abgesehen vom (allzu) geschniegelten Outfit – dem sie ihren Namen tatsächlich verdanken.

 Klar, sie jonglieren so ziemlich mit allem, was ihnen in die Finger gerät, aber nicht mit Aktienkursen. Ihre Abstürze und Höhenflüge inszenieren sie in präziser Choreografie, völlig unabhängig von irgendwelchen Konjunkturprognosen oder Börsenkapriolen.

Ausschüttungen in Millionenhöhe haben sie bislang wohl auch nicht kassiert. Aber ihr „Marktwert“ ist ziemlich kontinuierlich gestiegen, seit Christian Klömpken und Andreas Wiegels, alias Herr Schultze und Herr Schröder, sich vor genau 20 Jahren zum Joint Venture der durchaus komödiantischen Art zusammenfanden. Man mag‘s kaum glauben, aber jetzt feiert das berühmt-berüchtigte Aachener Wall Street Theatre seinen zweiten runden Geburtstag. Am 11. und 12. Oktober lädt das kongeniale Komikergespann zur etwas anderen Party in den Saalbau Kappertz ein.

Und wenn diese Gentlemen zur (Theater-)Kasse bitten, geht es statt hemdsärmelig-amerikanisch garantiert auch diesmal – getreu dem Titel ihres jüngsten Programms – „very british“ zu. Klömpken (50), aufgewachsen im denkbar deutschen Bielefeld und Wiegels (44), ein wachechter Öcher, haben das Klischee des fein bezwirnten Edelmanns auf ihre Weise gewissermaßen längst von rechts überholt, very sophisticated.

Aristokraten als Akrobaten – die skandalös skurrile Mischung kommt beileibe nicht nur beim regionalen Publikum glänzend an. Mit ihren krachend-komischen Cocktails aus Slapstick, grandios-grotesken Leibesübungen und trocken-subversivem Wortwitz haben Schultze und Schröder zahlreiche einschlägige Preise eingeheimst, auf Festivals in vielen Ländern der Welt Bühnenbretter und Lachmuskeln reichlich strapaziert – von der Schweiz über Italien bis New York, Palästina, Pakistan und Neuseeland.

Dabei haben sie das erste Kapitel ihrer gemeinsamen Erfolgsgeschichte in der Tat in „good old England“ aufgeschlagen. „Kennengelernt haben wir uns 1992 an der Nationalen Britischen Zirkus- und Theaterschule ,Circomedia‘ in Bristol“, erzählt Wiegels. Klömpken entdeckte seinerzeit, apropos Wall Street, nicht zuletzt sein Talent als „Head-Hunter“: „Eigentlich wollte ich als Akrobat auf die Zirkus- und Theaterschiene gehen“, erinnert sich Wiegels. Klömpken konnte ihn flott davon überzeugen, das Wagnis der Selbstständigkeit gemeinsam einzugehen. Seither steht – bzw. wirbelt – das Duo rund 100 Mal pro Jahr über die Bühne.

Zurzeit arbeiten die beiden gemeinsam mit Regisseur Andreas Hartmann an ihrem inzwischen achten abendfüllenden Show-Programm, das im kommenden Jahr erstmals in Gänze zu erleben sein soll. Konditionsprobleme sind also nach wie vor kein Thema, auch wenn Schultze und Schröder ihr Comedy-Konzept inzwischen eher als „Physical Theatre“ kennzeichnen – Slapstick und manch gewagte Wortakrobatik stehen zunehmend mehr im Vordergrund als halbrecherische artistische Einlagen. Die Fans sind allemal „very amused“.

Und dürfen sich jetzt schon auf eine spektakuläre „Geburtstagsfeier“ im Saalbau an der Hüttenstraße freuen. Mit vielen Highlights einer wahrhaft bewegten Bühnenkarriere, die noch lange nicht zu Ende sein soll. Und natürlich mancher Premieren-Überraschung: „Die Musik kommt erstmals nicht vom Band, sondern vom ,mobilen Funk-Kommando‘ namens ,The Four Shops‘“, verspricht Klömpken. „Wir wollen ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern – und versuchen uns auch mal als Sänger.“ Auf den nächsten Erfolg des quirligen Gespanns dürfen also nicht nur die Fans jetzt allemal spekulieren: Vorzugsaktien in Gestalt von Tickets im Vorverkauf sind bereits erhältlich .

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