Dienstantritt: Dr. Beate Blüggel ist neue VHS-Leiterin

Von: Laura Kingston
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Will an der VHS Aachen auch ein paar neue Seiten aufschlagen: Dr. Beate Blüggel hat als Leiterin der Volkshochschule ihren Dienst angetreten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Schön sieht es aus, ihr neues Büro am Bushof. Blumen schmücken den Schreibtisch und eine Schale Printen soll der Neu-Aachenerin beim Eingewöhnen helfen. Sogar die Wand wurde nach ihren Wünschen in einem freundlichen Hellgelb gestrichen. Dr. Beate Blüggel hat gerade ihre erste Arbeitswoche als Leiterin der Volkshochschule Aachen angefangen.

Weder an ihrem Arbeitsplatz noch im Gespräch mit der 53-Jährigen lassen sich Spuren von bösem Blut erkennen. Das hatte es noch im Mai gegeben, als die Wahl des Stadtrats auf die 53-Jährige fiel. Damals waren viele VHS-Mitarbeiter gegen die Einstellung einer externen Person gewesen und hatten stattdessen für Blüggels Konkurrenten Winfried Casteel, dem stellvertretenden Leiter, plädiert. Anfang September, so scheint es, wird Blüggel mit offenen Armen empfangen. Die Diskussionen um die Personalie seien „Schnee von gestern“, betont Dr. Karl Thönnissen, Leiter der VHS-Öffentlichkeitsarbeit.

Auch die neue Direktorin selbst nimmt den Streit um ihre Einstellung locker, wertet die Reaktion der VHS-Mitarbeiter eher als Solidarität der Belegschaft mit dem Kollegen Casteel. Sie verstehe sich prächtig mit ihrem neuen Stellvertreter. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Start.

Mit beruflichen Neustarts kennt sich Blüggel aus – auf ihrer Karriereleiter hat sie die verschiedensten Sprossen überquert: Nach ihrem Studium in Germanistik, Anglistik, Pädagogik und Theaterwissenschaften, das sie in Großbritannien absolvierte, führte es die damals 31-Jährige promovierte Blüggel in die Redaktion des ZDF. Dies sollte auf ihrem weiteren Weg der einzige Ausflug in den Journalismus sein. Denn ab 1993 widmete sie sich ihrer wahren Leidenschaft: der Bildung.

Nach ersten Erfahrungen an der VHS Münster, die die Westfälin neben ihrem Studium machte, schlug sie an der Kreisvolkshochschule Vogelsberg den hauptberuflichen Weg an einer VHS ein. Sie wurde Fachbereichsleiterin für Sprachen. Nachdem sie an die Volkshochschule Köln gewechselt hatte, wurde sie 2005 beurlaubt, um als Referentin für Sprachenmarketing beim „Deutschen Volkshochschulverband“ zu arbeiten. Bevor es sie wieder an eine Volkshochschule brachte, war Blüggel als Geschäftsführerin des Zentrums für Mehrsprachigkeit und Integration tätig.

Außerdem leitete sie die „Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien“. Nach diesen Jahren der Neuanfänge, soll die VHS Aachen die letzte Station auf Blüggels Weg sein. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, gibt sie mit einem Lächeln bekannt, was nicht heißt, dass sich die 53-Jährige auf ihren beruflichen Lorbeeren ausruhen will: Sie habe große Ziele vor Augen.

Besonders wichtig ist es ihr, der Politik vor zeigen, dass Weiterbildung in der Gesellschaft notwendig ist. Diese wird derzeit nur mit etwa 0,6 Prozent des Bildungsetats, der vom Land zur Verfügung gestellt wird, abgedeckt. Ein weiteres Ziel der VHS-Direktorin: Sie möchte sich im Rahmen des „Konzepts Aachen 2022“ für ein Bildungsareal aussprechen, das etwa durch die Zusammenlegung von Bibiliotheken und VHS erschaffen werden könnte.

Ein Thema, das Beate Blüggel ganz besonders am Herzen liegt, ist die Zahl der Analphabeten in Deutschland. Als Leiterin des Weiterbildungszentrums will sie Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, eine zweite Chance geben. Außerdem möchte Blüggel in ihrer Amtszeit mehr wohnortnahe Angebote für Bewohner von Vororten schaffen.

Vor Ort sollen in Zukunft Menschen angesprochen werden und Weiterbildungsangebote bekommen. Doch bevor die neue VHS-Direktorin diese Ziele verwirklichen kann, muss sie sich um organisatorische Dinge kümmern. Rund 20 Termine erwarten sie in den nächsten Tagen, so dass sie ihr liebevoll eingerichtetes Büro in naher Zukunft wohl nur von außen sehen wird. Bleibt da denn noch Zeit für einen der 3000 Kurse der VHS? Eigentlich nicht. Und ohnehin sagt sie: „Ich würde einen neuen gründen, der ‚Öcher Platt für Anfänger‘ heißt!“

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war irrtümlich von 300 Kursen der VHS die Rede. Tatsächlich bietet die VHS im Winter rund 1400 und über das ganze Jahr circa 3000 Kurse an.

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