Die Zukunft beginnt neben dem Museum

Von: Christoph Classen
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Die „Jungs”, in denen Michael Mahr die Zukunft sieht: Alexander Mämpel, Nuri Hagen und Christian Jagisch (v.l.) absolvieren zwei Ausbildungen unmittelbar hintereinander. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass sich Michael Mahr der Tradition verpflichtet fühlt, wird spätestens klar, als er die Tür zu dem fensterlosen Raum aufstößt. Ein kleines Museum wurde dort eingerichtet, Heizöfen längst vergangener Epochen lassen die knapp 170-jährige Firmengeschichte begreifbar werden.

„Hier”, sagt Mahr, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Unternehmens für Wärme-, Lüftungs- und Klimatechnik, „werden unsere Mitarbeiter bei Jubiläen geehrt.”

Nun ist das mit der Tradition so eine Sache. Sie zu wahren, und die Firma gleichzeitig für die Zukunft zu rüsten, ist eine Aufgabe, die einem Spagat gleicht. Michael Mahr beherrscht ihn. Weil er dem drohenden Fachkräftemangel mit Flexibilität begegnet. Seinen Azubis gibt das neue Perspektiven. Mahr macht ihnen ein Angebot: Bei ihm können sie zwei Ausbildungen unmittelbar hintereinander absolvieren.

„Das hat auch etwas mit Demographie zu tun”, erklärt der Unternehmer seinen Beweggrund. Mahr, der den Familienbetrieb in fünfter Generation führt, rechnet in absehbarer Zeit mit personellen Engpässen. Schon jetzt gebe es in der Branche „mehr offene Stellen als Fachkräfte”. Eine Entwicklung, die sich fortzusetzen drohe. Dies vor Augen, kam Mahr irgendwann zu dem Schluss: „Die Zukunft erfordert Leute, die ein größeres Wissen haben.”

Bei Mahr heißt die Zukunft Christian Jagisch, Alexander Mämpel und Nuri Hagen. Die drei, vom Geschäftsführer stets „die Jungs” genannt, sind die ersten, denen die Doppelausbildung angeboten wurde. „Ich denke langfristig, deswegen war direkt klar, dass ich das mache”, sagt Jagisch, 21 Jahre jung. Genau wie Mämpel hat er die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik abgeschlossen und die zum Mechatroniker für Kältetechnik kürzlich begonnen. Nuri Hagen wird nach der Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik die zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik in Angriff nehmen.

Michael Mahr ist klar, dass der eingeschlagene (Sonder)Weg für seine Jungs nicht allein Vorteile bereithält. „Die verdienen nach der ersten Ausbildung nur die Hälfte von dem, was sie verdienen könnten”, sagt er. Deswegen bezahlt er Jagisch, Mämpel und Hagen ein wenig mehr, als er müsste und stellt ihnen Laptops zur Verfügung.

Investitionen, die sich für das Unternehmen auszahlen sollen. Mahr hofft, dass ihm seine Jungs über die Lehrjahre hinaus treu bleiben. „Ich träume seit 20 Jahren davon, solche Leute zu haben”, sagt der Chef von rund 120 Mitarbeitern. Natürlich weiß er, dass das in anderen Personalabteilungen ähnlich gesehen wird.

Eine beruhigende Wirkung auf Mahr dürfte es deshalb haben, wenn Mämpel sagt, dass er durch die Doppelausbildung mehr Verantwortung übernehmen kann und das er sie als Ansporn sieht. Oder wenn Hagen von der „Lehrlingsecke” schwärmt in der er sich optimal auf Prüfungen vorbereiten könne. Oder wenn Jagisch auf die Frage, wo er seine Zukunft sieht, antwortet: „Ich hoffe mal, im Hause Mahr.”

Dessen Geschäftsführer will auch kommenden Azubis eine doppelte Ausbildung anbieten. „Ich mache mir nur den Vorwurf”, sagt Michael Mahr, „dass wird damit nicht schon vor fünf Jahren begonnen haben.” Dann hätte die Zukunft jetzt schon ein wenig Tradition.
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