Die Zahl der leeren Ladenlokale wächst

Von: Robert Esser
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Viel Bewegung - außer am (eingekreisten) Kaiserplatz: In der Aachener Innenstadt warten 63 Ladenlokale und 15 Gastronomieflächen auf neue Nutzung. Die Quadratmeterpreise betragen bis zu 115 Euro. Grafik: AZ

Aachen. Tausende Passanten weniger in der Adalbertstraße, Rekordmieten bis zu 115 Euro pro Quadratmeter in 1a-Lagen und deutlich mehr leer stehende Ladenlokale in der Innenstadt als im Vorjahr: Im Aachener Einzelhandel ist vor der für 2015/16 angekündigten Eröffnung der Kaiserplatz-Galerie einiges in Bewegung.

Nur nicht zwischen Kaiserplatz und Kugelbrunnen. In der Ruinenlandschaft stehen 17 Ladenlokale leer. Deswegen wurde das Areal in der Leerstandsanalyse der Aachener Zeitung ausgeklammert. Nach unserer aktuellen Erhebung gibt es derzeit in zentraler Lage 78 verwaiste Geschäftslokale, darunter 15 Gastronomieflächen. Das sind 23 mehr als im Oktober 2011.

Untersucht hat die AZ wie in den Vorjahren das Kerngebiet innerhalb des Grabenrings (plus klassische Einkaufsstraßen; siehe Grafik). Vor zehn Jahren hatte die Langzeit-Analyse der Initiative Aachen noch 102 Leerstände aufgelistet. 2010 zählten wir mit 49 Leerständen weniger als die Hälfte des damaligen Höchstwertes.

Den gegenwärtigen Trend bestätigt das „Einzelhandelsinformationssystem”, in dem der Fachbereich Wirtschaftsförderung sämtliche gemeldeten Einzelhandelsflächen und deren Verfügbarkeit online zusammenfasst (http://www.aachen.de). 109 von exakt 1819 erfassten Immobilien warten auf neue Geschäftsmieter - 16 mehr als vor einem Jahr.

Ansprechpartner der Stadt für Vermieter und Geschäftsleute, die ein Ladenlokal suchen, ist Herbert Kuck. „Mit sechs Prozent liegt die Leerstandsquote zwar ein Prozent höher als vergangenes Jahr, rangiert aber immer noch auf beneidenswert niedrigem Niveau”, sagt er. Trotzdem: Kuck beobachtet, dass verwaiste Geschäftsräume in zentrumsnahen Nebenlagen - etwa der Rosstraße und der Südstraße - seit Jahren vergammeln. „Vielleicht sollten Vermieter zuweilen auf einen Umbau in Wohnraum setzen; der ist auf jeden Fall gefragt”, rät der Immobilien-Experte. Viele Geschäftslokale benötigten zudem dringend eine Sanierung, bevor sie auf dem Markt neues Interesse wecken.

Zwei alte „Sorgenkinder”

Einige Immobilieneigentümer - etwa entlang des Alexianergrabens - haben die Zeichen der Zeit erkannt und modernisieren derzeit Verkaufsflächen, die zuvor jahrelang ungenutzt dahinsiechten. „Sorgenkinder” des Einzelhandels bleiben - unter anderem - Bahnhofstraße und Großkölnstraße. Extrem schäbig präsentiert sich seit über zehn Jahren der Abschnitt zwischen Minoritenstraße und Seilgraben. Dort reihen sich Leerstände aneinander.

Peek & Cloppenburg gehören die verrammelten Geschäftsslokale. Weil das Modeunternehmen nun im großen Stil in die Adalbertstraße ziehen will, könnte die Düsseldorfer Zentrale ihre vernachlässigten Häuser in der Großkölnstraße wieder auf den Markt werfen. Zu realistischen Konditionen, wie die Stadt hofft. Denn zuweilen schießen Immobilieneigentümer mit ihren Verkaufs- oder Mietpreisvorstellungen erheblich übers Ziel hinaus. So fordert man zuweilen sogar im Dahmengraben rund 14.000 Euro für 140 Quadratmeter Verkaufsfläche - was dann eher Leerstand als Rendite fördert.

Die Attraktivität der Flaniermeilen beeinflusst zudem die Kundenfrequenz. Extreme Auswirkungen hat dies auf die Nachbarschaft im Umfeld der Brache, auf die ab Frühjahr 2013 die knapp 30.000 Quadratmeter große Kaiserplatz-Galerie gebaut werden soll. Nach der jährlichen Zählung der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle rutscht die Adalbertstraße bei der „Passantenfrequenzzählung” immer weiter ab: Nach 6645 Passanten pro Stunde im Jahr 2011 registrierte man 2012 nur noch 5155 Fußgänger. Damit wurde man im bundesweiten Städtevergleich von Platz 30 auf Rang 44 durchgereicht. Der Aachener Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre lag bei über 7400 Passanten.

Zu große Einzelhandelsflächen?

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Aachen-Düren-Köln, Manfred Piana, warnt deshalb: „Man muss aufpassen, wie viel Einzelhandelsflächen die Stadt Aachen verträgt”, sagt er. Man müsse dringend über eine Aufwertung von Markt und Großkölnstraße nachdenken - und zum Beispiel prüfen, ob man nicht wieder eine Bushaltestelle vor dem Rathaus einrichtet, um dort die seit Jahren sinkende Kundenfrequenz heraufzufahren, erklärt Piana. Die höhere Zahl der Leerstände sei aber noch kein Alarmsignal, beruhigt er.

Das sieht Andrea Trebschuh von der Initiative Aachen ähnlich: „In stark nachgefragten Lagen, hier besonders die 1a-Lage Adalbertstraße bis Kugelbrunnen und Holzgraben, sind nahezu keine Vermietungsangebote auf dem Markt”, stellt sie fest. Dies führe zu wachsender Nachfrage nach 1b-Lagen - aber kaum zu höheren Mieten. Diese bewegen sich sowieso in erschreckender Höhe: bis zu 115 Euro pro Quadratmeter auf der Adalbertstraße, bis zu 80 Euro auf Krämerstraße und Dahmengraben, bis zu 40 Euro auf dem Markt und der Hartmannstraße. Die Preise am Büchel sinken leicht.

Die offizielle „Analyse zum gewerblichen Immobilienmarkt” kann unter Tel. 8793000 und initiative-aachen@t-online.de gegen Schutzgebühr angefordert werden.
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