Aachen - Die Wut der Ladenbesitzer auf die Baustellen wächst

Die Wut der Ladenbesitzer auf die Baustellen wächst

Von: Robert Esser
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Mindestens noch anderthalb Wochen: Wegen der Baustelle am Adalbertsteinweg und auf der Trierer Straße staut sich täglich der Verkehr, Geschäftsleute müssen erhebliche Umsatzausfälle verkraften. Foto: Robert Esser

Aachen. Tankwart Joseph Bendels schäumt vor Wut: „Diese Baustelle ist eine Katastrophe! Seit 14 Tagen kommen 70 Prozent weniger Leute tanken”, klagt er. „Dafür habe ich aber 1000 Autofahrer pro Tag hier, die quer über meine Tankstelle wenden, weil sie überhaupt nicht mehr wissen, wo sie lang fahren sollen.”

Bendels PM-Tankstelle liegt an der gegenwärtig wohl längsten Straßenbaustelle Aachens. Sie führt über einen Kilometer vom Adalbertsteinweg bis auf die Trierer Straße. Zwischen den Kreuzungen Madrider Ring und Elsassstraße sind wegen der Asphaltarbeiten zwei Fahrspuren bergab und damit sieben Stichstraßen Richtung Ostviertel und Forst gesperrt. Der Verkehr staut sich seit Wochen auf- wie abwärts auf einspurigen Behelfsfahrstreifen.

Kazim Özkaytan betreibt die Imbiss-Oase. Vor ihm fräst gerade ein stählerneres Monstrum mit ohrenbetäubendem Lärm die Teerdecke ab. „Ich verkaufe 15 Kilogramm weniger Dönerfleisch pro Tag. Jeder zweite Kunde fehlt”, sagt er. „Gestern hat mich ein Anwohner tatsächlich gefragt, wie er denn nach Hause komme - so ein Absperrungs-Chaos herrscht hier.” Ihn ärgert, dass die Bauarbeiten auf der Hauptverkehrsader jedes Wochenende ruhen und die Baustellenphase somit länger dauert.

Apotheker Wolfgang Neumann erzählt, dass vor seiner Tür bereits Passanten gestürzt sind. „Die Absperrmaßnahmen sind mangelhaft. Ich verstehe sowieso nicht, warum der völlig intakte Straßenbelag erneuert wird. Der Flüsterasphalt ist hier völlig überflüssig. Das ist rausgeschmissenes Geld”, kritisiert Neumann.

Einige Häuser weiter wartet Siegfried Beckhausen auf Kunden. Seine Einbußen beziffert er auf 25 Prozent. „Schlimm ist für uns, dass die Bushaltestelle vor unserer Türe baustellenbedingt wegfällt”, erklärt er. Beckhausen kompensiert die Verluste derzeit durch reduzierten Personaleinsatz.

Dieter Offermanns hingegen ist überrascht, dass sich seine Umsatzverluste in der Textilreinigung „in Grenzen halten. Ich hatte mit noch Schlimmerem gerechnet. Da muss man halt jetzt durch”, sagt er.

Wenn das Wetter mitspielt, sollen Adalbertsteinweg und Trierer Straße laut städtischem Presseamt am Mittwoch, 1. September, wieder für den Verkehr freigegeben werden. Man liege genau im Zeitplan, heißt es. An Wochenenden werde nicht gearbeitet, „weil viele Anwohner dann ihre Ruhe haben wollen”. Die endgültigen Markierungsarbeiten will man Mitte September abschließen.

Die Stadtverwaltung widerspricht dem Vorwurf, dass die Straßenbaustelle überflüssig und damit Geldverschwendung sei. Man habe im Bereich der Aachen-Arkaden „deutliche Risse” im Asphalt entdeckt, die spätestens bei der nächsten Frostperiode aufbrechen könnten, teilt die Stadt mit.

Zudem werde der „lärmoptimierte Asphalt” auf dem ein Kilometer langen, vierspurigen Abschnitt nur zweieinhalb statt vormals vier Zentimeter dick aufgetragen - was unterm Strich nicht kostspieliger als herkömmlicher Straßenbelag sei. Allerdings sei das Auftragen dieses Flüsterasphalts Voraussetzung dafür, dass die 560.000 Euro teure Straßensanierung komplett aus Fördermitteln des Konjunkturpakets II finanziert werden könne.

Bis Mittwoch wird die Asphaltdecke am Blücherplatz und auf der Eintrachtstraße entlang der Zufahrt von der Jülicher Straße Richtung Europaplatz saniert. Von Mittwoch bis Samstag rücken die Straßenbauarbeiter der Bismarckstraße zwischen Viktoriaallee und Schlossstraße zu Leibe. Für den Verkehr ist der Bereich dann komplett tabu. Mit größeren Behinderungen ist auch auf dem Kornelimünsterweg zu rechnen. Dort sollen Schäden an der Brücke Schöntal beseitigt werden.
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