Die Visionäre vom Kronenberg resignieren nicht

Von: Thorsten Karbach
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Sie sind die letzten Schüler,
Sie sind die letzten Schüler, die an der reformpädagogischen Sekundarschule einen Abschluss machen werden: Die Kinder der 6a erfahren dabei alle erdenkliche Förderung. Von Resignation keine Foto: Michael Jaspers

Aachen. Den Geist ihrer Schule will Helga Pennartz am Leben halten, auch wenn diese langsam aber sicher stirbt - oder weniger martialisch ausgedrückt: mit jedem Jahr ein Stück mehr geschlossen wird.

Denn die reformpädagogische Sekundarschule am Dreiländereck, ehemals Hauptschule Kronenberg, nimmt seit diesem Schuljahr keine neuen Fünftklässler mehr auf. Die Kinder der 6a sind der letzte Jahrgang, der an der Schule auf dem Kronenberg seinen Abschluss machen wird. So ist es jedenfalls versprochen worden, Schulleiterin Pennartz und ihre Lehrerkollegen erinnern die Schulpolitiker und Ratsleute gerne an diese Aussage.

Es gibt immer noch Momente, die die Lehrer vom Kronenberg traurig oder auch wütend machen. Damals war auch ihr Haus als Standort der vierten Gesamtschule im Rennen, die Entscheidung des Stadtrats fiel aber für die Sandkaulstraße. Dort wurde mehr Perspektive gesehen, auch wenn es viel Lob für das Konzept der reformpädagogischen Sekundarschule und Bedenken von Stadtplanern, die westlichste Schule, nahe dem Campus Melaten, aufzugeben, gab. Wenn in diesen Tagen die anderen weiterführenden Schulen Informationsabende veranstalten und zu Tagen der offenen Tür einladen, dann ist die Nachdenklichkeit im Kollegium besonders groß. „Die Enttäuschung, dass wir nicht richtig wahrgenommen wurden, ist groß”, sagt Barbara Kleine.

275 Schüler zählt man am Kronenberg noch. Es wären wohl mittlerweile mehr als 300, hätte die Schule im Sommer wieder ein fünftes Schuljahr bilden können. Und obwohl die Schule geschlossen wird, gibt es haufenweise Anfragen für die älteren Jahrgänge. „Wir können aber nur in Einzelfällen Zusagen machen, alles andere wäre doch verrückt. Aber die vielen Anfragen regen zum Nachdenken an”, sagt Pennartz.

Stolz und Bedauern

Das Interesse an ihrer Schule zeige doch, dass ihr pädagogisches Konzept ein gutes sei. Stolz löst das aus. Aber ebenso Bedauern. Und noch verrückter wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass wenige Monate nach der Entscheidung, die Sekundarschule zu schließen, die Landesregierung ein neues Schulmodell entwickelt hat, dass der Pädagogik vom Kronenberg sehr nahe kommt: die Sekundarschule. „Das ist bitter. Wir hatten einen visionären Weg gewählt und noch so viel vor”, sagt Monika Pelzer. Doch die Vordenker sind letztlich auf der Strecke geblieben.

Nun wollen sie eben den Geist ihrer Schule erhalten, um allen Kindern bis zum letzten Tag maximale Aufmerksamkeit zu schenken. Schwierig wird das, wenn eine Schule immer kleiner wird und Lehrerstellen nicht wieder besetzt werden. Noch gibt es 35 Kollegen. Aber Notstand in Physik oder Chemie deutet sich an. „Es wird zunehmend schwieriger, aber wir werden gut unterstützt”, sagt Hanni Wittig. Gut zurecht komme man auch mit den neuen Nachbarn. Die private Amos-Comenius-Schule ist von der Sandkaulstraße auf den Kronenberg gezogen. Es wurde schon miteinander konferiert, die Schülervertretungen haben Kontakte geknüpft. „Das läuft alles sehr positiv”, findet Helga Pennartz. „Ich hätte im Übergang mehr Reibungen erwartet”, sagt Amos-Comenius-Geschäftsführer Hans-Albert Ohnesorge. In guter Nachbarschaft geht es nun also weiter. Auch wenn für die Sekundarschule am Ende des Weges die Schließung steht. „Wir versinken nicht in Resignation, behalten jedes einzelne Kind im Blick”, verspricht Wittig. Der Geist der Schule bleibe.
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