„Die Vereine müssen sich verändern“

Von: Thorsten Karbach
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Blicken von der OGS in die Sekundarstufe I: Ingried Schäfer (links) und Judith Blau vom Stadtsportbund wissen um die Herausforderungen der Aachener Sportvereine in Sachen Ganztagsschulen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist alles eine Frage des Zusammenspiels, wenn es um Sport in der Schule geht. Seit 2003 zählen Bewegung und Sport in den Offenen Ganztagsgrundschulen (OGS) in Aachen zum Alltag. Doch sind Kinder und Jugendliche längst nicht mehr nur in der Primarstufe bis 16 Uhr im Schulhaus heimisch.

Und genau hier steht der Stadtsportbund als Dachverband von rund 250 Aachener Vereinen vor einer Herausforderung: Es geht darum, Schüler weiterhin in die Vereine zu bringen, aber gleichzeitig eben auch, die Vereine zu den Schülern – in die Schulen. „Beide Seiten – Schulen und Vereine – müssen da noch einen Schritt aufeinander zu gehen“, sagt Ingrid Schäfer.

21 Vereine, 90 Angebote

Schäfer ist seit 2005 Leiterin der Koordinierungsstelle Ganztag im Stadtsportbund. Begonnen hatte sie als Ehrenamtliche, jetzt ist sie dafür verantwortlich, dass es an Aachens OGS mit ihren insgesamt 4333 Kindern 90 Sportangebote mit Hilfe von 21 Vereinen gibt. So hat jede Aachener OGS mindestens ein Sport- oder Bewegungsangebot. Die Vereine machen dabei 47 Angebote von Tanz bis Akrobatik, von Fußball bis Leichtathletik und so weiter aus. Der Rest wird von Übungsleitern, mit denen der Stadtsportbund Verträge abschließt, gestemmt. Schäfer sagt: „Wir akzeptieren auch, wenn Vereine nicht können oder wollen.“ Und unter den 250 Mitgliedsvereinen des Stadtsportbundes sind eben auch Angelvereine oder Seniorensportgruppen. Mit denen würde so eine OGS kaum einen guten Fang machen.

Dennoch: Schäfer und ihre Stadtsportbund-Kollegin Judith Blau, eine Sportwissenschaftlerin, die das Programm „NRW bewegt seine Kinder“ in Aachen verantwortet, sehen schon, dass die Vereine sich der Entwicklung der Schulen nicht entziehen können. Wenn Kinder und Jugendliche von kürzesten Kindesbeinen an, sprich schon in der Kindertagesstätte, bis 16 Uhr betreut werden, dann hat das Folgen. Auch wenn sich der Mitgliederrückgang in den Vereinen auch mit dem demografischen Wandel erklären lässt und noch nicht allzu dramatisch – wie in anderen Kommunen – ins Gewicht fällt.

Noch immer zählt der Stadtsportbund 16 500 Mitglieder in Aachens Sportvereinen. Wer mehr Zeit in der Schule verbringt, hat weniger Freiraum für Sport im Verein. So einfach ist das. Und Schäfer kennt die Beispiele von Vereinen, die über Mitgliederschwund klagen. Dem gegenüber stehen dann solche, die über ihr Engagement in der OGS Kinder für den Sport in ihrem Verein gewinnen. „Die Chance des organisierten Sports ist es doch, dass er in der OGS alle Kinder erreicht. Die Vereine müssen reagieren und sich verändern“, sagt Schäfer. Und sei es, dass sie sich stärker dem Seniorensport verschreiben.

Der Stellenwert des Sports in den OGS wurde unlängst im neuen Vertrag zwischen den Trägern und der Stadt Aachen manifestiert. Da wird der organisierte Sport explizit aufgeführt. Und der Stadtsportbund plant, koordiniert und begleitet. Es läuft, wie Schäfer und Blau zufrieden feststellen, gut, auch wenn es zwangsläufig schwierig ist, zwischen 14 und 16 Uhr Übungsleiter zu finden und nicht in allen Sozialräumen Vereine für die OGS gewonnen werden können. Ein Brander Verein wird sich kaum in Richterich organisieren – und umgekehrt.

„Heftige Belastungen“

Der Blick des Stadtsportbundes muss nun aber mehr denn je auf die Sekundarstufe I gerichtet werden. Auch dort dauert der Unterricht längst bis in den späten Nachmittag – mit allen Auswirkungen auf den Sport. „Die Belastungen sind für die Schüler teilweise heftig. Es ist verständlich, dass dann die Kraft und die Zeit fehlen, um nach 18 Uhr noch ein Sporttraining zu besuchen“, erklärt Blau. Zudem belegen die Schulen mittlerweile die Aachener Sportstätten bis 18 Uhr, bisweilen länger und treten hier in Konkurrenz zu den Vereinen. „Das ist wirklich schwierig“, berichtet Schäfer. Ein neuer Erlass des Gesetzgebers öffnet die Schule nun aber für Sportvereine. „Wir müssen beide Seiten zusammenbringen“, sagt Schäfer. „Schule kann auch auf dem Vereinsgelände stattfinden.“ Talente könnten dabei gesichtet werden, auch Leistungsförderung im Sinne der Vereine ließe sich organisieren. Eben alles eine Frage des Zusammenspiels.

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