Aachen - Die Van Rompuys feiern ein Familienfest

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Die Van Rompuys feiern ein Familienfest

Von: Stefan Herrmann
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Der Präsident des Europäischen Rates, Herman van Rompuy, spricht am 17.10.2013 auf einem Symposium im Rahmen der Feier zum 40. Jahrestag des Europäischen Patentübereinkommens im Europäischen Patentamt in München (Bayern). Die Karlspreisverleihung sollte einem Mann gehören, der unauffällig, still aber sehr effektiv für Europa arbeitet. Der erste ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erhält Christi Himmelfahrt (29. Mai) die renommierte europäische Auszeichnung. Sie würdigt den 66-jährigen Belgier als Mittler, Konsensbildner und wichtigen Impulsgeber der Europäischen Einigung. Foto: dpa
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Die Aufbauarbeiten auf dem Katschhof laufen auf Hochtouren: Ab Mittwoch steht Aachen ganz im Zeichen des Karlspreises 2014. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nach der Wahl ist vor dem Karl. Genauer gesagt: vor dem Karlspreis. Am Donnerstag erhält der Präsident des Europäischen Rates, Hermann Van Rompuy, die renommierte Auszeichnung. Und es wird ganz schön voll im Krönungssaal. Allein der Preisträger rückt mit großem Gefolge an.

Neben seiner Frau Geertui reisen seine vier Kinder, vier Enkel und zwei Schwestern mit nach Aachen. „Aber die Familie Rompuy wird den Saal nicht alleine voll machen“, kann Oberbürgermeister Marcel Philipp wenige Tage vor Christi Himmelfahrt die 830 erwarteten Gäste mit einem Lachen beruhigen. Es wird aber nicht nur eng, sondern vor allem einiges anders beim Karlspreis 2014.

Nach der Kritik im Vorjahr wartet der diesjährige Karlspreis mit einem Novum auf. Denn dieses Mal ehrt nicht ein Laudator den Preisträger, sondern gleich drei Redebeiträge öffnen die von vielen Seiten zuletzt als angestaubt kritisierte Verleihung für Veränderungen. Ein mutiger Schritt, denn mit Iurie Leanca (Premierminister der Republik Moldau) Irakli Gharibaschwilli (Premierminister von Georgien) und vor allem Arsenij Jazenjuk (Premierminister der Ukraine) wirft der Karlspreis den Blick genau dorthin, wo derzeit der größte Krisenherd auf dem europäischen Kontinent kocht.

Und ein bisschen kommt dieses Trio daher wie eine Wundertüte. Die typischen Lobhudeleien auf den Preisträger sind nicht zu erwarten. Eher: Wie blicken Brückenstaaten wie Georgien und die Republik Moldau auf die EU? Kritik ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Und natürlich: Was passiert derzeit in der Ukraine, welche Zukunft hat der von einem Bürgerkrieg bedrohte Staat? Und was für eine Rolle sollte die EU in diesem Konflikt spielen. „Jeder ist frei, zu sagen, was ihm beliebt“ betont Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums. „Es sind sehr schwierige europäische Zeiten“, so Linden weiter.

Die Europawahl hat quer über den Kontinent hinweg zu einem Rechtsruck geführt. In so einer spannenden und herausfordernden Zeit den Karlspreis verleihen zu können, bewertet Aachens ehemaliger OB als glücklichen Umstand. „Wir können über aktuelle Themen reden. Und das tun wir auch. Europa feiert sich nicht selbst, Europa ist eine Aufgabe.“

Jemand, der geradezu symbolisch für das Beackern europäischer Aufgaben steht, ist der Belgier Herman Van Rompuy. nachdem er Ende vergangenen Jahres als Preisträger bekanntgegeben wurde, standen die Entscheider in Aachen sogleich erneut in der Kritik: nicht inspirierend genug, ein reiner Bürokrat, wenig innovativ. Heute, so Linden, zeige sich, dass man im Direktorium die richtige Wahl getroffen habe. Denn Van Rompuy nehme nicht zuletzt im Ukraine-Konflikt eine entscheidende Rolle auf Seiten der EU ein. Gemeinsam mit ihm entschied sich das Karlspreis-Direktorium schließlich auch, gewohnte Pfade zu verlassen und statt eines klassischen Laudators drei Vertreter aus dem Osten Europas ihre ganz persönliche Sicht auf Zustand und Entwicklung des Kontinents werfen zu lassen. Als sei das für den traditionsreichen Karlspreis nicht schon genug an Wandel, so werden diesmal auch beim musischen Part ungewöhnliche Happen serviert. Van Rompuy ist ein großer Fan von Haikus – einer japanischen Kurzgedichtform. Einige seiner eigenen Texte werden nun beim Festakt mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Hoher Besuch

Unter den Zuhörern im Aachener Rathauses befindet sich dann eine illustre Schar internationaler (Staats-)Gäste: Die ehemaligen Preisträger Dalia Grybauskaité (2013) und Jean-Claude Trichet (2011) nehmen ebenso im Krönungssaal Platz wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Eurogruppen-Chef Jereon Dijsselbloem, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Prinzessin Astrid von Belgien und Prinz Lorenz Erzherzog von Österreich-Este.

Es sind unruhige Zeiten in Europa. Wichtige Entscheidungen stehen in den nächsten Tagen in Brüssel und Straßburg an. Welche Auswirkungen haben die Wahlen auf die EU der kommenden Jahre? Findet Europa eine gemeinsame Politik in den Konflikten dieser Welt? Gelingt eine weitere Stabilisierung der EU-Wirtschaft und der gemeinsamen Währung? „Und wir sind mit dem Karlspreis mittendrin“, freut sich Direktoriumssprecher Jürgen Linden. Und obwohl OB Marcel Philipp gerade erst einen nervenaufreibenden Wahlabend erleben durfte, wird der Adrenalinpegel seiner Einschätzung nach in den kommenden Tagen daher nur unwesentlich sinken: „Ich glaube, das wird eine der spannendsten Karlspreisverleihungen der letzten Jahre.“

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