Die Universität prägt Aachen immer mehr

Von: Katharina Redanz
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Hunderte Millionen Euro verbaut: Geva Aschhoff (Abteilungsleiterin RWTH-Baumanagement) deutet auf das Hörsaalzentrum an der Claßenstraße, das nächstes Jahr endlich fertiggestellt werden soll. Foto: Andreas Steindl
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Weitere aktuelle Projekte sind die ICT-Cubes an der Kopernikusstraße... Foto: Andreas Steindl
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... und das Center for Wind Power Drives. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit dem heutigen Hauptgebäude der RWTH am Templergraben fing alles an: Es war 1870 das erste und einzige Gebäude der damals neu gegründeten „Königlichen Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule zu Aachen“, die im Gründungsjahr mit 32 Dozenten und 223 Immatrikulierten den Betrieb aufnahm.

Bis heute hat sich nicht nur die Anzahl der Studierenden und Lehrenden vervielfacht, mit über 40.000 Studenten, rund 500 Professoren und knapp 5000 wissenschaftlichen Mitarbeitern gehört die RWTH zu den größten Universitäten des Landes. Auch baulich hat die Hochschule sich enorm vergrößert: Heute beträgt die Nutzfläche rund 40 Hektar, knapp 400 Gebäude gehören zum Bestand der Technischen Universität.

Personal anlocken

Und es wird stetig weiter gebaut: „Bauen ist eine der bedeutendsten Aktivitäten der Hochschule“, sagt Manfred Nettekoven, Kanzler der RWTH, gebäudetechnisch gut ausgestattet zu sein sei wichtig, um als Hochschule bestehen zu können. Die bauliche Infrastruktur, samt technischer Möglichkeiten in neuen Gebäuden, sei wesentlich, um Personal „vom Professor bis zur Hilfskraft nach Aachen zu locken“, so Nettekoven, nur wegen guter Printen kämen diese nämlich nicht. „Seit 2010 wird an der RWTH mehr denn je gebaut“, sagt Geva Aschhoff, Abteilungsleiterin des Baumanagements der Hochschule.

Im Moment werde an zehn Baustellen gebaut, weitere Sanierungen und Neubauten seien bereits in Planung. Grund für den „Bauboom“ seien unter anderem die stetig steigenden Studierendenzahlen. So entsteht beispielsweise – allerdings mit einiger verzögerung – das neue Hörsaalzentrum Claßenstraße unweit vom Westbahnhof: Insgesamt 4100 Studierende finden hier Platz, verteilt auf über 6000 Quadratmetern und verschiedene Hörsäle und Seminarräume.

„Der Audimax ist stark sanierungsbedürftig, außerdem haben sich die Lehrformen in den letzten Jahren so entwickelt, dass eher kleinere Räume benötigt werden“, begründet Aschhoff den Neubau. Ende kommenden Jahres sollen die Räume endlich fertig sein, ein paar Monate später soll mit der Sanierung des denkmalgeschützten Audimax begonnen werden.

Neben den Gebäuden im Innenstadtbereich wird vor allem im Westen der Stadt gebaut: Im Bereich der Areale „Campus Melaten“ und „Campus West“ entstehen Neubauten für Forschung und Lehre, marode Gebäude werden saniert. Gerade für technische Forschungsbereiche, in denen mit gefährlichen Stoffen gearbeitet oder für große Maschinen viel Platz benötigt wird, seien diese Standorte optimal, sagt Kanzler Nettekoven. Viel Platz benötigt beispielsweise das „Center for Wind Power Drives“ (CWD): Seit 2014 wird in der riesigen Halle am Campus Melaten zum Antrieb von Windenergieanlagen geforscht.

Der Bau, inklusive 120-Tonnen-Kran zum Heben der Gondel, dem „Kopf“ der Windkraftanlage, ist ein sogenannter „91b-Bau“. Diese sind je zur Hälfte von Land und Bund gefördert. Für diese Förderung, allein für das CWD rund 25 Millionen Euro, müssen sich die Macher der Bauvorhaben in einem Wettbewerb durchsetzen. Insgesamt seien diese Bauten in der Hochschullandschaft nicht allzu häufig, erklärt Kanzler Nettekoven, „aber in Aachen haben wir ziemlich viele davon“. So gehört beispielsweise auch der bereits fertiggestellte Neubau „Innotex“ der Textiltechnik dazu, ebenso wie das gerade entstehende „Center for Biohybrid Medical Systems“ und das sich im Bau befindende neue Laserzentrum am Campus Melaten.

Aber nicht nur 91b-Bauten sprießen in Aachen aus dem Boden – schließlich gibt es verschiedenste Finanzierungsmöglichkeiten für Infrastruktur im Bereich Forschung und Lehre. Durch Sonderprogramme wie zum Beispiel das Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes, das Geldmittel für dringend notwendige Sanierungen beinhaltet, oder durch sogenannte Mietlistenverfahren. Insgesamt rund 540 Millionen Euro hat das Land NRW seit 2009 in die RWTH Aachen investiert. „Die RWTH ist unser wichtigster Kunde“, sagt Herbert Holler, Leiter der Abteilung „Planen und Bauen“ der Aachener Niederlassung vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). „Rund ein Drittel unseres Umsatzes machen wir durch die Hochschule.“ Zudem, so Aschhoff, entstünden viele Gebäude von externen Investoren im Gebiet des Campus.

Neben den Gebäuden, die gefördert werden, gibt es aber auch hochschuleigene Bauten: So etwa der Neubau des Instituts für Kraftfahrzeuge, der seit Februar dieses Jahres genutzt wird. Neben neuen Seminarräumen und Büroflächen ist ein riesiger Raum hinter einer Glasfront das Herzstück des Gebäudes. Installiert wird hier ein hochdynamischer Fahrsimulator, mit dem das Fahrgefühl extrem realistisch dargestellt werden kann – hier wird mit Vollgas an der Vision des emissions- und unfallfreien Fahrens gearbeitet. Kostenpunkt des Neubaus am Campus Melaten inklusiver aller technischen Einrichtungen: zehn Millionen Euro.

Wichtig für alle neuen Hochschulgebäude, gleich welcher Finanzierung, sei die Qualität der Architektur, stimmen Holler und Aschhoff überein. „Die Funktion und die Qualität müssen stimmen“, so Holler – und das Aussehen sei natürlich auch nicht ganz unwichtig. So gebe es Spielereien, beispielsweise die Fassade der „ICT Cubes“, die neuen Gebäude der Elektrotechnik: Sie sei eine Art QR-Code, nur etwas komplexer. Zurzeit werde im Rahmen einer Doktorarbeit eine App entwickelt, mit der die Fassade dann Scan- und Lesbar sei, erklärt Holler.

Gerade im Bereich der Innenstadt müssten sich die Neubauten jedoch in das restliche Stadtbild eingliedern und stimmig sein. „Insgesamt gesehen, kann man schon sagen, dass die RWTH das Stadtbild deutlich mitprägt“, sagt Holler. Und dies durchaus zunehmend. Vor allem im Westen der Stadt sei die Universität dominant, und „wenn jetzt noch der Campus West langsam wächst, ist die ganze Hörn umzingelt“. Das Hauptgebäude am Templergraben ist zwar längst nicht mehr das einzige Gebäude der RWTH – aber weiterhin prägt es, schon allein durch die Beherbergung des Rektorats, die Hochschulentwicklung bedeutend mit.

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