Die Tage der alten Waldschule sind gezählt

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Schmuckstück ohne Perspektive
Schmuckstück ohne Perspektive: Die ehemalige Waldschule Breuer am Brüsseler Ring soll jetzt einem Neubau weichen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Rund ums historische Kleinod am Brüsseler Ring bewegt sich seit Jahren praktisch nichts: Die ehemalige Waldschule Breuer steht leer, die Fenster sind vor ein paar Monaten entfernt worden, das ehedem denkmalgeschützte Gebäude ist erheblich renovierungsbedürftig - noch.

Denn die 1921/22 errichtete, idyllisch am Rand des Aachener Waldes gelegene Villa soll in Kürze einem Neubau weichen. Hinter den Kulissen nämlich haben sich Politik und Verwaltung auf der einen, der private Besitzer des „Flurstücks 263” auf der anderen Seite jahrelang heftig beharkt - bis die Stadt die juristischen Waffen streckte, um einem abschlägigen Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen zuvorzukommen. Das war bereits 2009. Nun wurde auch der Bebauungsplan für das heftig umkämpfte Grundstück geändert.

Massive Schäden durch Schwamm

„Leider mussten wir kleinbeigeben”, bekannte Planungsdezernentin Gisela Nacken am Dienstag. „Der Besitzer konnte bereits vor drei Jahren per Gutachten nachweisen, dass sich der Zustand der Villa innerhalb von zwei Jahren rapide verschlechtert hatte.” Unter anderem sei festgestellt worden, dass die Substanz durch massiven Befall mit dem für seine verheerende Wirkung berüchtigten „echten Hausschwamm” erheblich in Mitleidenschaft gezogen war. „So wurde der Denkmalschutz zähneknirschend wieder aufgehoben, da dem Hausherrn eine Sanierung unter den gegebenen Umständen nicht zuzumuten sei”, erklärt auch CDU-Fraktionschef Harald Baal - und ergänzt: „Was wir mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen mussten.”

Fakt ist, dass der Eigentümer des Areals seit langem plant, dort einen dreigeschossigen Neubau mit maximal 600 Quadratmetern Grundfläche sowie eine Tiefgarage zu errichten. Die Bebauungsdichte sei daher weiterhin insgesamt als gering einzustufen und füge sich „in die Bebauung der näheren Umgebung ein”, wie die Verwaltung darlegt. Allerdings müssen diverse Umweltschutzauflagen eingehalten werden. Gegebenenfalls müsste ein Rückhaltebecken installiert werden, um die bereits ausgelasteten Kanäle nicht weiter zu strapazieren. Eine Abstimmung der gesamten Entwässerungsplanung mit den zuständigen Behörden sei überdies „zwingend erforderlich”, heißt es in der Vorlage des federführenden Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, die der Rat Ende Januar einstimmig zur Kenntnis genommen hat.

Kaltluftschneise nicht gefährdet

Zudem muss nachgewiesen werden, dass der Boden- und Grundwasserschutz - insbesondere wegen des nahe gelegenen Paubachs - gewährleistet ist. Ebenso sollen Vögel und alte Bäume, darunter mehrere Kastanien und eine große Linde, keinesfalls verdrängt bzw. beseitigt werden. Gegebenenfalls sei in diesem Zusammenhang ein weiteres Gutachten erforderlich. Die klimatisch wichtige Funktion des Areals als Kaltluftschneise werde durch die Pläne im Übrigen nicht gefährdet.

„Ich denke, wir haben jetzt mit der Stadt eine gute gemeinsame Lösung gefunden”, resümierte der Investor ungeachtet der zähen Verhandlungen am Dienstag gegenüber der AZ. Der geplante Neubau füge sich nun durchaus dezent ins Umfeld ein. Über die konkrete Nutzung könne er derzeit zwar noch keine Auskunft geben. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir dort auch Wohnungen unterbringen können.” Wann er konkret mit dem Abriss der alten Waldschule beginnen wird, ließ er ebenfalls offen. Letzte bürokratische Hürden seien nämlich noch zu nehmen - auf anderer, weit höherer Ebene: „Das Verfahren zieht sich hin, weil wir wegen der Entsorgung der Baumaterialien strikte EU-Normen beachten müssen.”

Kaufmannsvilla, Schule, Denkmal: Die lange Geschichte des Objekts in Kürze

Die alte Waldschule wurde 1921/22 an der damaligen Prinz-Heinrich-Straße 5 im Auftrag des Kaufmanns Heinrich Hochstetter erbaut. Ab Herbst 1950 war in dem Haus am heutigen Brüssler Ring eine Realschule untergebracht, ab 1955 ein neusprachliches privates Gymnasium, bekannt als Waldschule Breuer. 1979 wurde die Schule - das heutige Anne-Frank-Gymnasium - nach Laurensberg umgesiedelt.

2001 wurde die ehemalige Villa auf Initiative der Grünen unter Denkmalschutz gestellt - auch infolge massiver Auseinandersetzungen über eine Reihe von Bauvorhaben im Aachener Südviertel. 2009 wurde der Bestandsschutz gegen den Widerstand der Stadt aufgehoben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert