Die Suche nach dem Kaisergrab

Von: Thorsten Karbach
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Im Aachener Dom ist karolingischer Blaustein entdeckt worden. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Unter dem steinigen Boden liegt das letzte große Geheimnis des Aachener Domes verborgen - das Grab Karls des Großen. Bis heute streiten sich die Gelehrten, wo genau der Kaiser 814 begraben wurde. In ein paar Wochen könnte es neue Hinweise geben - auf das karolingische Westwerk zwischen Vorhalle und Oktogon.

Dort wird im Zuge der Domsanierung das Erdreich aufgewühlt. „Nachgrabungen” nennt das Dombaumeister Helmut Maintz, denn schon 1910 wurde hier in den Boden und damit in die Dombaugeschichte gegraben. Damals wurden Gruften entdeckt, doch die Geschichtsschreibung schloss aus, dass sich Karls Grab außerhalb des Zentralbaus befand.

Mittlerweile aber gibt es andere Meinungen, und Dombaumeister Maintz sowie die städtischen Archäologen gehen - wenn man so will - wieder auf die Jagd nach dem Kaisergrab. Überprüft werden kann nämlich, ob die Mauern und der Mörtel der Gruften unter dem Westwerk karolingisch sind. Ist dies der Fall, soll untersucht werden, ob Karls Proserpina-Sarkophag in die Gruft passt. „Das ist eine große Chance. Wir erhoffen uns neue Hinweise”, sagt Maintz. Das Interesse unter Archäologen und Historiker sei groß. „Man muss aber so realistisch sein, dass ein Beweis Zufall wäre. Aber Hinweise erwarten wir schon.”

Eine erste Entdeckung gibt es bereits vor der großen Suche. Eher zufällig wurden unter dem Marmorboden des Oktogons im Aachener Dom karolingische Blausteinplatten entdeckt. Dabei handelt es sich um den historischen Domfußboden. Ein bemerkenswerter Fund, beweist er doch, dass sich der ursprüngliche Boden kaum zwei bis drei Zentimeter unter dem aktuellen befindet. „Dieser Fund hat uns schon überrascht”, sagt Maintz.

An Überraschungen hat sich der Dombaumeister aber mittlerweile gewöhnt. Meist unliebsame. Und auch im Westjoch sind Risse in den Mosaiken aufgetaucht, die dringend geschlossen werden müssen. Die Arbeiten haben begonnen, die Kosten sind noch nicht kalkulierbar. Allein im letzten Jahr mussten 850.000 Euro in Domreparaturen investiert werden. Allein für die Instandsetzung der Mosaike lagen die Kosten 73 Prozent über dem Ansatz. Fast 3000 Arbeitsstunden mehr als erwartet wurden letztlich gezählt. An den tiefsten Rissen mussten 25.000 Steinchen einzeln entfernt und anschließend mit Rübenkraut wieder aufgeklebt werden.
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