Aachen - „Die Stimmung ist gut und entschlossen“

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„Die Stimmung ist gut und entschlossen“

Von: Stefan Herrmann
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Durch den Warnstreik wurde vor allem der Aachener Busverkehr, aber auch der Betrieb in städtischen Kitas und Schwimmhallen stark beeinträchtigt. Foto: Roeger
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Durch den Warnstreik wurde vor allem der Aachener Busverkehr, aber auch der Betrieb in städtischen Kitas und Schwimmhallen stark beeinträchtigt. Foto: Roeger

Aachen. Als Mathias Dopatka am Mittwochmorgen einen ersten Blick aus dem Fenster wagte, wurde dem Verdi-Gewerkschaftssekretär kurzzeitig doch ein wenig bange. Schneeregen, lausig-kalte Temperaturen, kurzum: es herrschte ein wahres Hundewetter.

Doch wenig später am Treffpunkt Auf der Hüls zeigte sich, wie ernst es den Beschäftigten des öffentlichen Diensts im aktuellen Tarifstreit mit den kommunalen Arbeitgebern ist. Die Gewerkschaften bellen nicht nur, sie haben am Mittwoch ein erstes Mal zugebissen. Knapp 2000 Warnstreikende trotzten dem Wintereinbruch Ende April und machten sich gegen 8.30 Uhr aus dem Verdi-Bezirk Aachen/Düren/Erft auf den Weg nach Köln, um dort bei einer großen Kundgebung mit etwa 10.000 Teilnehmern ihrem Ärger lautstark Luft zu machen. „Die Stimmung ist gut und entschlossen“, stellte Dopatka auf der Rückfahrt am frühen Nachmittag zufrieden fest.

Das traf sicherlich nicht auf jeden Aachener zu, der bei Wind und Wetter vergeblich auf einen Bus wartete oder bei städtischen Einrichtungen vor verschlossene Türen rannte. Am zweiten Streiktag hatte die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte in rund 60 NRW-Städten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen – unter anderem in Aachen und der Region. Neben Pendlern, Schülern und Studenten, die sich eine Alternative zum ÖPNV suchen mussten, traf es vor allem Familien mit Kita-Kindern, da die Mehrheit der städtischen Tagesstätten am Mittwoch geschlossen blieben.

In Aachen waren lediglich sechs von 57 städtischen Kitas komplett geöffnet. 39 Kindertagesstätten blieben den ganzen Tag über geschlossen, in zwölf Einrichtungen wurden die U3- und Ü3-Kinder in weniger Gruppen als im Normalbetrieb betreut, wie das städtische Presseamt auf AZ-Anfrage mitteilte. Von den neun städtischen Standorten im Offenen Ganztag waren zwei streikbedingt komplett dicht, zwei arbeiteten lediglich mit Notgruppen.

Einigen Ärger gab es am frühen Morgen vor den Türen der städtischen Schwimmhallen. Die blieben nämlich ebenfalls wegen des Warnstreiks geschlossen, was bei Frühschwimmern für Unmut sorgte. Die Stadt hatte im Vorfeld nicht explizit darauf hingewiesen, dass auch diese Einrichtungen vom Streik betroffen sein könnten. „Das tut uns wirklich leid“, teilte Björn Gürtler vom Presseamt mit. Einige Bürger hatten sich unter anderem über soziale Netzwerke bei der Stadtverwaltung über diesen Missstand beschwert. Lediglich die Schwimmhalle in Brand hatte bis Mittwochmittag geöffnet, alle anderen waren den ganzen Tag über zu. Auch Leseratten kamen am Mittwoch nicht auf ihre Kosten: Die Stadtbibliothek in der Couven-straße blieb geschlossen und auch der Bücherbus Fabian ging nicht wie geplant in Steinebrück, Hanbruch und Vaalserquartier on Tour.

„Unser Eindruck ist, dass sich die Auswirkungen in großen Teilen der Verwaltung in Grenzen halten“, zog Rita Klösges am Mittag eine erste Bilanz. Im Bürgerservice waren wegen des Streiks nur unwesentlich weniger Stellen besetzt. Die Wartezeit betrug um 12.30 Uhr im Gebäude Bahnhofsplatz 1 Stunde 23 Minuten, am Katschhof 1 Stunde 19 Minuten. Das sieht an einem „normalen“ Mittwoch nicht wesentlich anders aus. Es schien generell so, dass viele Aachener gut gerüstet und informiert waren – und im Zweifel zumindest an diesem Mittwoch keinen Besuch im Amt eingeplant hatten.

Vielleicht auch deshalb, weil sie zumindest mit dem Bus entweder gar nicht oder nur sehr schwer in die Stadt gekommen wären. Die 218 Busse der Aseag blieben den ganzen Tag im Depot, lediglich die 138 Busse der Fremdfirmen steuerten einen Teil der Haltestellen an. „Von den Fahrgästen haben wir gemischte Reaktionen gehört: Einige waren verärgert, andere verständnisvoll“, teilte Aseag-Sprecherin Eva Wußing mit. Die Aseag hatte im Vorfeld unter anderm mit Durchsagen in den Bussen ihre Kunden auf den Warnstreik hingewiesen. Servicemitarbeiter informierten gestrandete Fahrgäste an den Bushöfen. Spürbar leerer war es durch den Ausstand bei der Aseag auf Aachens Straßen indes nicht. Besonders zum Berufsverkehr „knubbelte“ es sich auf den großen Einfallstraßen, da viele Menschen wetter- und streikbedingt offenbar von vorneherein aufs Auto als Verkehrsmittel gesetzt hatten.

Streik im öffentlichen Dienst gleich knöllchenfrei Parken? Denkste! Wer auf diesen netten Nebeneffekt gehofft hatte, wurde vielerorts enttäuscht. Denn das Ordnungsamt kontrollierte durchaus und bat Parksünder zur Kasse. „Zum Leidwesen des ein oder anderen sind weiterhin genügend Politessen unterwegs“, verriet Rita Klösges.

Drohen weitere Streiks? Am Donnerstag kehren die Tarifparteien erst einmal in Potsdam zurück an den Verhandlungstisch. „Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten“, hofft Verdi-Mann Dopatka daher, dass nun deutlich nachgebessert wird. Die Gewerkschaften fordern unter anderem insgesamt sechs Prozent mehr Lohn und einen Verzicht auf von den Kommunen erwünschte Einschnitte bei der betrieblichen Altersvorsorge. Die Arbeitgeber halten dies für völlig überzogen.

Gibt es keine Einigung, könnte es wieder zum Ausstand kommen. An Ebbe in der Streikkasse würde es trotz des teuren vergangenen Jahres mit einem wochenlangen Streik im Kitabereich bei Verdi nicht scheitern. „Diesbezüglich mache ich mir keine Sorgen“, so Dopatka.

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