Die „Stimme von St. Elisabeth“ zieht um

Von: Andreas Cichowski
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Umzug: Die Klais-Orgel wurde in St. Elisabeth abgebaut und für den Transport zum Orgelbauer vorbereitet. Foto: Andreas Cichowski
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Kurt Schünemann (Christus unser Bruder), Orgelbauer Hubert Fasen und Organist Christian Debald am alten Spieltisch, der „Steuerzentrale“ des Organisten.

Aachen. Auch wenn Organist Christian Debald sie nur einmal, nämlich bei der Entwidmung der Kirche, spielen konnte, weiß er sie zu schätzen: die alte Klais-Orgel aus dem Jahr 1957. Billig „verramschen“ kam nicht in Frage, weswegen die Pfarre Christus unser Bruder nach dem Verkauf ihrer Kirche St. Elisabeth und der Profanierung ein aufwendiges Projekt auf die Beine stellte.

„Die Orgel ist in einem sehr guten Zustand, klanglich und technisch“, so Debald. Im Gespräch war zunächst der Verkauf, jedoch wollte man ein weiteres Stück St. Elisabeth bewahren.

„Die Skulptur steht im Kindergarten, die Glocke und der Flügel sind in St. Germanus untergekommen“, berichtet Kurt Schünemann als Verantwortlicher der Kasse der Freunde und Förderer der Kirchenmusik im Kirchenvorstand Christus unser Bruder. „Dem Kirchenvorstand war ebenso wichtig, dass auch die Orgel erhalten bleibt“, freut sich Organist Debald über den gefundenen Kompromiss: Sie soll restauriert werden und anschließend wieder in St. Hubert in Verlautenheide erklingen.

Rund 20 Helfer waren jetzt damit beschäftigt, die Orgel zu demontieren und transportfertig zu machen. Und das war nicht so einfach: „Die längste Pfeife hat eine Länge von sechs Metern“, berichtet Orgelbauer Hubert Fasen, „die kleinste hingegen einen klingenden Bereich von gerade einmal einen Zentimeter“.

Unzählige Pfeifen sind es, die mit größter Vorsicht verpackt werden mussten, ohne sie durcheinander zu bringen. Die Gegensätze könnten nicht größer sein, denn einige von ihnen sind so anfällig, dass sie wortwörtlich nur mit Samthandschuhen angefasst werden durften, während andere Teile wie alte Technik oder Holzrahmen größtenteils ein Fall für den Container waren und deshalb rabiateren Methoden zum Opfer fielen.

Schünemann, der die Orgel schon aus seiner Kindheit kennt und das Vorgehen verfolgte, sieht „eine neue Chance für die Orgel.“ „Es soll etwas erhalten bleiben“, so Schünemann und damit meint er vielmehr als nur den sachlichen Wert der Orgel: „Die Stimme von St. Elisabeth“.

Die Spezialfirma Hubert Fasen aus Oberbettingen in der Vulkaneifel wird die Restaurierung ausführen. Seit 1994 hat sie sich auf die Restaurierung historischer Orgeln spezialisiert. Die gesamte Orgel wird dann mit modernster Technik digitalisiert. Das heißt: Die Übertragung von der Taste bis zur Pfeife geschieht zukünftig elektronisch. Dazu werde ein sogenanntes „BUS-System“ eingesetzt, welches die Signale vom Spieltisch per WLAN an die Orgel übermittelt. Es wäre rein technisch gesehen sogar möglich, künftig über ein Tablet die Orgel zu bespielen.

Auch in Sachen Brandschutz muss nachgebessert werden: Die gesamte Orgel muss mit einer neuen Elektrik ausgestattet werden, da die alte Technik nicht der neuesten Brandschutzordnung entspräche, welche die bisherige Verarbeitung – Metalldraht auf Holz – untersagt. „Das hat man bisher vernachlässigt“, so der Orgelbaumeister. Zwar gelte ein Bestandsschutz, doch werde die Maßnahme durch den Umzug ohnehin hinfällig.

„Die Orgel geht in die Eifel, wird erstmal zwischengelagert und anschließend werden alle Teile gereinigt und überarbeitet“, so Fasen. „Die Grundaufstellung der Windladen bleibt erhalten.“ Wichtig sei der Gemeinde weiterhin, dass die alte Optik der Klais-Orgel erhalten bleibt. Diese werde in großen Teilen übernommen und mit einer modernen Farbgebung passend zur Kirche gestaltet.

„Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wieder mit den Teilen nach Aachen kommen“, meint Fasen. „Jeder, der die Orgel hier in St. Elisabeth gesehen hat, wird sie in St. Hubert wiedererkennen“. Dann soll aus den beiden Orgeln von St. Elisabeth und St. Hubert ein neues, großes und perfekt passendes Instrument zusammengefügt werden.

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