Die Stichwahl soll für Björn Jansen nur ein Etappenziel sein

Von: Albrecht Peltzer
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Zuversicht: Bürgermeister Björn Jansen ist sicher, dass er in der Stichwahl gegen Marcel Philipp die besseren Karten hat. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Getränk ist rot. Das passt. Sozialdemokrat Björn Jansen trinkt Tomatensaft. Im Café in Burtscheid. „Ich mag diesen Ort einfach.“ Eigentlich trinkt Jansen jeden Tag Tomatensaft. Mit einer Ausnahme: wenn er im Flugzeug sitzt. „Weil dann alle anderen Tomatensaft trinken.“

Das klingt fast nach Anarchie. Oder zumindest Rebellion. Aber Björn Jansen ist weder rebellisch noch anarchistisch. Den Tomatensaft will er nicht als Symbol verstanden wissen. Man kann eher sagen: Jansen (36) ist kämpferisch. Und zuversichtlich: dass der jetzige ehrenamtliche Bürgermeister der nächste Oberbürgermeister Aachens sein wird.

Nun, alles andere als diese Aussage würde verwundern. Wer so engagiert wahlkämpft, der muss überzeugt sein. Von seinem Programm, von seinem Team und von sich selbst. Björn Jansen ist aber nicht vermessen. Den Wahlsieg wird er erst am 15. Juni verbuchen, glaubt er. Bei der Stichwahl gegen Amtsinhaber Marcel Philipp.

Den Christdemokraten sieht er am 25. Mai noch knapp vorne – aber eben unter 50 Prozent. Gisela Nacken (Grüne) traut er über zehn, aber unter 20 Prozent zu. Also Stichwahl. Da wird es darauf ankommen, Stimmen aus anderen Lagern einzuheimsen. „Man wird ja sehen, welche Koalitionen nach der Ratswahl möglich sind“, sagt Jansen und spricht nicht aus, dass das ganz entscheidend auch für die Stichwahl sein wird. Aber: „Die SPD wird bis zum 15. Juni keine Koalitionsgespräche führen.“ Darauf hat man sich bereits jetzt parteiintern verständigt. Ein wenig die Lage peilen, das dürfe schon sein. Sondierung nennt man das. Mehr ist (zunächst) nicht drin.

Wohnen, sozialer Frieden, Wirtschaftsförderung, kulturelle Vielfalt, Bildung, Familie und Finanzen – wer in diesen Tagen durch die Stadt fährt, erfährt sozusagen plakativ, dass irgendwie alle das Gleiche wollen. „Okay“, gibt Jansen zu, „die Aussagen ähneln sich.“ Und was unterscheidet? „Die Lösungen. Wir gehen da viel tiefer als andere. Man kann alles im Netz nachlesen.“

Zum Beispiel? Stichwort bezahlbarer Wohnraum: Die Stadt solle „Belegungsrechte“ kaufen, um aus der Sozialbindung fallende Wohnungen sozial Schwachen vermieten zu können. „Mit Neubau alleine löst man die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht.“

Stichwort Mobilität: Nach dem Aus für die Campusbahn scheut sich Jansen nicht, weiter auf die Schiene zu setzen. Nein, die Schiene in der City ist damit nicht gemeint. Jansen geht es um die Verbesserung des bestehenden Schienenetzes und – als Zukunftsprojekt – eine Fortführung der Euregiobahn bis zum Aachener Stadtkern.

Stichwort Kultur- und Partyszene: Jansen will einen „Nachtbürgermeister“ installieren, der vermittelnd unterwegs ist. Dass die SPD damit auf einer Linie mit den Piraten segelt, stört ihn nicht. „Wenn‘s eine gute Idee ist.“

Jansen will „Aachen bewegen“. Das ist sein Slogan. Man kennt ihn. Plakativ. Nein, Stillstand herrsche nicht im Dreiländereck. Aber Aachen könne mehr, sagt der zweifache Familienvater. Aachen braucht einen echten Oberbürgermeister, lesen wir auf Jansens Homepage. Wobei das „Bürger“ in Großbuchstaben geschrieben ist. Ein Obermeister für Bürger sozusagen.

Drängt sich die Frage auf: Ist der derzeitige Oberbürgermeister unecht? Jansen schmunzelt. Wer jetzt erwartet, dass der rote Herausforderer dem schwarzen Amtsinhaber mächtig in die Parade fährt, hat Pech. Das Rennen um das Dienstzimmer im Rathaus ist dem „Fair-play-Gedanken“ untergeordnet. Man kennt sich, man schätzt sich, man respektiert sich. Das gilt für Jansen wie für Philipp und Nacken. Also: Wahlkampf mit Argumenten, nicht mit Angriffen. So viel will Jansen aber sagen über sich und über den jetzigen OB: „Ich stelle mir die Führung einer Verwaltung anders vor. Ich will eine bessere Verzahnung der Dezernate im OB-Büro, einen anderen Umgang mit den Fachbereichen.“ Jansen will mehr Personal im Bürgerservice und mehr Ordnungskräfte auf den Straßen.

So ganz klitzeklein holt er dann doch zur direkten Kritik aus: Philipp solle weniger repräsentieren, sondern handeln, Chef sein. „Ich bin klar der Bessere.“ Jansen sagt das nicht, aber sein Blick verrät diese Überzeugung. Stellt sich die Frage: „Ist der Amtsbonus Philipps ein Thema für Sie?“ Jansen ist auch ein Freund kurzer, klarer Antworten: „Nö.“ Vielleicht geht es hier mehrsilbiger: „Ist die Tatsache, dass Sie eigentlich nicht erste Wahl der SPD als Kandidat waren, noch ein Thema?“ „Nö.“ Da muss man aber nachfragen: „Warum nicht?“ „Weil wir jetzt mit mir als Spitzenkandidat eine Einheit sind, die ein Ziel verfolgt, die zusammenhält.“

Endspurt. Noch zwei Wochen. Ist Björn Jansen nervös? „Keine Spur. Wir ziehen unser Programm jetzt durch. Mit bis zu 3000 Aachenerinnen und Aachenern wird der SPD-Kandidat bis zum Wahltag gesprochen haben. „Die Resonanz ist sehr positiv.“ Und worauf freut sich der OB-Kandidat? Vieles gibt es da, erfahren wir. Zum Beispiel dieses: „Dass bald alle Wahlplakate verschwunden sein werden.“ Kein Widerspruch!

Und der Tomatensaft ist auch ausgetrunken.

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