Die Stadtbibliothek will mit mehr Mitteln aufrüsten

Von: mh
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Will das Ausleihverfahren auto
Will das Ausleihverfahren automatisieren, um Luft zu schaffen für neue Angebote: Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek, hält eine Erhöhung der städtischen Zuschüsse für unumgänglich.

Aachen. „Das wichtigste Marketing findet auf dem Regal statt.” Der schlichten Branchen-Weisheit will die Stadtbibliothek mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Situation des Medienhorts an der Couvenstraße Rechnung tragen.

Denn die stellt sich derzeit alles andere als rosig dar - so ist die Zahl der Ausleihvorgänge von über 1,1 Millionen anno 2002 auf 950.000 im vergangenen Jahr geschrumpft. Mit einem ambitionierten Projekt zur Automatisierung des Leihbetriebs sowie einer Verlängerung der Öffnungszeiten an Samstagen will Bibliotheksleiter Manfred Sawallich dem nun entgegenwirken.

Zugleich soll ein sachter Dreh an der Gebührenschraube erfolgen, wie aus einer ausführlichen Vorlage für die nächste Sitzung des Kulturausschusses am 22. November hervorgeht. Und: Der Etatposten zwecks Beschaffung neuer Medien müsse „unbedingt” wieder erheblich aufgestockt werden, um die Kunden langfristig bei der Stange zu halten, heißt es dort.

Erst 2010 waren die Aufwendungen nämlich um satte 50.000 Euro auf 167.000 Euro eingedampft worden. Eine Kundenbefragung habe indessen ergeben, dass die Nutzer auch und vor allem eine Erweiterung der Servicezeiten wünschten. Daher wird vorgeschlagen, das Haus ab Januar samstags eine Stunde länger, nämlich von 10 bis 14 Uhr, zu öffnen. Im Gegenzug sollen Inhaber von Ermäßigungsausweisen sowie Kinder und Jugendliche künftig alle zwei Jahre einen Obolus von 2,50 Euro entrichten. Um besonders gefragte Lektüre im erforderlichen Umfang erwerben zu können, müsse für Bestseller zudem eine Ausleihgebühr von zwei Euro erhoben werden, die Leihfrist sei hier auf 14 Tage zu begrenzen.

Eine substanzielle städtische Finanzspritze sei zur mittelfristige Sicherung des Angebots allerdings ebenso unausweichlich, argumentiert Sawallich. Die jüngste - weit deutlichere - Gebührenerhöhung im Jahr 2007 habe den Publikumsrückgang maßgeblich mit verursacht - auch wenn sich die Zahl der jährlichen Besucher in jüngerer Zeit auf rund 350.000 eingependelt habe. Daher sei eine Aufstockung der Zuschüsse zur Verbesserung der Medienakquise von derzeit 167.000 Euro auf mindesten 292.000 Euro unumgänglich - nicht zuletzt, um eine ganze Palette von Maßnahmen zur Attraktivierung von Angebot und Service umsetzen zu können, welche den Ratspolitikern ebenfalls in einem umfangreichen Papier dargelegt werden.

So setzt die Bibliothek unter anderem auf die Einführung eines neuen elektronischen Systems, mit dem der Ausleihbetrieb längerfristig in weiten Teilen automatisiert und eine Rückgabe rund um die Uhr ermöglicht werden könnte. Vergleichbare Systeme der sogenannten RFID-Technologie würden in mehreren Großstädten bereits erfolgreich angewendet. „Damit könnte das Personal massiv entlastet werden und sich somit der Vielzahl anderer Projekte zuwenden, die wir im Zuge der von Schwarz-Grün gewünschten erheblichen Aufgaben- und Angebotserweiterung jetzt angehen wollen”, erklärt Sawallich gegenüber der AZ.

Über technische Details - und Kosten - könne er indes frühestens im Januar berichten. „Definitiv ist aber, dass der Datenschutz gewährleistet ist.” Jedenfalls sei zwecks Umsetzung zunächst ein ziemlich hoher Aufwand erforderlich - selbst wenn das Land, wie andernorts geschehen, das Projekt mit bis zu 100.000 Euro unterstütze.

Sawallich: „Es geht jetzt darum, die Bibliothek für die Zukunft gut aufzustellen - wie Schwarz-Grün es in seinem Koalitionspapier explizit vorsieht.” Dazu sei nun einmal auch eine Aufstockung der Mittel unverzichtbar. „Derzeit stellt die Stadt für den Medienerwerb gerade einmal 99 Cent pro Einwohner zur Verfügung. Bundesweit liegt der Mittelwert bei 1,34 Euro.”
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