Aachen - Die Stadt soll sich Geld von den Bürgern leihen

Die Stadt soll sich Geld von den Bürgern leihen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Jetzt soll die klamme Stadt auch noch ihre Bürger anpumpen, um Geld für neue Projekte zusammenzubekommen. Zumindest beantragen CDU und Grüne, die Verwaltung solle das prüfen.

Das Ganze steht unter dem Titel „Bürgerkredite als alternative Finanzierungsquellen”. Doch was im ersten Moment wie der finale Hilferuf im Zeichen kollabierender Haushalte klingt, entwickelt sich derzeit tatsächlich bundesweit zum letzten Schrei. Denn profitieren können beide Seiten von dem Geschäft. Die Bürger als Kreditgeber erhalten ordentliche Zinsen, die weit über dem liegen, was man derzeit zum Beispiel mit Festgeld oder Bundespapieren bekommt.

Die Stadt Aachen als Kreditnehmer zahlt hingegen einen Zins, der unter dem liegt, was sie einer Bank überweisen müsste. Ein ausgeklügeltes Sparprojekt also. Damit dann auch noch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, soll das Ganze „die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt durch die Eigenfinanzierung konkreter Projekte” erhöhen.

Stutzig wird man erst einmal, wenn man hört, dass bei derlei Projekten dann doch eine Bank zwischengeschaltet ist. Doch dabei handelt es sich bei genauerem Hinsehen um eine „Abwicklungsbank”, die lediglich die Gelder einsammelt. Das ist eine Voraussetzung, denn anderswo scheiterten zunächst derlei Ansinnen an der Bundesaufsicht für das Finanzwesen (Bafin), weil ohne Bank die Sache gegen Vorgaben für das Kreditwesen verstößt.

Erste Städte haben solche „Bürgerkredite” schon angeleiert. Meist sind es kleinere, keine in der Größenordnung von Aachen. Aber die Erfolge sind verblüffend. Gar nicht weit entfernt ist das Thema derzeit aktuell - in Willich. Dort werden „Bürgerkredite” für einen neuen Kindergarten mit Solartechnik und Erdwärmenutzung eingeworben, der 1,6 Millionen Euro kosten soll. Die Stadt will den Bürgern vier Prozent Zinsen auf ihr Geld geben und rechnet vor, dass sie bei einer Bank 4,2 Prozent berappen müsste. Den Vorreiter in Sachen „Bürgerkredite” hatte die 20000-Seelen-Kommune Quickborn in Schleswig-Holstein gemacht, bevor sie zunächst von der Bafin gestoppt worden war.

Die Probleme scheinen aber überwunden, ein zweiter Anlauf wird gestartet. Die Stadt will den Bürgern 1,5 Prozent Zinsen für zweijährige Laufzeiten und 2,6 Prozent für fünfjährige Kredite zahlen. Und so geht es weiter: In Kaarst wird überlegt, den Neubau einer Feuerwache auf diese Art zu finanzieren.

Geschrieben hat den Antrag der grüne Ratsherr und Finanzpolitiker Hermann Josef Pilgram. „Das wird die finanziellen Probleme der Stadt nicht lösen”, sagt er. Klar, Schulden bleiben Schulden, auch wenn man etwas weniger dafür bezahlen muss. „Aber die Sache mit der Identifikation ist wichtig. Und man macht sich ein Stück unabhängiger von Banken”, fügt er an. Konkrete Projekte haben die Grünen noch nicht im Sinn. Kunstrasenplätze oder eine neue Turnhalle - das sind aber Dinge, die man sich durchaus für eine „Bürgerkredit”-Finanzierung vorstellen könnte.

In der Kämmerei herrscht erst einmal Skepsis, so ist zu hören. Und auch beim Koalitionspartner CDU gab es kritische Stimmen. Immerhin ist die Stadt ja auch Gewährsträgerin der Sparkasse - also eines Kreditinstituts. Trotzdem: Der Auftrag ist raus, jetzt wird geprüft.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert