Die Siso-Pleite: Geldstrafen für Fonds-Manager

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Richterin Anja Bertram hatte es nicht leicht in diesem Verfahren. „Ich hätte mir gewünscht, dass dieser komplizierte Sachverhalt vor einer großen Wirtschaftsstrafkammer verhandelt würde“, begann die Einzelrichterin am Aachener Amtsgericht am Dienstag die Urteilsverkündung.

Bertram musste über strittige Insolvenzsachverhalte im Umfeld der zweiten Siso-Textil-Pleite aus dem Jahr 2006 entscheiden, die selbst der erfahrene Oberstaatsanwalt Robert Deller, der in diesem Verfahren die Anklage vertrat, in seinem Plädoyer „als zum Teil sehr kompliziert“ beschrieb. Angeklagt waren zwei Manager und Interimsgeschäftsführer der „neuen“ Siso-Textil wegen Insolvenzverschleppung, zu spätes Einreichen einer Bilanz, nicht Abführens von Sozialversicherungsbeiträgen und wegen Bankrottvergehens im Jahr 2005 und 2006.

Jene zwei Vertreter des niederländischen Fonds „Mees Pierson Informal Opportunity Fund“, der 64-jährige Gerardus M. und der 42-jährige Hendrik M., wurden  wegen der genannten Delikte zu recht hohen Geldstrafen verurteilt. So muss der „Siso neu“-Geschäftsführer des Jahres 2005 und 2006, Gerardus M., wegen Bilanzvergehens und Insolvenzverschleppung eine Strafe von 6700 Euro bezahlen, sein unmittelbarer Nachfolger im Jahr 2006 10800 Euro, beiden hätten sehenden Auges einen Bankrott „zumindest billigend in Kauf genommen“, stellte die Richterin fest. Sicher, so Bertram, der niederländische Fonds, der die Firma „Siso alt“ 2004 von dem damaligen Insolvenzverwalter Prof. Rolf-Dieter Mönning übernommen hatte, habe „auch erhebliche Mittel in die Umstrukturierung“ gesteckt, von neun Millionen Euro war die Rede. Doch diese Summe war augenscheinlich zu wenig, konstatierte Bertram nüchtern.

Und dann sei der Zeitpunkt verpasst worden, anlässlich der sich bereits ab 2005 andeutenden Zahlungsunfähigkeit der Firma und der neu aufgestellten Ladenkette „Starmax“ rechtskonform Insolvenz anzumelden. Der Antrag sei von dritter Seite insbesondere wegen fehlender Beiträge in die Sozialkassen und auch vom damaligen Insolvenzverwalter Mönning gekommen.

Die verhängten Strafbefehle mögen Laien gerade für Straftäter aus dem Weiße-Kragen-Bereich als viel zu milde erscheinen. Doch die verhängten Tagessätze waren so hoch, dass beide Angeklagte künftig als vorbestraft gelten. Sie waren übrigens höher, als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Und das dicke Ende könnte in zahlreichen, noch anhängigen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen um die Siso-Pleite kommen.

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