„Die Schlechteste bin ich da ja wohl nicht”

Von: Oliver Schmetz
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Die Kandidatin im Gespräch: „Die Leute reden sehr gerne und interessieren sich für politische Inhalte”, hat Hilde Scheidt, grüne Bewerberin ums OB-Amt, im Straßenwahlkampf festgestellt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Diesen Spruch hat Hilde Scheidt im Wahlkampf exklusiv: „Hier haben Sie etwas, was Sie auch nach der Wahl noch gebrauchen können”, sagt die grüne OB-Kandidatin und drückt der erstaunten Passantin einen - natürlich - grünen Papierpacken in die Hand, der sich zu einer großen Radwegekarte der Städteregion entfalten lässt.

„Die Dinger sind der Renner, die gehen kartonweise weg”, schmunzelt Scheidt, was ihre Ratskollegin Martina Hörmann am Infostand der Grünen mit einem Grinsen bestätigt: „Sogar die politische Konkurrenz fragt danach.”

Die Szene spielt am Eingang zur Fußgängerzone Kapellenstraße in Burtscheid, und dort haben es die Mitbewerber um Ratsmandate und OB-Sessel an diesem Freitagmittag weißgott nicht weit zum grünen Wahl-Material. Auf weniger als 100 Quadratmetern knubbeln sich außerdem die Stände von SPD, CDU, Linken und FWG, dazwischen schieben sich die Wochenmarktbesucher in die Flaniermeile.

Ein klarer Fall von Wegelagerei, könnte man angesichts der prallen Polit-Präsenz am Straßenrand denken - doch mit Unwillen würden die wenigsten Passanten auf die Gesprächsangebote der Wahlkämpfer reagieren, sagt Scheidt. „Die Leute regen sich vor allem über die vielen Wahlplakate auf, aber reden tun sie sehr gerne.”

Und kaum jemand komme von vornherein mit einer „Vorwurfshaltung” daher, hat sie bemerkt. „Es gibt zwar auch Kritik, aber weniger Meckerei.” Und wenn, dann ist sie auch selbstbewusst genug, um zu widersprechen. Zum Beispiel dem Anwohner der Theaterstraße, der mit gutem Grund die hohe Verkehrsbelastung vor seiner Haustür beklagt, aber deshalb gleich der kompletten Innenstadt die Lebens- und Wohnqualität abspricht. „Das sehe ich nicht so”, sagt die Grüne und spricht aus eigener Erfahrung. Wohnt sie doch selber mitten in der City.

Selbstbewusst bewegt sich die medizinisch-technische Assistentin, die seit 1999 im Stadtrat sitzt und seit 2004 das Amt der Bürgermeisterin bekleidet, auch im Kreise der übrigen OB-Kandidaten. „Die Schlechteste bin ich ja wohl nicht in dieser Riege”, sagt sie. Und: „Das wäre doch wirklich seltsam, wenn da immer nur Männer auf dem Podium säßen, oder?”

Die Frage, warum sie sich als wohl aussichtslose grüne Kandidatin überhaupt ums OB-Amt bewerbe und damit eventuell den SPD-Kandidaten Karl Schultheis Stimmen koste, habe ihr „auf der Straße noch kein Bürger gestellt”, erzählt Scheidt und betont: „Die Leute wissen ohnehin, dass sie selber die Entscheidung haben.”

Einen Wahlerfolg mag Hilde Scheidt vorab nicht definieren, zumindest nicht in Zahlen. „Für mich spielt eine Rolle, dass ich den Wahlkampf geradlinig durchstehe und als Außenseiterin eine gute Figur mache.” Und wichtig sei ihr vor allem, „dass wir am Ende ein gutes grünes Ergebnis im Stadtrat haben”.

Apropos: Ein „grünes” Resultat steht ohnehin jetzt schon fest. Nach der Wahl werden viele Aachener eine neue Fahrradkarte haben. Und zwar nicht nur Grüne.
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