Die Ritzel und Ketten drehen sich wieder

Von: Peter Schopp
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Sie haben mit Unterstützung die jungen Radfahrer auf Touren gebracht: Manfred (links) und Phillip Müller. Foto: Andreas Herrmann
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Wollen nicht mehr aus dem Sattel: die neuen Jugendlichen beim RC Zugvogel nach den Rennen zur Vereinsmeisterschaft. Foto: RC Zugvogel

Aachen. „Unser Verein starb ganz langsam vor sich hin“, eröffnet Manfred Müller das Gespräch. Und dieser Beginn lässt bereits vermuten, dass sich seitdem bei seinem Radsportverein RC Zugvogel Aachen einiges geändert hat.

Der Verein hatte keine Nachwuchsfahrer, die Etablierten waren unter sich und wurden langsam immer älter. Und wie immer, wenn ein solcher Punkt erreicht ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Man fügt sich ins absehbare Schicksal oder man krempelt die Ärmel hoch und beginnt mit der Arbeit.

Beim RC Zugvogel entschied man sich für die aktive Variante. Der ehemalige Radprofi Holger Sievers war Ideengeber und gleichzeitig Projekt- und Übungsleiter der Kampagne „Rad macht Schule“. Mit ihm und dem Schirmherrn Olaf Ludwig trieb man beim RC Zugvogel die Förderung der Jugend voran.

Schnell stellten sich erste erkennbare Erfolge ein, der Zuspruch seitens der Jugendlichen war von Beginn an groß. Der Verein übernahm Kooperationen mit Schulen wie der GHS Drimborn und der Maria Montessori Gesamtschule. Vereinsmitglieder führen dort Projekttage durch und leiten Arbeitsgemeinschaften, in denen Fahrradtechnik in jeder Hinsicht vermittelt wird, nämlich sowohl die des Rades als auch des Radfahrens. Natürlich gibt es auch Ausfahrten, sowohl mit Rennrädern als auch mit Mountainbikes.

Rad-Ferienspiele an der Gesamtschule in Brand runden heute das Angebot ab. „Unser Ziel ist es, den Jugendlichen den Spaß an diesem tollen Sport zu vermitteln“, bringt Übungsleiter Phillip Müller, selbst aktiver Zugvogel-Fahrer, die Idee auf den Punkt. Dabei sind die Kaderfahrer des RC Zugvogel alle mit an Bord. „Es ist schon eine tolle Zusammenarbeit, alle Übungseinheiten werden von Fahrern mit Lizenz begleitet“, schwingt Stolz über das in den vergangenen Jahren Geleistete in den Stimmen der beiden Müllers mit. Nein, sie sind nicht wie oft vermutet miteinander verwandt, neben dem Namen haben sie die gemeinsame Richtung in der Jugendarbeit als enge Verbindung.

Die Jugendlichen, die sich zum Mitmachen im Verein entscheiden, brauchen auch nicht unbedingt eigene Räder. „Der Verein kann einige eigene Räder zur Verfügung stellen, wenn jemand erst einmal schnuppern will“, bietet Manfred Müller eine vorteilhafte Situation an. Gleichzeitig ist man auf Sponsoren angewiesen, soll dieser Weg in Zukunft weiterhin möglich sein. Rennräder und Mountainbikes sind schließlich nicht ganz billig. Zwei Mal pro Woche ist Training, Einsteiger treffen sich freitags um 16.30 Uhr an der Gaststätte Bahnhofsvision in Kornelimünster. Dann geht es los zu ein bis zweieinhalb Stunden langen Ausfahrten, immer mit professioneller Betreuung.

Die Arbeit trägt Früchte. Mittlerweile haben sich 17 Jugendliche aus dem Projekt zum Vereinsbeitritt entschlossen, sechs von ihnen haben inzwischen die Rennlizenz gelöst und nehmen an offiziellen Rennen teil. Die Neuaktiven werden von etablierten Fahrern als Paten unterstützt und angeleitet. Ein kleines Schmankerl haben sich die Verantwortlichen für die nächste Veranstaltung von „Rund um Dom und Rathaus“ einfallen lassen: Da sollen die „Neuen“ eine Schnupperrunde über das berüchtigte Kopfsteinpflaster in der Innenstadt drehen dürfen. Los geht es am kommenden Samstagzu zwei Rennen um 17.30 und 19 Uhr auf dem Aachener Markt.

Unterdessen nimmt der Zulauf zu den AGs zu, und Phillip Müller ist zufrieden: „Das Projekt „Rad macht Schule“ war der Anfang, mittlerweile leben wir schon von der Mund-zu-Mund-Propaganda“, sieht er den Erfolg der Aktion bestätigt. Und erzählt gerne die Geschichte, die der Vater eines Neueinsteigers zum Besten gab. Sein Sohn habe nur noch vor der Playstation gesessen, bis er mit dem Radfahren begonnen habe. Seitdem ist die Stromrechnung in diesem Hause rapide gesunken, die Spielkonsole hat ausgedient.

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