Die Renaturierung des Dorbachs in Melaten

Von: Stephan Mohne
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Setzen sich für eine möglichst naturnahe Renaturierung des kleinen Dorbachs in Seffent ein: von rechts Dieter Formen (BUND), Professor Holger Schüttrumpf (RWTH), Karl Josef Strank (Freundeskreis Botanischer Garten) und Christian Schweer (Wassernetz NRW). Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Das Gewässer ist ziemlich kurz. Die Geschichte, die sich darum dreht, scheint aber unendlich lang. Es geht hier um den Dorbach. Er entspringt nahe des Gemmenicher Wegs im Aachener Westen. Von dort aus fließt er in Richtung Klinikum, um dann in Seffent in den Wildbach zu münden, der seinerseits die Wurm „füttert“.

Der Dorbach hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich „verbiegen“ müssen. Beim Bau des Klinikums wurde sein Verlauf massiv verändert. Er fließt am Gut Melaten in künstlich angelegten Bahnen – und das im Zickzackkurs. Laut Gesetz sollen die Wasserläufe in NRW nach Möglichkeit wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Was der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Aachen auch für den Dorbach reklamiert. Doch da prallen einige Interessen aufeinander. Und so beschäftigt der kleine Bach seit Jahren zahlreiche Beteiligte – bis hin zum Petitionsausschuss des Landtags.

Insbesondere geht es um den Bereich hinter dem Klinikum im Bereich des Guts Melaten. Dort fließt der Dorbach – er führt nicht ganzjährig Wasser, wenn es aber kräftig regnet, dann sehr viel – in einem künstlichen und schnurgeraden Bett. Das ist so nicht erlaubt. Zumal, wie Dieter Formen als Vorsitzender des Aachener BUND betont, von der Straße aus massiv Schadstoffe in den Wasserlauf gelangen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sollte nun also auch der Dorbach renaturiert werden. Ein erster Plan des zuständigen Wasserverbands Eifel-Rur vor mittlerweile knapp fünf Jahren sah vor, dass der Dorbach an der Straße entlang einfach etwas mehr verschwenkt wird. „Das ist natürlich völliger Unsinn“, sagt Formen. Zumal sich im Laufe der Geschichte auch noch herausstellte, dass das wegen dort verlaufender Rohrleitungen gar nicht möglich ist.

Es gibt weitere Varianten zur Renaturierung. Nur eine entspricht in etwa dem ursprünglichen Bachverlauf. Doch da gibt es Probleme. Dazu müsste der Bach nämlich über zwei Grundstücke geführt werden, die dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW gehören und die genutzt werden. Das eine als Weide für Versuchstiere, das andere für Versuchsanlagen eines RWTH-Instituts. Zwar wäre auch für den Bach noch reichlich Platz, aber der BLB lehnte diese Variante zunächst ab. Auch der Petitionsausschuss sah zunächst nicht die Möglichkeit einer Einflussnahme auf das NRW-Finanzministerium, das als Kontrollorgan des BLB fungiert. Der Ausschuss sprach sich aber für eine erneute Prüfung der Varianten aus.

Es kam zu erneuten Ortsbesichtigungen. Erneut wurde daran der BUND, der die ganze Sache erst ins Rollen brachte, nicht beteiligt. „Das ist für uns unverständlich“ ärgert sich Dieter Formen darüber. Heraus kam bei der Lösungsfindung schließlich das, was schon vorher unter der Bezeichnung „Variante 2“ firmierte. Dabei fließt der Bach nicht über die beiden Grundstücke, sondern quasi auf deren Grenze. Was für Formen immerhin schon besser ist als die ursprüngliche Lösung – aber eben auch keineswegs ideal. Was auch Formens Mitstreiter finden. Dazu gehört zum Beispiel Christian Schweer vom Verbund „Wassernetz NRW“.

Er findet, dass man dem Bach bei der Renaturierung mehr Raum geben sollte. „Man muss endlich dazu kommen, eindeutige Prioritäten zugunsten der Wasserläufe zu setzen“, sagt er. Das könne man am Dorbach prima praktizieren. Auch Karl Josef Strank als Geschäftsführer des benachbarten Freundeskreises Botanischer Garten sieht in der umfassenden Sanierung des Dorbachs eine wichtige Maßnahme für dieses Gebiet.

Und nicht zuletzt Professor Holger Schüttrumpf sieht noch Luft nach oben. Er ist als Leiter des RWTH-Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft ein renommierter Experte für genau solche Fragen. Der jetzige Kompromiss sei auch nicht ideal, findet er. An einer Stelle solle der Bach sogar leicht bergauf fließen. „Ich kenne sonst nur Bäche, die bergab fließen“, sagt er mit leichter Ironie in der Stimme. Für ihn wäre eine Möglichkeit, den Bach quer über eines der Grundstücke zu führen. Aber da wäre dann wiederum die Zustimmung des Eigentümers fraglich.

Bei aller Freude, dass der Dorbach nun doch noch renaturiert werden soll, plädieren Formen und Schweer für einen Runden Tisch, an dem sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen sollen, um über weitergehende Verbesserungen zu diskutieren.

Das würde die ganze Sache zeitlich vielleicht ein bisschen nach hinten schieben. Was aber angesichts der jahrelangen Diskussion über die Dorbach-Renaturierung auch nicht mehr ins Gewicht fallen würde.

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