Aachen - „Die Radikalisierung Bradley Mannings“ feiert in der Kammer Premiere

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„Die Radikalisierung Bradley Mannings“ feiert in der Kammer Premiere

Von: Svenja Pesch
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Inszeniert „Die Radikalisierung Bradley Mannings“ in der Kammer: Dominik Günther. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Name: Bradley Manning, auch bekannt als der erste „Whistleblower“ des digitalen Zeitalters und seit 2012 Inhaftierter im Militärgefängnis Fort Leavenworth, Kansas. Vergehen: Herunterladen von Armeedokumenten und Depeschen der USA von Militärrechnern und anschließendes Weiterleiten zu Wiki-Leads. Sonstige Besonderheiten: Homosexuell und geboren im falschen Körper.

Die Akte von Bradley Manning ging um die Welt und ist auch heute noch ein aktuelles Thema. Das Theater Aachen zeigt mit „Die Radikalisierung Bradley Mannings“ von Tim Price das Leben des Amerikaners im Kontext seiner Verhaftung 2010. Die Inszenierung feiert am Freitag um 20 Uhr in der Kammer Premiere.

Bradley Manning war ab 2009 als Angehöriger der US-Streitkräfte und als Aufklärungsanalytiker im Irak stationiert. Im Mai 2010 wurde er unter dem Verdacht verhaftet, Videos und Dokumente kopiert und der Webseite Wiki-Leads überlassen zu haben. Nachdem er ein Geständnis abgelegt hat, wurde er 2012 zu 35 Jahren Haft verurteilt. „Kurz nach der Urteilsverkündung ließ er über seinen Anwalt mitteilen, dass er sich seit seiner Kindheit als Frau fühle und mit dem Namen Chelsea Elizabeth Manning angesprochen werden möchte und sich einer Hormontherapie sowie einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen wolle“, erzählt Dominik Günther, der das Werk mit der Dramaturgin Gesa Lolling inszeniert hat.

Das biografische Stück, das sich überwiegend auf die Zeit vor der Inhaftierung fokussiert, zeigt eindrucksvoll, wie es zu der Radikalisierung Mannings gekommen ist. „Es geht ihm gar nicht um einen egoistischen Rachefeldzug gegen das herrschende System, sondern vielmehr ist es seine eigene moralische Überzeugung, genau so zu handeln, wie er es getan hat“, ergänzt Günther. Dem Publikum wird ein vielschichtiges Porträt seiner Gedanken und seines Lebens als moderner, unruhiger und sicher nicht unfehlbarem Märtyrer präsentiert. „Die wandelbare Bühne unterstreicht dabei die Psyche des Protagonisten noch deutlicher. Generell geht es in dem Stück aber auch immer um die Frage, welchen Wert die Transparenz in Beziehung zur nationalen Sicherheit und zum Vertrauen besitzt und welches Recht die Bürger auf Informationen haben“, betont Gesa Lolling.

Das Leben des Bradley Manning verfolgen auch sechs Jahre nach seiner Verurteilung noch tausende Menschen online mit. Nicht nur deshalb ist es ein absolut sehenswertes Stück, welches hinter die Zahlen, Fakten und den Medienrummel während der Prozesstage blickt und ein Porträt zeichnet, das sich mit dem schnell genannten Begriff des „Whistleblowers“ nicht zufrieden gibt.

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