Aachen - Die Preisschere fürs Wohnen öffnet sich weit

Die Preisschere fürs Wohnen öffnet sich weit

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
11518830.jpg
Teures Pflaster Aachen: Tendenziell haben sich die Mietpreise im vergangenen Jahr weiter erhöht, die Preisspannen sind laut Statistik allerdings erheblich größer geworden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Schönheit, sagt man, liegt im Auge des Betrachters. Das gilt wohl beim täglichen Blick in den Spiegel – lässt sich allerdings hinsichtlich des alljährlich neu ermittelten Mietspiegels für die Stadt Aachen ebenso feststellen. Fast 12.000 Daten sind erfasst.

Fakt ist: Während der Verband der Hausbesitzer die jüngste Erhebung in Sachen Wohntarife als insgesamt durchaus zufriedenstellend interpretiert, fürchtet der Mieterschutzverein härtere Auseinandersetzungen um Neuverträge und weitere, teils drastische Mieterhöhungen.

In der Tat fördert die neue Statistik im Vergleich zur Datensammlung des Vorjahres erheblich größere Preisspannen in den meisten Segmenten des Wohnungsmarktes zutage. Was eine seriöse Analyse der Zahlen nicht eben erleichtert.

„Insgesamt lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass die Situation in Aachen extrem angespannt ist“, konstatiert Hans Körfer, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen. „Tendenziell gehen die Preise weiter nach oben.“ Und: „Im Zweifelsfall sollten Mieter sich ausführlich informieren, wenn sie mit erheblichen Erhöhungen konfrontiert werden.“

Beträchtliche Steigerungen

Dass letztere in jüngerer Zeit vielfach drastisch ausgefallen sind, zeigt sich beim Blick auf die „Spitzenwerte“ in den einzelnen Kategorien. Dabei werden die Immobilien auf der Basis von 11.906 Datensätzen – also freiwilligen Angaben von Vermietern – grundsätzlich zunächst in sechs Altersklassen unterteilt.

Innerhalb dieser Sparten wird nochmals unterschieden zwischen einfacher, mittlerer und guter Lage beziehungsweise Ausstattung. Bei den jeweiligen Höchstpreisen sind bis auf eine Ausnahme (Baujahr 1994 bis 2002 bei guter Ausstattung und Lage) in allen als signifikant erfassten Kategorien teils beträchtliche Steigerungen zu verzeichnen.

So liegt der Maximalwert für Wohnungen mittlerer Ausstattung, die zwischen 1983 und 1993 gebaut wurden, aktuell bei stolzen 10,40 Euro pro Quadratmeter gegenüber 8,50 Euro im Mietspiegel für das Jahr 2015. Bei Altbauten (bis Baujahr 1960, mittlerer sowie guter Standard) stieg der durchschnittliche Höchstpreis jeweils um 1,20 Euro auf 7,60 beziehungsweise 8,90 Euro.

Umgekehrt rangieren die Mindestpreise in vielen Kategorien erheblich niedriger als im Vorjahr. Beispiel: Für eine Wohnung, Baujahr 1972 bis 1982, mittlere Ausstattung, lag der geringste Quadratmeterpreis im vergangenen Jahr bei 5 Euro, aktuell werden nur noch 3,80 Euro fällig. Das veränderte Gesamtbild könnte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass sich zuletzt nur noch rund halb so viele große Investoren an der Erhebung beteiligt haben wie noch im vergangenen Jahr, sagt Körfer.

„Offensichtlich halten viele Vermieter, die nur wenige Wohnungen anbieten, die Preise lieber relativ stabil, um Konflikte zu vermeiden“, meint Tobias Hundeshagen, Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins, der die Erhebung zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Mieterschutzbund, der Stadt und der Initiative Aachen organisiert hat. „Wir gehen davon aus, dass dieser Mietspiegel gerade angesichts der großen Preisspannen die tatsächliche Situation erheblich realistischer abbildet als die Statistiken der vergangenen Jahre.“

Härtere Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern befürchtet er dennoch nicht. „Auch die Mietpreisbremse, die seit Juli 2015 in Aachen gilt, hat praktisch keine Wirkung gezeigt; es ist keineswegs zu mehr Gerichtsprozessen gekommen. Ohnehin ist dieses Instrument zumindest für Aachen untauglich.“ Denn: „Der Markt ist in Aachen eben extrem uneinheitlich. Während in manchen Bereichen wie der Innenstadt und im Südviertel die Preise hoch sind, sind sie in Bezirken wie Verlautenheide, Forst oder Brand durchaus moderat geblieben.“

So drängt sich nicht zuletzt die Frage auf, welchen Wert die aktuelle Tabelle für Otto Normal(ver)mieter letztlich überhaupt hat. „Statistisch ist die Erhebung auf jeden Fall korrekt“, unterstreicht Körfer; immerhin hätten sich rund zehn Prozent der Hausbesitzer beteiligt. „Wie hoch ihre repräsentative Aussagekraft letztlich ist, ist allerdings schwer zu sagen.“

Das sieht auch Nina Henz, Rechtsberaterin beim Mieterschutzbund, so. „Wir sind trotzdem froh, dass wir das Zahlenwerk haben, weil sich daraus eben doch bestimmte Tendenzen ablesen lassen“, sagt sie. „In jedem Fall wächst bei uns die Sorge, weil wir fürchten, dass viele Vermieter den Bericht zum Anlass nehmen könnten, die Preise weiter zu erhöhen.“

Handlungsbedarf – und da sind sich alle Beteiligten einig – bestehe auch in naher Zukunft auf jeden Fall im Hinblick auf die Bereitstellung von Wohnungen in Aachen. Körfer: „Politik und Verwaltung arbeiten längst mit Hochdruck daran, dass dies geschieht.“ Viele wichtige Weichen seien in jüngerer Zeit gestellt worden, um die Investitionsbereitschaft in Sachen Neubauten zu erhöhen. „Und es ist keine Frage, dass der Schwerpunkt dabei weiter im vergleichsweise preiswerten Segment liegen muss.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert