Die Polizei hat den Bushof nun ganz scharf im Blick

Von: Oliver Schmetz
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Zwölf Perspektiven aus sieben Überwachungskameras: Innenminister Ralf Jäger (r.) und Polizeipräsident Dirk Weinspach betrachten mit Polizeioberkommissar Oliver Knops in der Polizeiwache Im Mariental die ersten Bilder, die dort vom Bushof über die Monitore flimmern. Foto: Andreas Steindl
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Rund um den Aachener Bushof weisen jetzt Warnschilder auf die neue Videoüberwachung hin. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es sind erstaunlich scharfe Bilder, die Oliver Knops da zu Gesicht bekommt. Der Polizeioberkommissar kann sich den Bushof anschauen, von innen und außen, er kann in düstere Durchgänge blicken, Menschen und Fahrzeuge ganz nah heranzoomen und seinen Blick die Peterstraße hinauf oder in die Blondelstraße hinein werfen – obwohl er bloß in der Polizeiwache Im Mariental sitzt.

Doch in dem kleinen Raum mit den großen Monitoren laufen alle Bilder ein, die sieben Kameras im und um den Bushof seit Freitagmorgen aufnehmen. Und diese sind in der Tat gestochen scharf.

Während Oliver Knops unten in dem kleinen Büro ein Auge auf das Treiben rund um den wichtigsten ÖPNV-Knotenpunkt der Stadt hat, richten sich in einem größeren Raum zwei Etagen höher alle Blicke auf seinen obersten Dienstherrn. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ist eigens nach Aachen gekommen, um die neue Videoüberwachung, die Ministerium und Polizei lieber Videobeobachtung nennen, persönlich vorzustellen.

Das liegt sicher auch daran, dass am 14. Mai im Land gewählt wird und bei diesem Urnengang das Thema Sicherheit ein ganz großes sein wird – zumal nach den Silvestervorfällen in Köln im Jahr 2015. Seitdem hat die Landesregierung einen 15-Punkte-Plan entwickelt, zu dem auch zusätzliche Kameras zur Videoüberwachung für die Polizei gehören.

In Köln, Dortmund, Duisburg und Essen laufen diese Kameras bereits an kriminalitätsträchtigen Orten, jetzt ist der Bushof als fünfter Brennpunkt hinzugekommen.

Dass es an dieser Stelle Handlungsbedarf gibt, steht angesichts der Zahlen der Polizei außer Zweifel. Alleine von 2014 auf 2015 sei die Straßenkriminalität dort um 23 Prozent angestiegen, berichtet Helmut Lennartz, Leitender Polizeidirektor im Aachener Präsidium, dem Minister und den Journalisten.

Und im Jahr darauf noch einmal um sechs Prozent. Absolute Zahlen will Lennartz „lieber nicht“ nennen. Aber allein in den ersten fünf Monaten des vorigen Jahres ereigneten sich rund um den „Angstort“ Bushof, wie die AZ seinerzeit berichtete, 20 Raubüberfälle, 18 gefährliche Körperverletzungen und 119 Taschendiebstähle.

Dass sich das jetzt ändert, davon zeigt sich der Innenminister überzeugt. Dazu soll vor allem beitragen, dass die Polizei von nun an am Bushof viel schneller reagieren kann. Denn sobald Oliver Knops oder einer seiner Kollegen auf dem großen Monitor etwas Verdächtiges entdeckt, schickt er Einsatzkräfte los. „Die Streifenteams müssen den beobachteten Ort innerhalb weniger Minuten erreichen können“, nennt Jäger eine der gesetzlichen Voraussetzungen, die für die Videoüberwachung erfüllt sein müssen.

Und erinnert zur Verdeutlichung an eine besonders schwere Straftat am Bushof, die mit Hilfe der Kameras vielleicht verhindert worden wäre – als nämlich im Juni 2013 ein versuchtes „Abziehen“ unter Jugendlichen zur Schlägerei ausuferte und so eskalierte, dass ein 16-Jähriger mit einer abgebrochenen Flasche lebensgefährlich am Hals verletzt wurde.

Dass seine Beamten nun ganz gezielt einsetzt werden können, freut auch Polizeipräsident Dirk Weinspach. Die Kameras seien „das verlängerte Auge der Polizei“ und „ein wichtiger letzter Schritt nach vorne“ in der Kriminalitätsbekämpfung, sagt er. Diese habe man schon vor den Kölner Vorfällen mit einem City-Konzept forciert, betont der Behördenchef: „Wir zeigen schon lange verstärkt Präsenz in der City.“

Dass just zum Besuch des Ministers der Bund der Kriminalbeamten (BDK) in Aachen zwar die Videoüberwachung lobt, aber einen eklatanten Personalmangel bei der Kripo beklagt, passt an diesem Tag nicht so ganz in die positive Stimmung der Verantwortlichen. Der Vorwurf, dass die stärkere Polizeipräsenz auf der Straße zu Lasten der professionellen Ermittlungsarbeit gehe, treffe so nicht zu, sagt Weinspach.

Aber er räumt auch ein, dass mehr Kontrollen mehr Verfahren produzieren, was den Druck auf die Kripo erhöhe. Jäger verweist auf die zusätzlichen Polizeianwärter, die in den vorigen Jahren eingestellt worden seien, und erklärt mit Blick auf Ermittlungskapazitäten und Straßenpräsenz: „Wir müssen beides ausbauen.“

Viel lieber reden alle Beteiligten aber über die Videoüberwachung, bei der der Minister betont, sie werde in Aachen „gezielt und maßvoll“ eingesetzt. Außerdem spiele der Datenschutz eine große Rolle: Mit Schildern weise man auf die Kameras hin, alle Daten würden verschlüsselt und nach 14 Tagen gelöscht, sofern sie nicht für ein Ermittlungsverfahren benötigt werden. Und alle privaten Bereiche würden von dem „hochmodernen System“ verschattet, sagt Jäger.

Das bedeutet, dass Oliver Knops auf seinem großen Monitor zwar jeden Passanten hautnah heranzoomen, aber nicht in Wohnungen hineinspähen kann. Das verhindern graue Balken. Sogar die Klingelschilder an Hauseingängen sind verpixelt. Es gehe um einen sicheren Staat und nicht um einen Überwachungsstaat, sagt Jäger. Dazu passe auch, dass bei Demos, die häufiger am Bushof vorbeiziehen, die Kameras ausgeschaltet würden, wie die Polizei versichert.

Ohnehin sollen diese nicht rund um die Uhr laufen, sondern nur zu den Tages- und Nachtzeiten, in denen es am Bushof in der Regel zu Straftaten kommt. Welche das sind, will die Polizei – verständlicherweise – nicht verraten.

In einem Jahr auf den Prüfstand

In einem Jahr kommt das Ganze auf den Prüfstand. Dann werden die Fallzahlen betrachtet, und es wird entschieden, ob die Überwachung weiter gerechtfertigt ist. An diesem Freitagmorgen steht der Fallzähler noch auf Null. Oliver Knops hat zwar genau hingeschaut, aber nichts Verdächtiges entdeckt. Nur einmal hat er stark gezoomt und festgestellt, dass ein „bekannter Klient“ am Bushof vorbeischlenderte – aber sich nichts zu Schulden kommen ließ. In der Tat hat die Polizei den Bushof nun gestochen scharf im Blick.

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