Die Orgelbauer müssen alle Register ziehen

Von: Thorsten Karbach
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Kein schöner Anblick für die Kirchenleute – aber absolut notwendig: Die leere Annakirche mit der wertvollen Weimbs-Orgel steht bereit für eine umfangreiche Sanierung. Bis September soll sie für 900 000 Euro runderneuert werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Um die kostbare Weimbs-Orgel zu schützen, ziehen die Handwerker alle Register. Die 2000 Pfeifen zählende Orgel – Wert rund 600.000 Euro – wird eingehaust, will heißen: Sie verschwindet in einem massiven Holzkasten, um vor Schäden aber auch Staub bewahrt zu werden. Denn die Annakirche, in der eine der größten Orgeln Aachens (34 Register) steht, wird noch bis September saniert.

Im Oktober verschwand der 1748 von Johann Joseph Couven „barockisierte“ Bau, der auf eine Kapelle aus dem Jahr 1532 zurück geht, an der Annastraße hinter Gerüsten und Planen. Das Dach mit Pfannen aus der Nachkriegszeit ist bereits erneuert worden, doch Architekt Thomas Blohm-Schröder und die Bauleute haben noch aller Hand Arbeit vor der Brust. Auf dem Gerüst deutet Blohm-Schröder auf offene Fugen und Schäden am massiven Mauerwerk. Natursteine werden freigelegt und möglichst bald verfugt. „Wir müssen hier eingreifen“, erklärt der Architekt.

In einem nächsten Schritt werden auch noch die Fenster entfernt. Die Verglasung muss gereinigt, eventuell ausgetauscht werden. Die Metallstreben sind verrostet. Und wenn die Fenster ausmontiert sind, muss die Einhausung die Orgel auch vor sinkenden Temperaturen, Nässe und Kälte schützen.

Rund 900.000 Euro wird die Sanierung der Annakirche die Evangelische Kirchengemeinde Aachen als Bauherrn kosten – davon kommen 97.000 aus dem Denkmalförderprogramm des Landes. Allein 22.000 Euro entfallen auf die gewaltige Schutzhülle der Orgel, die von den Fachleuten der Firma Weimbs aufgebaut wird. Die größten Orgelpfeifen messen bis zu 4,70 Meter.

Während des Umbaus werden Orgelkonzerte in anderen Kirchen stattfinden – etwa in St. Foillan. „Es gibt in Aachen eine ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Kirchenmusikern“, erläutert Pfarrer Mario Meyer, Vorsitzender des Aachener Gesamtpresbyteriums. Gottesdienste der evangelischen Kirchengemeinde finden während der Bauarbeiten in der Dreifaltigkeitskirche an der Zollernstraße statt. An den Anblick in der Annastraße will sich Meyer aber keinesfalls gewöhnen. Alle Bänke wurden entfernt, nur das Taufbecken steht noch. Ansonsten sieht Meyer: eine leere Kirche.

Denn auch das Innere muss umfangreich saniert werden. An den Wänden löst sich Putz, Risse sind zu sehen, die sich bis zur Decke ziehen. Auch im Kirchenschiff wird deswegen ein Gerüst errichtet – mit einem Podest unter der Decke. Und im Boden wird eine neue Heizungsanlage installiert. „Die Rundumsanierung war einfach nötig“, betont Meyer. „Die Kirche soll wieder in neuem und damit altem Glanz erstrahlen.“

Statt Kirchenliedern klingen erst einmal Hammer, Säge und Bohrmaschine. Meyer sagt: „Wir sind froh, wenn hier wieder Alltag herrscht.“ Und die Weimbs-Orgel erklingt.

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