Aachen - Die „organisierte Sperrmüllberaubung”

Die „organisierte Sperrmüllberaubung”

Von: Stephan Mohne
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Haufenweise Probleme: Der Stadtbetrieb will die Sperrmüllabfuhr in den Bezirken auf Terminvergabe umstellen - und das System damit dem der Innenstadt anpassen. Unter anderem soll das wegen hoher Kosten, Ungleichbehandlung und der „organisierten Sperrmüllberaubung” Foto: Michael Jaspers

Aachen. . Das Ansinnen ist schon mehrfach vor die Wand gelaufen, jetzt aber nimmt der Stadtbetrieb noch einmal Anlauf. Die Sperrmüllabfuhr in Aachen soll endlich auf einheitliche Füße gestellt werden. Und zwar nach dem Modell, wie es in der Innenstadt seit jeher gang und gäbe ist. Dort vereinbart man einen Termin per Telefon, Brief oder Internet.

In den Außenbezirken ist das anders: Der Sperrmüll wird an festgelegten Terminen ein Mal pro Monat abgeholt. Das hat laut Stadtbetrieb gleich mehrere gravierende Folgen.

Zum einen sei die gesamte Sperrmüllflotte der Stadt mittlerweile an sechs Arbeitstagen in den Außenbezirken unterwegs. Das deswegen, weil die Fahrzeuge ohne Ausnahme alle Straßen abklappern müssen. In der City führe das hingegen zu Kapazitätsengpässen - mit der Folge „erheblich längerer Wartezeiten”. Mittlerweile würden die Teams deshalb sogar samstags rausgeschickt. Eine eindeutige Ungleichbehandlung.

Zur Lösung dieses Problems gibt es laut Stadtbetrieb nur zwei Alternativen: Entweder man schafft einen zusätzlichen Müllwagen an und stellt drei neue Mitarbeiter ein, oder man stellt auch in den Außenbezirken auf Terminvergabe um. Die erste Variante würde satte Mehrkosten verursachen - rund 240.000 Euro pro Jahr. Diese müssten am Ende von allen über die Müllgebühr bezahlt werden, schließlich ist die Sperrmüllabfuhr in der gezahlten Gebühr enthalten, die Kosten werden umgelegt.

Ein weiteres Problem kann man in den Außenbezirken mit steigender Tendenz beobachten: Ganze Flotten von Kleintransportern rasen vor festen Sperrmüllterminen durch die Wohngebiete, um die Müllhaufen nach Brauch- oder Verwertbarem zu durchsuchen. Der Stadtbetrieb nennt das „organisierte Sperrmüllberaubung” und spricht von „auswärtigen Plünderern”.

Diese durchwühlten den Sperrmüll - verbotenerweise - insbesondere nach Wertstoffen. Das verursache Lärm und bisweilen auch Dreck. Außerdem: Wertstoffe wie Metall könnte die Stadt auch zu Geld machen. Mit der individuellen Terminvergabe werde dieses System durchbrochen.

Außerdem sei der Anteil von Müll, der gar nicht zum Sperrgut gehört, in den Außenbezirken überdurchschnittlich hoch. Beim System der Terminvergabe könne man die Bürger hingegen darüber aufklären, was sie herausstellen dürfen und was nicht. Als Fazit aus allen Kritikpunkten hält es der Stadtbetrieb „für dringend erforderlich, eine Veränderung der derzeitigen Rahmenbedingungen vorzunehmen”.

Allein: Bisher gab es immer mehr oder weniger Widerstand aus den Bezirken. Zuletzt wurde das Thema Ende 2009 von der Tagesordnung gekippt. Das vor allem deshalb, weil es eben unbequemer ist, sich erst einmal einen Termin geben zu lassen. Der Stadtbetrieb sieht auch, dass der Systemwechsel „anfangs für den Bürger in den Bezirken sicherlich eine Umstellung sein wird”, hält aber unter anderem entgegen, dass man mit dem neuen System künftig die Abfuhr bestellen kann, wenn man sie braucht - also theoretisch auch jede Woche. Während einer Übergangsphase werde man überdies gewährleisten, dass Sperrmüll, der ohne Termin herausgestellt wurde, „zeitnah entsorgt wird”.

Beraten wird das Thema, das sich bisher immer als äußerst sperrig erwies, ab Juli in den Bezirksvertretungen, bevor der Rat entscheidet.

Service: Erweitertes Angebot am Recyclinghof in Eilendorf

Wer nur wenig Sperrgut zu entsorgen hat und nicht auf seinen Abholtermin warten möchte, kann damit ab sofort auch direkt zum städtischen Recyclinghof in Eilendorf fahren. Auf dem Recyclinghof in der Kellershaustraße steht ein gesonderter Container zur Verfügung. Es werden maximal drei Teile angenommen.

Für größere und schwere Teile sowie für Elektrogroßgeräte wie Kühlschrank, E-Herd oder Waschmaschine gilt weiter Abholung nach Termin.

Nähere Auskunft ist unter 432-18666 (Montag bis Freitag 7-18 Uhr) zu erhalten. Die Öffnungszeiten des Recyclinghofes Eilendorf sind: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 8-16 Uhr, Mittwoch 8-19 Uhr, Samstag 8.30-14 Uhr.

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