Die Öcher setzen auf den vierten WM-Triumph

Von: alp/hpl/mh/sh
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Von Fans, Pfannen und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl
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Von Fans, Pfannen und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl
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Von Fans, Pfannen und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl
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Von Pfannen, Fans und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl
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Von Pfannen, Fans und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl
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Von Pfannen, Fans und lackierten Fingern: Ganz Aachen bereitet sich auf das große WM-Finale vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Ganz Aachen ist von WM-Fans in Schwarz-Rot-Gold besetzt. Ganz Aachen? Nein! Eine unbeugsame Gaucho-Gemeinde hört nicht auf, an den Messi(as) zu glauben und Widerstand zu leisten. Am Sonntag zählt‘s: Deutschland gegen Argentinien. Das Finale der Fußball-WM elektrisiert (fast) alle in der Stadt.

Auch wenn das Kräfteverhältnis nicht ungleicher sein könnte: Exakt 249 746 Menschen (Stand 31. Dezember 2013) leben laut Einwohnermeldeamt in Aachen – der größte Teil dürfte dem Team von Jogi Löw die Daumen drücken. Macht – theoretisch – eine Wettquote von 34 zu 249 712 für den (vermeintlichen?!) Favoriten. Denn verschwindend gering mutet die Zahl von gerade einmal 34 Argentiniern an, die rund um den Dom sesshaft geworden sind.

Eine von ihnen ist Ana María Jurisch. Sie lebt seit 1974 in Aachen: seit dem Jahr, in dem die deutsche Nationalmannschaft zum zweiten Mal in der Fußballgeschichte Weltmeister wurde. 2:1 gegen die Niederlande. Wer erinnert sich nicht? Ana María Jurisch ist trotz ihrer Wahlheimat mit dem Herzen bei ihren Argentiniern. Wobei sie deren bisherige „minimale Glanzleistungen“ alles andere als überzeugt haben. Daher gibt sie auch für das morgige Endspiel keinen Tipp ab – wohl, um nicht völlig daneben zu langen. „Ich lege mich nicht fest“, sagt sie fast trotzig. Doch es scheint durch ihre Aussage so sympathisch der Wunsch durch, dass Messi & Co. gewinnen, dass man es ihr fast wünschen würde. Fast! Also eigentlich gar nicht.

Dass es im Finale gegen Argentinien geht, hat OB Marcel Philipp erst am Donnerstag erfahren. „Mir sind die Augen während des Spiels zugefallen“, verrät er. Kein Wunder bei dem recht müden Kick. Sonntagabend schnellt der Adrenalinpegel aber auch bei Aachens erstem Bürger in die Höhe. „3:1“, tippt der OB auf einen klaren Sieg des DFB-Teams. Und trotzdem schwingt bei Philipp ein wenig Wehmut mit. Denn eigentlich standen bei ihm die Niederländer auf dem „finalen“ Wunschzettel. „Das wäre für uns in der Euregio eine ganz besondere Partie geworden.“ Aber vielleicht drückt man auf der anderen Seite der Grenze ja nun doch dem Erzrivalen die Daumen, nachdem die Elftal gegen die Gauchos unglücklich im Elfmeterschießen ausgeschieden ist.

Ein anderer Mann hat im Grunde sein Quantum an Erfolgserlebnissen ausgeschöpft: Achim Rodtheut, Coach des SV Eilendorf, ist mit seinem Klub passend zum 100. Geburtstag in die Mittelrheinliga aufgestiegen. Aber positiv Fußballverrückte sind unersättlich. Und deshalb will er den Sieg der Deutschen: „Weil wir das bessere Team sind, weil jetzt nicht von ungefähr alle auf den Punkt topfit sind, und weil die Spieler von der ersten Partie weg – auch in kritischen Momenten – auf das Finale fokussiert sind.“ Abergläubisch ist der Leiter der Fußballschule „Do it“ überhaupt nicht, aber wenn er am Sonntag mit seinen Freunden das Finale guckt, dann muss „sein“ Stuhl auf exakt einer festgelegten Stelle stehen... „Ich bin sicher, dass wir das schaffen – egal wie!“

Ein Endspiel – wie auch immer – hätte Tim Hammer gerne noch mal für die Alemannia. Der Aufsichtsrat des Klubs wird das Spiel privat in einem ALRV-Zelt gucken und so Pferde- und Fußballsport vereinen. Ohne Aberglauben, ohne irgendwelche Rituale. „Ich will die Siegvollzugsmeldung“, sagt er, muss aber selbst über seine Formulierung lachen. Weil er auch ein Fußballverrückter ist – Alemanne halt. Ein Gerücht sei es übrigens, dass er auf Abruf für eine Einwechslung in Brasilien bereit stehe. Im Gegensatz zur Alemannia-Saisoneröffnung, da will der Spediteur tatsächlich vor aller Augen die Fußballschuhe schnüren. Als Weltmeister natürlich, Deutschland – Argentinien: 3:1.

Auch Bernd Weiss, Gitarrist beim Trio Lagerfeuer, ist überzeugt, dass die DFB-Recken das Estádio Maracanã in Rio mindestens so rocken wie weiland die Beatles die großen Stadien in Nordamerika. „Mit meiner Frau und unseren beiden Söhnen gucken wir wieder im ,Insulaner‘, sozusagen unser WM-Studio. Das ist ja wie eine kleine Dorfgemeinschaft rund um den Neumarkt.“ Sein Tipp: Jogis Jungs werden Messi und Co. mit 3:0 mindestens so rund machen wie das Kunststoffleder selbst.

Anja Schommers, im wahren Leben Mitarbeiterin an der Kasse des Stadttheaters, tauscht das Große Haus am Sonntag mit der Kammer – daheim. „Diesmal habe ich die WM-Spiele immer ganz allein zu Hause geguckt. Hat ja geklappt und durchaus Spaß gemacht! Und ich bin viel zu abergläubisch, daran zum Finale etwas zu ändern. Meine beiden Söhne gucken bei Freunden und verbinden das mit einer Übernachtungsparty. Also werde ich wohl wieder im Wohnzimmer auf und ab tigern und mir dabei einen Whisky mit Sahne gönnen.“ Ihr Tipp: 3:1 – mit oder ohne Rasensahne vor der Freistoßmauer. Apropos Sahne: Fast hätten ihm die Brasilianer beim jüngsten Geniestreich der Deutschen genau so leid getan wie die Wirtin seiner Stammkneipe in Bardenberg. „Da gibt’s immer ein Freibier, wenn ,wir‘ ein Tor schießen“, erzählt Axel Schwartz, designierte Öcher Tollität. Der Mann hält den Ball trotzdem flach: „Mit einem 2:1 für Deutschland wär‘ ich schon zufrieden.“ Wir auch.

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