Die Kunst des Argumentierens gegen die eigene Überzeugung

Von: Mischa Wyboris
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Da steht was zur Debatte: Benedikt Quarch, Armin Gatz, Christopher Schwanen und Sebastian Bock (v.l.) beim Meinungsstreit „Jugend debattiert” in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Soll Werbung für Alkohol verboten werden? „Nein”, sagt Christopher Schwanen entschieden. „Alkohol ist eine legale Droge, die lange nicht so gefährlich ist wie Marihuana oder Heroin”, begründet der Zehntklässler vom Pius-Gymnasium seine Meinung. Das Problem: Es ist gar nicht seine Meinung.

Trotzdem muss er souverän dafür plädieren, dass Alkohol in der Werbung zur Aufklärung von Jugendlichen beiträgt.

Dieses Schicksal teilt Christopher allerdings mit so manch´ anderem Teilnehmer beim Finale des Schulverbundwettbewerbs „Jugend debattiert” im Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG).

„Deutlich gegen das zu sprechen, was man eigentlich denkt, ist eine echte Herausforderung”, staunt Pius-Rektor Dr. Josef Els über den Verbalakrobaten seiner Schule. Benedikt Quarch hat mehr Glück gehabt. Er hat eine halbe Stunde vor der Debatte erfahren, dass er seinen tatsächlichen Standpunkt vertreten darf.

„Wer Pro und wer Contra ist, wird zugelost”, erklärt der 15 Jahre alte Pius-Schüler das Reglement. Vor zehn Tagen habe er das Thema mitgeteilt bekommen und sich seitdem mit beiden Positionen gewissenhaft auseinandergesetzt.

Schon zum sechsten Mal nimmt der Schulverbund Aachen II, bestehend aus Pius-, Geschwister-Scholl- und Rhein-Maas-Gymnasium, am Regionalturnier auf dem Weg zum Bundesfinale in Berlin teil. 600 Schulen in 147 Verbünden messen sich im laufenden Schuljahr beim Wortwettbewerb. Trotz allem Widerstreit in der randvollen GSG-Aula: Man lässt sich ausreden, hört zu, geht aufeinander ein.

Das ist auch das erklärte Ziel des gepflegten Rhetoriksports: „Wir unterstützen nicht den Talkshowgedanken, sondern die Debattenkultur”, betont Jury-Mitglied und Projektorganisatorin Gaby Debye-Glöckler von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Von dieser Art des Umgangs könne sich so mancher Politiker ruhig etwas abschauen, ist GSG-Schüler Alexander Prill überzeugt. Er hat sich nach der Debatte über eine gesetzlich begrenzte Anzahl von Kraftfahrzeugen je Privathaushalt seines Headsets entledigt und sinniert über deutsche Gesprächskultur.

„Ich weiß nicht, ob Politik ein faires Geschäft ist”, sagt der 17-Jährige. „Es wird viel aggressiver debattiert, dabei müssen wir mehr miteinander reden - das haben viele noch nicht verstanden.”

Am Ende gehört Alexander zu den Siegern - er darf bald beim Landesfinale in Oberhausen mitdiskutieren. Und das sicherlich auf einem höheren Niveau als das Fazit eines Altersgenossen aus dem Publikum daherkam: „Boah, Alter, ich bin voll fertig!”

Benedikt Quarch (Pius) gewinnt in der Altersgruppe Klasse 8-10 vor Sebastian Bock (GSG), Christopher Schwanen und Armin Gatz (beide Pius).

Alexander Prill ist Sieger in der Altersgruppe ab Jahrgangsstufe 11 vor Vanya Ali-Saleh, Aybike Cetin und Rebecca Neuß (alle GSG).

Die Ersten und Zweiten der beiden Altersklassen nehmen am Landesfinale in Oberhausen teil.

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