Aachen - Die Kochjacke sitzt, die Arbeit passt

Die Kochjacke sitzt, die Arbeit passt

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Die Kochjacke sitzt, die Arbeit passt: Der 15-jährige Gionatan Schneider engagiert sich im Rahmen des Projekts „Soziale Jungs“ in der Küche eines Seniorenparks. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es war die Küche, in der Gionatan Schneider so richtig auf den Geschmack gekommen ist. Die Kochjacke sitzt, die Arbeit passt. 15 Jahre ist Gionatan Schneider alt, er besucht die Klasse 9 der Hauptschule Drimborn – und geht nachmittags ins Seniorenheim.

Dorthin gebracht hat ihn der Verein ax-o, der sich der Jungenarbeit verschrieben hat.

„Soziale Jungs“ heißt das Projekt, in dem Jugendliche wie Gionatan Schneider in Senioreneinrichtungen oder Kindergärten gehen. „Wir wollen den Jugendlichen den Blick für Bereiche schärfen, die – so ist zumindest das Klischee – sonst nicht für sie infrage kommen“, erklärt Hanno Schaffrath von ax-o. Und in der Tat: Auch der 15-jährige Hauptschüler hatte bis dato Kfz-Mechaniker werden wollen. Wie so viele Jungs in seinem Alter.

Mit „Soziale Jungs“ will ax-o Jungen neue Perspektiven aufzeigen, Horizonte erweitern. Für ein Vorleseprojekt ist der Verein von der Vaalser Straße gerade erst mit dem Deutschen Vorlesepreis ausgezeichnet worden. Mit „Soziale Jungs“ geht Schaffrath gezielt in Haupt- und Realschulen und sucht nach Jugendlichen, die sich auch in ihrer Freizeit engagieren wollen. Begonnen hatte alles für Gionatan Schneider in den Herbstferien. Da stand er freiwillig früh auf, um 7 Uhr musste er im Seniorenpark Carpe Diem an der Robensstraße sein. Er hat auch die Haustechnik kennengelernt, aber die Küche wurde sein Reich. Wenn er jetzt in der weißen Kochjacke Gemüse schneidet, dann ist sein Enthusiasmus greifbar. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, nach der Schule in einer Küche zu arbeiten“, sagt er.

Küchenleiter Paul Waldbauer hört dies gerne. Gionatan Schneider wurde von vornherein eingebunden in den Alltag der Seniorenparksküche „Vier Jahreszeiten“. Er hat das Frühstück vorbereitet, beim Mittagessen geholfen, zum Abwasch beigetragen, die Küche gereinigt und dann im Bistro mit schwarzem Hemd statt weißer Kochjacke die Senioren bedient: „Guten Tag, möchten Sie eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen?“

Ja, Kaffee und Kuchen werden bestellt. „Es ist wichtig, dass junge Männer derart sozial einbezogen werden. Anders als in der Werbung ist nicht jeder Mensch jung, fit und dynamisch. Wir brauchen die Solidarität und Hilfe innerhalb der Gemeinschaft“, sagt Seniorenpark-Leiterin Martina Rohde. „Er macht das sehr gut.“

Seit den Herbstferien ist Gionaten Schneider natürlich nur noch nachmittags – nach der Schule – im Seniorenpark. Aber er bleibt am Ball. Das Modellprojekt ist auch für ihn zunächst auf ein halbes Jahr oder 100 Stunden begrenzt, länger kann es ax-o bislang nicht finanzieren (weitere Infos unter 9890711). „Wir würden es gerne fortsetzen“, sagt Schaffrath. Aktuell sind es zehn Jungs, die sich ähnlich engagieren, mittlerweile auch in einer Offenen Tür. Sie kommen von der Klaus-Hemmerle-Schule und den Hauptschulen Burtscheid und Drimborn.

Gionatan Schneider serviert nun im schwarzen Hemd Kaffee. „Die Menschen hier sind alle sehr nett, und die Senioren suchen das Gespräch“, erzählt er. Einrichtungsleiterin Rohde schätzt diese kleinen Momente der Begegnung. 33 Jahre arbeitet sie nun in der Altenpflege, sie weiß wie körperlich und psychisch schwer der Beruf ist, und sie weiß auch, wie wichtig es ist, Männer in Seniorenheimen zu haben. Der Fachkräftemangel sei groß. Der Männermangel noch größer. Vor allem, weil die junge Männer oft direkt ins Management durchstarten. Insgesamt – so die Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2011 – gibt es in den Gesundheitsberufen 83 Prozent Frauenanteil, auch wenn die Zahl der Männer von 392.000 auf gut 474.000 gestiegen ist.

„Es ist super, wie viel ich hier machen darf“, sagt Gionatan Schneider und schaut ins Bistro. Seit zehn Jahren gibt es den Seniorenpark, es gibt 28 Wohnungen für Alleinstehende und Paare, 91 Pflegeplätze und den ambulanten Dienst. Mehr als 100 Mitarbeiter sind im Einsatz. Irgendwie zählt auch der „soziale Junge“ dazu. „Es macht mir wirklich Spaß“, sagt der Schüler. Die Jacke sitzt, die Arbeit passt.

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