Aachen - „Die Känguru-Chroniken“: Schnapspralinen essend in der Hängematte

„Die Känguru-Chroniken“: Schnapspralinen essend in der Hängematte

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Ganz relaxt: Regisseur Matthias Fuhrmeister bringt die „Känguru-Chroniken“ auf die Bühne des Mörgens.

Aachen. „Meins“ und „deins“: Wer mit einem kommunistischen Känguru zusammenwohnt, muss sich von solch bürgerlichen Kategorien frei machen. In Sachen radikaler Gesellschaftskritik kann Kleinkünstler Marc-Uwe Kling von seinem ungewöhnlichen Mitbewohner noch einiges lernen. In einer „halben Uraufführung“ bringt das Theater Aachen die „Känguru-Chroniken“ ab Donnerstag auf die Bühne des Mörgens an der Mörgensstraße.

Nach zahlreichen Inszenierungen seiner Känguru-Trilogie an Theatern in ganz Deutschland hat Autor Kling – zugleich Protagonist seiner Bücher – eine eigene Bühnenfassung der Geschichte geschrieben. Als Erstaufführungsort der Fassung war das Theater Aachen im Austausch mit dem Autor an deren Entstehung beteiligt.

Beim Zusammenstutzen der drei Bücher umfassenden Abenteuer von Künstler und Känguru hat Kling sich bewusst beschränkt, so Dramaturgin Gesa Lolling. Die Rahmenhandlung wird bestimmt von den Themen Arbeit, Rassismus und dem Widerstand dagegen – Widerstand gegen den Rassismus, aber auch gegen die Arbeit. Das Känguru verabscheut nämlich die Leistungsgesellschaft und verbringt den Tag am liebsten Schnapspralinen essend beim Schauen von Bud-Spencer-Filmen kopfüber in der Hängematte, und den Kleinkünstler gegen Mittag im Schlafanzug anzutreffen, ist auch keine Seltenheit.

Der satirische Anspruch der Geschichten, oft in albern bis klamaukige Szenen verpackt, hat den Känguru-Chroniken inzwischen zu Kultcharakter verholfen. Von Kling zunächst als Radiopodcast, dann als Buch und Hörbuch veröffentlicht und in Lesungen selbst vorgetragen, stellt die visuelle Umsetzung des Stoffs als Theaterstück natürlich vor eine besondere Aufgabe, so Regisseur Matthias Fuhrmeister: „Wie stellt man ein sprechendes Känguru dar?“ Mit entsprechenden Plüsch-Ohren und scheinbar unbegrenztem Stauraum vor dem Bauch gelingt es Schauspielerin Marie Hacke jedoch hervorragend, die Vorstellung des vorlauten Beuteltiers in die Realität zu tragen.

Das Besondere an der Bühnenfassung von Kling ist, dass Känguru und Kleinkünstler, gespielt von Martin Krah, die neue Darstellung ihrer Geschichte durch das Medium Theater reflektieren – Szenen aus der Trilogie werden nicht einfach nachgespielt, sondern von einer Metaebene betrachtet: Gemeinsam blicken die beiden zurück auf das gemeinsam Erlebte. Schlüsselszenen wie die „Eierkuchenszene“, das eröffnende Kapitel der Geschichte, dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Kling hat seiner Theaterfassung außerdem mehrere Songs hinzugefügt, die Künstler und Känguru mit Unterstützung des unter anderem als Wirtsfrau, Beamten und Nazi zu sehenden Simon Rußig und Theatermusiker Malcom Kemp live zum Besten geben. „Ich weiß nur, ich will auf jeden Fall was ohne Menschen machen“, heißt es da zum Beispiel zur Wahl des richtigen Berufs und Lebensstils.

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