Die jüngste und die älteste Orgel der Stadt in einer Kirche

Von: Andreas Cichowski
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Ist froh über die komplette Instrumentierung von St. Martinus: Kirchenmusiker Angelo Scholly. In der Pfarrkirche findet man jetzt mit der 1836 erbauten Maaß-Orgel (im Hintergrund) und der neuen kleinen Truhenorgel sowohl die älteste wie auch die jüngste Orgel in der Stadt. Foto: Andreas Cichowski

Richterich. Seit 1836 ertönt in der Kirche St. Martinus an der Horbacher Straße im Stadtteil Richterich die alte Maaß-Orgel. Sie ist die älteste Orgel der Stadt, hat zwei Weltkriege unbeschadet überstanden und erfreut bis zum heutigen Tag mit ihrer Klangschönheit. Außergewöhnlich ist, dass nun die jüngste und die älteste Kirchenorgel der Stadt unter einem Dach stehen.

Denn das Gotteshaus beherbergt seit jüngstem eine zweite Orgel, die großzügig von einer Privatperson gestiftet wurde – im Wert eines Mittelklassewagens. Auch wenn beide Orgeln dieselbe Technik vereint, könnten sie doch nicht unterschiedlicher sein.

Denn der über sechs Meter hohen Pfeifenorgel, steht nun eine kleine Truhenorgel gegenüber, mit gerade einmal 85 Zentimetern Höhe, gebaut von der Firma Klop aus den Niederlanden, die ihre Orgeln auch heute nach klassischem Vorbild baut – mal abgesehen vom Stromanschluss.

Die Orgel wurde in erster Linie angeschafft, um den Chor mit Blickkontakt begleiten zu können. „Wegen der kompakten Form kann man leicht drüber gucken“, meint Organist Angelo Scholly. Außerdem sei sie transportabel, man könne sie sogar mit vier Mann problemlos tragen.

Ein Blick ins Innere verdeutlicht, wie bemerkenswert die Kompaktheit der Orgel ist. Jeder Zentimeter des Innenraumes ist ausgenutzt, damit alle fünf Register mit insgesamt gut 100 Holzpfeifen darin Platz finden. „Doch eine Pfeife muss eine bestimmte Länge haben für einen bestimmten Ton“, erklärt Scholly. Je länger die Pfeife, umso tiefer der Ton – zum Vergleich, die längste Pfeife der großen Orgel ist 2,40 Meter lang. Damit die Truhenorgel annähernd an die tiefen Töne heran kommt, sind einige Pfeifen über Eck verbaut.

An die 15 Register der Großen Orgel der Gebrüder Maaß, die in Köln gebaut und 1836 in Betrieb genommen wurde, kommt die kleine Orgel nicht ran, denn hierfür sind knapp 1000 Pfeifen nötig, die übrigens zwei Mal im Jahr vom Orgelbauer gestimmt werden. „Doch das heißt nicht, dass die auch 1000 Töne hat“, bemerkt Scholly. Denn es gebe Register, bei denen auf einer Taste mehrere Pfeifen gleichzeitig erklingen – „Mixtur nennt sich das“. Trotz ihres Alters ist die Maaß-Orgel noch gut in Schuss. Sie wurde 1988 umgebaut und restauriert, letztes Jahr gereinigt, und funktioniere tadellos, schildert Organist Scholly, der das gute Stück mittlerweile zu schätzen weiß: „Als ich hier als Organist angefangen habe, als junger Student, war ich etwas enttäuscht, dass die Orgel nur ein Manual und wenige Register hat.“ Doch erst nach und nach habe er ihre Klangschönheit kennengelernt. Scholly, der regelmäßig auf sechs Orgeln spielt – unter anderem jene im Dom – ist sich sicher: „Unsere Orgel in St. Martinus ist für mich die schönste Orgel der Stadt.“

Für alle Interessierten bietet die Gemeinde St. Martinus Orgelführungen an. Die verschiedenen Termine werden auf der Homepage www.st-martinus-ac.de angekündigt. Die Führungen sind kostenlos und ohne Voranmeldung möglich. Orgelkonzerte in St. Martinus: „Feuerwerk der Orgelmusik“, 31. Dezember 23 Uhr; „Orgel und E-Gitarre“, Dienstag, 17. Oktober 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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