Aachen - Die Inklusion kommt in den Köpfen an

Die Inklusion kommt in den Köpfen an

Von: Svenja Pesch
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50-Jahr-Feier des VKM Aachen: Die Kita-Kinder gestalteten das Programm mit Musik und bestens einstudierten Tänzen. Foto: Andreas Steindl
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Führten durch den Tag: Moderator Bernd Büttgens (links) und Gerd Voigt (Geschäftsführer VKM). Foto: Andreas Steindl
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Förderung der Kreativität: Unter freiem Himmel zeigten die Kleinen ihre künstlerische neigung. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Manche Dinge brauchen Zeit, viel Zeit. Manchmal ist der Weg zum Ziel beschwerlich und lang. Aber dann, wenn dieser eine Moment da ist, merkt man, dass es genau so richtig war. Dass die Anstrengungen, Sorgen und oftmals auftretenden Probleme sich gelohnt haben. Und wofür? Für ein Lachen, ein nettes Wort und vor allem für ein Dankeschön, das von Herzen kommt.

Im Rahmen seiner 50-jährigen Jubiläumsfeier auf Gut Hebscheid blickte der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) auf seine Entstehungsgeschichte zurück und gab gleichzeitig Ausblicke in die Zukunft. Angefangen hat die Historie des Vereins vor einem halben Jahrhundert mit einem engagierten Elternpaar. Inge und Karl -Heinz Heemann suchten Eltern, deren Kinder ebenfalls ein Handicap hatten. Sie sahen es als ihre Aufgabe an, ihren behinderten Kindern eine Zukunft zu gestalten, in der sie ein selbstbestimmtes Leben mit Behinderung führen können.

Damals ging es primär darum, Spielgruppen, Unternehmungen oder Ferienfreizeiten zu organisieren und durchzuführen. Aus der sich Stück für Stück zusammengefundenen Elterngruppe entstand 1966 der „Verein zur Förderung spastisch gelähmter und anderer körperbehinderter Kinder e.V.“ Aus dem Elternverein entwickelte sich wenige später der „Verein zur Förderung Körper- und Mehrfachbehinderter e.V.“ – kurz VKM.

„In den letzten 50 Jahren hat sich eine Menge getan. Damals waren Menschen mit Handicap aus dem gesellschaftlichen Leben viel mehr aussenvor. Sie lebten in Heimen und waren im alltäglichen Leben kaum präsent. Heute begegnen wir ihnen auf Augenhöhe und die Teilhabe ist viel tiefer in der Gesellschaft verankert“, betonte Gerd Voigt, Geschäftsführer des VKM, innerhalb seiner Rede.

Mittlerweile beschäftigt der Verein gut 300 Mitarbeiter und handelt da, wo Bedarf ist. Vor 41 Jahren eröffnete die erste VKM-Kita in der Brabantstraße und 1999 die erste Wohnstätte in Verlautenheide. Schulbegleitungen, ein unterstützender Dienst oder diverse Projekte sind weitere Standbeine des Vereins. Natürlich spielt auch der Punkt der Inklusion eine Rolle, wie Daniela Jahn, stellvertretende Geschäftsführung, ergänzte: „Inklusion ist ein langer Weg, aber wir merken schon, dass es immer mehr in den Köpfen der Menschen ankommt. Für Menschen mit Handicap heißt Inklusion, dass sie nichts machen müssen, aber jetzt fast alles ganz selbstverständlich dürfen.“

Die große Geburtstagsfeier, die von einem bunten Programm begleitet wurde, ließ allerdings nicht nur Zahlen, Daten und Fakten Revue passieren, auch für lockere Unterhaltung war gesorgt. Neben einem Auftritt der VKM-Kita-Kinder, sorgte der Kabarettist Rainer Schmidt für Begeisterung. Geboren wurde er ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel. Während andere sich angesichts des Schicksals selbst aufgegeben hätten, erlernte Schmidt einen guten und humorvollen Umgang mit seiner Behinderung.

Mit Respekt, Würde und einer großen Portion Witz und Ironie plauderte er über die Tücken des Alltags und witzelte: „Schön, dass sie mich nicht persönlich treffen. Sonst wären sie vielleicht verunsichert. Wie gibt man jemandem die Hand, wenn der keine hat?“. Eine bessere Art und Weise Hemmschwellen abzubauen, gibt es wohl kaum. Nachdem die Lachmuskeln ausreichend beansprucht wurden, berichteten Beteiligte des VKM innerhalb einer Talkrunde über die Entwicklungen, Probleme und Zukunftsvisionen innerhalb des Vereins.

Ein Film dokumentierte das Leben von Peter Neuss, einem Mann, der mit und innerhalb des VKM groß geworden ist und einen Einblick in sein Leben gab. Natürlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt und sowohl der Gebärdenchor „Singende Hände“, als auch die A-Cappella Gruppe „frauenS“ trugen zu einer tollen Stimmung bei. Was sich die Verantwortlichen abschießend für die Zukunft wünschen? „Unser Steckenpferd ist, dass wir absolut bedarfsorientiert sind. Dort wo Lücken sichtbar sind, entdecken wir neue Angebote.

So existiert bereits seit drei Jahren eine Familienhilfe für Familien mit Autismus oder seit zweieinhalb Jahren die sogenannte „Peer-Beratung.“ Innerhalb dieser beraten Menschen mit Handicap andere Menschen mit Handicap, denn oftmals kann man am besten helfen, wenn man bestimmte Situationen selbst erlebt hat. Das alles sind Dinge, auf die wir stolz sind und wir werden auch weiterhin die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in den Fokus unserer täglichen Arbeit rücken“, resümierte Jahn.

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