Aachen - Die große „Müll-Revolution“ läuft (fast) wie geplant

Die große „Müll-Revolution“ läuft (fast) wie geplant

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Weniger Biomüll: Das ist ein Effekt der Neuausrichtung der Abfallwirtschaft. Wo er geblieben ist, weiß man nicht. Foto: Michael Jasper

Aachen. Neue Tonnengrößen und Abfuhrrhythmen, eine Gebühr für den Sperrmüll, eine Extragebühr für die Biotonne, ein Mindestvolumen beim Restabfall pro Person: Das ist die „Revolution“ der Aachener Müllabfuhr, die Anfang des Jahres nach heftigen Diskussionen gestartet wurde.

Sie bedeute auch, dass die Jahresgebühr für Haushalte mit kleinen Restmülltonnen deutlich teurer wurde, für Bewohner von großen Wohnanlagen mit großen Containern aber preiswerter. Dienen sollten die Umstellungen einerseits der Gebührengerechtigkeit, andererseits und vor allem der Kostensenkung. Rund zwei Millionen Euro pro Jahr betrug zuvor die Lücke zwischen Einnahmen uns Ausgaben. Das wurde jahrelang über Rücklagen aufgefangen.

Als die verbraucht waren, hieß es: Ohne eine Änderung – im Stadtbetrieb insbesondere vom Team um Abteilungsleiter Dieter Lennartz in einem wahren Kraftakt gestemmt – hätten die Gebühren für alle stark erhöht werden müssen. Und was hat das Ganze gebracht? Werden die Ziele erreicht? Dazu gibt es jetzt einen ersten Zwischenbericht, den der externe Experte Dr. Heinz-Josef Dombusch vom Institut „Infa“ anhand von Zahlen aus den Monaten Januar bis September am Dienstag dem Betriebsausschuss für den Stadtbetrieb vorstellte. Sein Fazit: Fast alle erwarteten Effekte sind eingetreten, eine „Feinjustierung“ sei noch nötig. Ein Überblick:

Restmüll: Rund 90 000 neue Tonnen wurden ausgeliefert. Neu sind 90- und 240-Liter-Tonnen. 60er für zwei- und vierwöchentliche Leerung wurden abgeschafft. Die Anzahl der Tonnen ist von 62 800 auf rund 62 000 leicht gesunken, wobei die Umstellungen der 60-Liter-Tonnen mit vierwöchentlicher Leerung noch nicht abgeschlossen ist. Sie kommt wegen des 7,5-Liter-Mindestvolumens pro Person und Woche nur noch für Haushalte bis zwei Personen in Frage. Laut Dieter Lennartz fehlen bei einigen tausend Grundstücken noch die Personenzahlen, die nun ermittelt werden. Die Zahl der Leerungen sank von 1,9 auf 1,4 Millionen.

Biomüll: Wegen der nun zweiwöchentlichen statt wöchentlichen Leerung hatte man verstärkt mit größeren, dann aber auch teureren Tonnen gerechnet. Das ist nicht eingetroffen. Stattdessen wird offenbar versucht, mit dem nun halbierten Volumen auszukommen.

ie Biomüllmenge pro Einwohner sank um rund zehn Prozent. Es ist ein Rätsel, wo der Abfall ist. Jedenfalls nicht im Restmüll, so Dombusch. Denn da seien die Mengen nicht gestiegen. Grund könnte eine „saisonale Schwankung“ wegen trockenen Wetters sein. Etwas mehr Grün-Anlieferungen verzeichneten die Recyclinghöfe. Die Zahl der Leerungen sank logischerweise von zwei auf eine Million.

Sperrmüll: 15 Euro Gebühr – da spart sich mancher die Anmeldung eines Termins wegen ein paar Kleinigkeiten. Die Zahl der Abholungen sank wie gewollt von 8000 auf 2000, die abgeholte Menge pro angefahrener Stelle stieg von durchschnittlich 79 auf 117 Kilo. Auch hier: etwas mehr Zulauf auf den Recyclinghöfen, aber fünf Kilo pro Einwohner und Jahr „fehlen“ im Vergleich zu vorher. Manch einer „sammle“ wohl erstmal.

Aber auch das wilde Verklappen von Sperrmüll nahm deutlich zu: von rund 1000 auf 1400 Fälle. Das, so Stadtbetriebsgeschäftsführer Thomas Thalau, sei „fürs Stadtbild nicht schön“. Wirtschaftlich gesehen frisst das die erzielten Einsparungs- und Einnahmeeffekte nicht auf. Es soll nun nochmal verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, einige „Brennpunkte“ habe man überdies stärker ins Blickfeld genommen.

Schwarze Säcke: Sie kosteten vormals drei und nun sieben Euro. Manch einer nutzte sie, um mit einer kleineren, billigeren Tonne auszukommen. Nach „Hamsterkäufen“ Ende vergangenen Jahres mit 14 000 Exemplaren ist die Verkaufszahl ab Januar drastisch eingebrochen und liegt nun bei 2000 pro Monat. Vorher waren es im Schnitt um die 8000.

Diskussionspunkte: Dazu gehört die Idee, die Biotonne im Sommer wöchentlich und sonst zweiwöchentlich zu leeren. Das würde aber laut Dombusch fast eine Million Euro zusätzlich kosten. Eine Gesundheitsgefährdung gebe es indes auch im Sommer nicht, wie alle Studien bisher gezeigt hätten. Mehr gehe es um die „Ästhetik“ etwa beim Thema Maden oder Gestank.

Hierüber und über andere Stellschrauben wird die Politik noch einmal beraten, die im Übrigen erleichtert ist, sich mit den Änderungen nicht „völlig verhauen“ zu haben, wie es hieß. „Es ist das, was wir erwartet haben“, so Ausschussvorsitzender Michael Servos (SPD). Ferdinand Corsten (CDU) meinte: „Wir haben offenbar ein System gefunden, das gut ist und das funktioniert.“

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