Aachen - Die große Gaukler-Familie trifft sich

Die große Gaukler-Familie trifft sich

Von: Amien Idries
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Aachen. Holli Radke kommt kaum dazu, seinen Stand für den Beginn des Historischen Jahrmarktes in Kornelimünster herzurichten. Immer wieder wird er beim Sortieren seiner Ledergürtel unterbrochen, weil ein anderer Händler „Hallo” sagen will oder ihn auf ein Bierchen einlädt.

Der Jahrmarkt ist nämlich jedes Jahr auch eine Art Familientreffen. Zahlreiche der 200 Aussteller kennen sich schon lange und bilden für die Dauer des Marktes eine Ersatzfamilie. So wie Holli Radke (56) und Norbert Schulte (54).

Radke nennt sich den „weltbesten Gürtelmacher” und verkauft seine Gürtel seit zehn Jahren in Kornelimünster. „Ich bin seit 35 Jahren im Geschäft und 42 Wochenenden im Jahr unterwegs”, gibt der Niedersachse Einblick in seine Gauklerseele. Der Markt hier sei wegen der tollen Kulisse und der guten Auswahl der Aussteller etwas Besonderes.

„Wir mögen uns”

Schräg gegenüber von Radkes Lederwerkstatt befindet sich - nicht zum ersten Mal - Norbert Schultes „Stand” - der nur aus einem Klavier und einem Kerzenleuchter besteht. Mit seinen melodischen Improvisationen trägt Schulte bereits seit sechs Jahren zur gelungenen Atmosphäre des Jahrmarktes bei. „Der Veranstalter des Jahrmarktes hat mich in Köln bei einem Auftritt gesehen und vom Fleck weg engagiert.”

Und so werden der drahtige Handwerker und der feingeistige Pianist für die kommenden fünf Tage eine Art Schicksalsgemeinschaft bilden. Schulte wird den Ledergeruch von gegenüber in der Nase haben. Und Radke die Musik des Pianisten in den Ohren. „Zum Glück mögen wir uns”, gibt Radke zu Protokoll und Schulte nickt. Wer den Historischen Jahrmarkt am gestrigen Eröffnungstag besuchte, konnte viele dieser Wiedersehensgeschichten erleben. Der Zauberer grüßte den Karussellbetreiber, und der Feuerschlucker plauschte mit dem Leierkastenmann.

Aber nicht nur die Aussteller ließen es in den ersten Stunden des Marktes etwas gemächlicher angehen. Auch einige Besucher nutzten die Tatsache, dass der große Besucherandrang erst am späteren Nachmittag einsetzte. „Wir fahren schon seit Jahren auf den Markt und suchen uns dazu gerne die ersten Stunden des Eröffnungstags aus”, berichtete ein Besucher aus Aachen, der samt Ehefrau den Markt besuchte. So könne man die fantastische Kulisse und das vielfältige Angebot besser genießen.

Und dieses Angebot kann sich wirklich sehen lassen. Bei schönem Wetter spaziert man rund um die Abtei und entdeckt an jedem Stand eine neue Welt. Fein bearbeitete Silberreifen, leckeres, nach mittelalterlichem Rezept gebackenes Brot oder auch Felle von Elchen. Es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt.

Ganz zum Schluss des Rundgangs präsentiert der Pianist Schulte noch schnell seinen Gürtel und nickt zum Ledermann Radke hinüber: „Den hat er gemacht.”

Der Historische Jahrmarkt in Kornelimünster findet noch bis zum 6. Juni statt. Geöffnet ist er am Fronleichnamstag sowie am Wochenende von 11 bis 22 Uhr. Am Freitag öffnet der Markt erst um 14 Uhr. Die Veranstalter empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
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