Aachen - Die Grabeskirche aus ihren Gittern befreit

Die Grabeskirche aus ihren Gittern befreit

Von: Sarah Sillius
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Eine Kirche, gefangen in unzähligen Metallstäben: Ende des Jahres wird St. Josef endlich keine Baustelle mehr sein. Bis dahin ist noch einiges zu tun: Die Gerüste müssen abgebaut und die Kirche muss gesäubert werden. Deshalb wird die Kirche fast einen Monat geschlossen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Ein Gefühl wie Weihnachten”, schwärmt Edith Bircken, während sie im Chorraum der Grabeskirche St. Josef steht und sich umblickt. „Ich wusste schon gar nicht mehr, wie die Kirche ohne Gerüste aussieht. Zum ersten Mal sehe ich die Fenster wieder”, sagt die Geschäftsführerin von St. Josef.

Der fast freigeräumte Chorraum gibt einen Vorgeschmack auf das, was Anfang des neuen Jahres bevorsteht. Dann nämlich sollen alle Gerüste und Spanplatten aus der Kirche verschwunden sein.

Die ehemalige Pfarrkirche St. Josef wurde Allerheiligen 2006 als Urnenbeisetzungskirche eröffnet. Im Mai 2009 wurde mit den Sanierungsmaßnahmen am Gewölbe begonnen.

Fresken freigelegt

Die Decke des Chorraumes ist inzwischen fertig bemalt und hat ihr altes Muster, eine rote Kachel-Imitiation, wieder. Die Salzausblühungen wurden vorher weggeschlagen. Auch Teilstücke alter Fresken sind ans Licht getreten. „Die hat der Maler wie Sichtfenster freigelegt”, erklärt Bircken und macht sich auf den Weg in Richtung Hauptportal der Kirche. Dieses wird zurzeit von einem riesigen Container verdeckt, der mit Gerüstmaterial vollgeladen ist. Als Ersatz führt ein provisorischer Eingang, umhüllt von Spanplatten, in das Kirchenschiff hinein. An den Seitenwänden des Eingangs dokumentieren Fotos die Entwicklung und Sanierung der Grabeskirche, die nach wie vor das Wahrzeichen des Aachener Ostviertels ist.

Beschlossen wurde die Sanierungsmaßnahme im Januar 2008, als sich Teile des Putzes ablösten. Ihren Ursprung haben die Schäden im Zweiten Weltkrieg. Weil nach der Zerstörung kein Geld für ein neues Dach vorhanden war, wurden die Bimsgewölbe mit einer dicken Zementschicht überzogen. Die Schicht zerrieb den Bimsstein, Wasser und Frost drangen ein, Salz lagerte sich unterhalb des Gewölbes ab.

Bei der Sanierung wurde die Zementschicht abgetragen, ein Teil des Bimses abgesaugt und der Rest mit einer Lösung getränkt, die die Kalkstruktur stärkt. Zum Schluss wurde Kalkmörtel aufgetragen.

Immer noch haben Maler und Gerüstebauer in der Grabeskirche alle Hände voll zu tun. Denn jetzt geht es in die heiße Schlussphase: Es wird abgebaut, aufgeräumt, letzte Malereien werden vollendet. „Es war eine glatte Baumaßnahme, es ist nichts Unvorhergesehenes passiert”, blickt Bircken mit Zufriedenheit zurück. „Wir sind zum Glück auch im Kostenrahmen geblieben.” Die Kosten belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Davon steuert der Bund 800.000 bei, das Land 250.000 und das Bistum 200.000. Der Rest wird durch Eigenmittel und Spenden finanziert.

Auch wenn es die alten Gemäuer verdeckt, ist das Labyrinth aus Gerüsten, Spanplatten, Stützen, Treppen und Stegen im Kirchenschiff beeindruckend. „Es wurden zwei Plateaus gebaut, damit nichts herunterkommen kann und die Stelen geschützt sind.” Die Gerüste wurden um die kapellenartige Räume, in denen die Grabsäulen angeordnet sind, herum gebaut. So konnten die Besucher weiterhin die Verstorbenen besuchen. Das war Bircken wichtig.

Sie ist froh, dass die betroffenen Menschen so viel Verständnis für die Umbaumaßnahmen aufgebracht haben. „Ich möchte den Angehörigen mein Kompliment aussprechen, dass sie soviel Geduld hatten und die Arbeiten mitgetragen haben.”

Im Zuge der letzten Arbeitsschritte werden auch weitere Stelen aufgestellt. 2200 Urnen soll die Grabeskirche dann beheimaten. Bislang wurden 450 beigesetzt und 1100 Plätze verkauft.

Anfang 2011 soll endlich wieder Ruhe in die Grabeskirche einkehren - für die Toten, ihre Angehörigen und auch für Edith Bircken. Schon jetzt denkt sie mit Freude an die Wiedereröffnung.

Am Samstag und nach Allerheiligen geschlossen

Die Kirche ist am Samstag geschlossen. Wegen Allerheiligen wird sie am Sonntag, 31. Oktober, und Montag, 1. November, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Von Dienstag, 2. November, bis einschließlich Freitag, 3. Dezember, bleibt die Grabeskirche geschlossen. Auch das Requiem am Dienstag, 2. November, fällt aus.

Nach der Beendigung aller Arbeiten soll es einen feierlichen „Wiedereröffnungs-Gottesdienst” geben. Die Kirchengemeinde St. Josef kann weiterhin Spenden gebrauchen. Erreichbar ist Geschäftsführerin Edith Bircken unter 0241/501040
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