Die GHS Drimborn öffnet ihre Türen in alle Richtungen

Von: Thorsten Karbach
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Ein Fingerzeig: „Die soziale Stimmung in der Klasse ist unheimlich gut, sagen die Verantwortlichen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. In der Klasse von Cornelia Masseck wird Integration gelebt. Denn in der 5a der Hauptschule Drimborn sitzen sechs Kinder mit einer Behinderung. Und 16 ohne. Doch wer den Unterricht verfolgt, der muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, welches Kind ein Handicap hat und welches nicht.

Das geht im Miteinander und gemeinsamen Lernen nämlich vollkommen unter. Und das macht Rektorin Annett Koch-Thoma und Konrektor Michael Geurtz so stolz. „Das ist gelebte Integration”, sagt Koch-Thoma.

Schule muss sich verändern, und an der Hauptschule Drimborn verändert sich Schule seit vielen Jahren. Mit der Integrationsklasse hat die GHS einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Bislang werden Kinder mit und ohne Behinderung in dieser Form nur an Gesamtschulen unterrichtet. Die GHS Drimborn ist Aachens einzige Nicht-Gesamtschule mit diesem Angebot.

Und die 5a die erste Klasse. Dort erarbeiten Lehrerin Masseck und Sonderpädagogin Sabrina Staack mit den Kinder Argumentationen. Die Kinder schreiben auf, was gegen Handys spricht - alle gemeinsam. Lehrerin und Sonderpädagogin arbeiten Hand in Hand. Und weil ein autistisches Kind mit Begleitperson kommt, gibt es gleich drei engagierte Förderer für die Kinder, die gerade notieren, dass Handys teuer sind.

Argumente für die Integrationsklasse könnten Rektorin und Konrektor Dutzende nennen. Sie nennen aber erst einmal ein ganz wichtiges: „Die soziale Stimmung in der Klasse ist unheimlich gut.” Sonst bräuchten Klassen wesentlich länger, um dieses Miteinander zu entwickeln. Und auch in der Schule ist die 5a längst etabliert - oder ihre besondere Konstellation vergessen. Das „Wer ist wer?” ist unter den 500 GHS-Kindern überhaupt kein Thema. Und auch die Fachlehrer wollen nicht wissen, welches Kind eine Behinderung hat und welches nicht. „Die 5a ist eine Klasse wie jede andere”, sagt Koch-Thoma.

Pause. Die Türen öffnen sich, und die Schüler stürmen auf den Pausenhof. Die offene Türe ist in diesem Moment auch ein Symbol. „Wir müssen uns in alle Richtungen öffnen”, sagt Annett Koch-Thoma - etwa in Sachen Berufswahlvorbereitung und Lebensplanung. Die Schulleitung ist immer auf die Suche nach Partnern aus der Wirtschaft gegangen, es gibt Partnerschaften - die jüngste mit dem Seniorenheim Haus Margarete.

„Viele, die nach hier kommen, haben keine Perspektive. Aber wenn sie hier rausgehen, müssen sie eine haben”, sagt Koch-Thoma. „Jeder Schüler soll ein Berufsangebot oder ein weiteres schulisches Angebot haben, wenn er die Schule mit einem Abschluss verlässt.”

Wenn dennoch über die Qualität von Hauptschulen diskutiert werde, dann können Rektorin und Konrektor nur mit dem Kopf schütteln. Aber was sollen sie machen? „Wichtig ist, was hier in der Schule passiert”, sagt Geurtz. Und dort passiere eine Menge. Die Vorbereitungen für die nächste Integrationsklasse laufen. Aus dem Pilotprojekt soll eine feste Einrichtung werden. Zum nächsten Schuljahr werden acht weitere Kinder mit Behinderung die GHS besuchen. Und das Interesse ist jetzt schon weit höher. Auch für die weiteren Plätze in der Integrationsklasse. Die gelebte Integration bekommt viele neue Gesichter.
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