Die Gesellschaft muss vermitteln: Lesen ist „in”

Von: Matthias Hinrichs
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Ein poetisches Pfund, mit dem sich redlich wuchern lässt: Als Vorsitzender der Walter-Hasenclever-Gesellschaft rückt Professor Dr. Jürgen Egyptien die Heimatstadt des Dichters maßgeblich mit ins Licht der Öffentlichkeit. Die Einrichtung eines „Literaturhauses” hält er für wünschenswert und machbar. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Mit einem der bundesweit höchst dotierten Literaturpreise hat die Walter-Hasenclever-Gesellschaft (WHG) nicht nur einem großen Aachener Poeten (1890-1940) zu neuem Ruhm verholfen, sondern auch dessen Heimatstadt ins Licht gerückt.

Namhafte Schriftsteller wie Christoph Hein, Peter Rühmkorf oder Herta Müller sind in den vergangenen Jahren mit dem Walter-Hasenclever-Preis geehrt worden.

Welchen Stellenwert aber hat die Literatur, wenn es darum geht, ein neues „Leitprofil Kultur” für Aachen zu entwickeln? Dazu wird der Aachener Germanist, RWTH-Professor und Vorsitzender der WHG, Dr. Jürgen Egyptien, auch beim Bürgerforum am Montag Stellung beziehen. Denn: „Man kann Lese- und Literaturförderung nicht quasi an Institutionen delegieren”, betont er vorab.

Bei den Fachforen zum „Leitprofil” wurde häufig die Kritik geäußert, die Aachener seien „Weltmeister im Zerreden” und „Solosuppenkochen”...

Egyptien: Ob mehr als andernorts „zerredet” wird, kann ich nicht beurteilen. Es ist sicher denkbar, das Engagement mehrerer Veranstalter häufiger synenergetisch zu nutzen. Dazu gibt es im Bereich der Literatur Erfolg versprechende Schritte wie das Projekt „Aachen liest”. Richtig ist, dass es immer wieder zu Terminkollisionen kommt. Allerdings denke ich, dass bei Großveranstaltungen der Kulturbetrieb inzwischen dafür Sorge trägt, dass sich nichts überschneidet. Eine Art Koordinationsstelle wäre wünschenswert, aber ich glaube, der praktische Aufwand ist einfach zu groß. Immerhin kann man den Effekt auch positiv als Zeichen für den kulturellen Reichtum werten.

Es gibt Projekte wie „Aachen liest”, die Leselust am Lousberg, die Kinder- und Jugendliteraturtage. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf in Sachen Lese- und Literaturförderung?

Egyptien: Lese- und Literaturförderung kann man nicht quasi an Institutionen delegieren, sondern höchstens von öffentlicher Seite her unterstützen. Wenn das gesellschaftliche Klima den Menschen nicht vermittelt: „Lesen ist in” und wenn keine persönliche Überzeugung dahinter steht, nutzen auch die schönsten Bücherspenden oder ähnliches nichts. Insofern ist Lese- und Literaturförderung an allen Orten und jederzeit die praktische Konsequenz eines Bewusstseins von der Notwendigkeit geistig-kultureller Bildung. Und die wird für die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidend sein.

Als „Vision” ist ein „Literaturhaus” ins Gespräch gebracht worden. Glauben Sie, dass ein solches Projekt mittelfristig umsetzbar ist?

Egyptien: Wenn der politische Wille da ist, ist das natürlich umsetzbar. Ich hielte das für wünschenswert, wobei zu prüfen wäre, ob einem solchen Literaturhaus ein euregionaler Akzent verliehen werden könnte, der es mit einer eigenen Note versieht.

Immer wieder wird über Kooperationsmöglichkeiten gesprochen. Wie kann sich die WHG da noch besser engagieren?

Egyptien: Wir haben im vergangenen Jahr zum Beispiel eine Veranstaltung im Rahmenprogramm der Max Klinger-Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum organisiert, weil Klinger und Hasenclever viele Berührungspunkte besitzen. Wo immer Brückenschläge in andere Sparten möglich und sinnvoll erscheinen, wird die WHG solche Gelegenheiten zu nutzen versuchen. Zunächst sollte Literaturförderung natürlich Literatur fördern; sicher gibt es Möglichkeiten, einzelne oder intermediale Veranstaltungen in ein übergreifendes Konzept (Richtung „Bild-Ton-Schrift-Festival”) zu integrieren.

Wer wird nächster Preisträger?

Egyptien: Über Namen will ich jetzt nicht spekulieren. Aber ich bin überzeugt, dass jemand gekürt wird, der der „Aachen liest”-Reihe 2010 Glanz verleiht.
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