Die Gegenwart trifft auf Gedenken

Von: Katharina Menne
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Stilles Gedenken: Auf dem Waldfriedhof fand eine Kranzniederlegung statt, an der unter anderem Städteregionsrat Helmut Etschenberg und OB Marcel Philipp teilnahmen. Foto. Andreas Schmitter

Aachen. Die Andacht zum Volkstrauertag in der Aachener Aula Carolina sollte eigentlich ganz im Zeichen des Friedens stehen. Nach den Anschlägen von Paris in der Nacht von Freitag auf Samstag sah sich Städteregionsrat Helmut Etschenberg jedoch gezwungen, seine Gedenkrede kurzfristig umzuschreiben.

„Dies ist kein Volkstrauertag wie in den Jahren zuvor“, sagte er direkt zu Beginn. „Der Anschlag von Paris war auch ein Anschlag auf unsere Freiheit und Demokratie. Der Syrienkrieg ist in voller Wucht bei uns in Europa angekommen.“

Jedes Jahr am Volkstrauertag gedenkt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) der gefallenen Soldaten und Kriegstoten der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts. Seit 1919 pflegt der VDK insgesamt 2,4 Millionen Kriegsgräber in 45 europäischen Ländern. In Aachen fanden neben der zentralen Gedenkstunde in der Aula Carolina mit anschließender Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof auch in den Stadtbezirken Brand, Eilendorf, Laurensberg und Richterich Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt.

Die feierliche Andacht wurde musikalisch begleitet vom Orchester des St. Ursula Gymnasiums und den Tempelsingers. Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Karl-Gymnasiums beteiligten sich mit den Wortbeiträgen „Gedanken zum Volkstrauertag“ und „Krieg und Frieden“. Sie brachten dabei zum Ausdruck, dass Krieg für die junge Generation ein abstrakter Begriff ist, den man zwar „aus der Zeitung und aus dem Fernsehen kennt“, der aber glücklicherweise in den letzten 70 Jahren in Europa keine große Rolle spielte. Gedenken heiße deshalb, „aus dem Vergangenen zu lernen und den Mut aufzubringen, es nie wieder zuzulassen“.

Welche Bedeutung diese Worte haben, wird einem angesichts der aktuellen Situation so schlagartig bewusst, wie lange nicht mehr. Europa sei durch die Anschläge näher herangerückt an die Krisenherde, so Etschenberg, nun müssten wir noch nachdrücklicher für Freiheit und Frieden eintreten. Und weiter: Wir sollten uns bewusst machen, dass die syrischen Flüchtlinge, die zurzeit in Europa Zuflucht suchen, vor denen fliehen, die das Blutbad von Paris angerichtet haben. Es sei insbesondere auch deshalb die Verantwortung der Gesellschaft, sie menschenwürdig aufzunehmen und ihnen zu helfen.

Dies betonte auch Weihbischof Karl Reger in seinem Gebet, indem er den „Gott des Lebens und des Friedens“ darum bat, „uns zu Menschen zu machen, die Frieden in die Welt bringen“ und „uns den Mut zu geben, uns für Vertriebene und Unterdrückte einzusetzen“.

Abschließend formulierte Etschenberg seine Überzeugung, dass die europäische Demokratie stärker sei, als die Waffen der Terroristen und den Wunsch, dass der Frieden in Europa nicht nur erhalten bleibe, sondern dass er auch in anderen Ländern möglich werde. Und so schloss er die Gedenkstunde mit den Worten: „Lassen Sie uns mit Kampfeslust unsere Demokratie verteidigen und für unsere Werte einstehen.“

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