Die ganze Wahrheit über Karl: Oder auch nicht

Von: Julia Gröbbels
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So verschieden kann „die ganze Wahrheit“ über Karl den Großen aussehen:: Fabienne Loodts (links) und Saskia Petermann präsentieren ein völlig anderes Buch über den Kaiser. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Karl der Heilige? Karl der Heldenhafte? Karl der Heitere? Man könnte meinen, zu diesem Thema sei – zumal im Karlsjahr – nun wirklich alles gesagt. Fabienne Loodts und Saskia Petermann vom „wesentlich-Verlag“ zeigen mit ihrem durchgehend und aufwendig illustrierten Buch „Karl der Große – Die ganze Wahrheit“ jedoch, dass es durchaus möglich ist, das Thema aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.

„Der Untertitel unseres Buches ist ironisch gemeint. Unser Buch soll zeigen, dass es eben nicht die eine Wahrheit über Karl den Großen gibt“, so die Autorin und Grafikerin Saskia Petermann aus Aachen. Und genau da setzt das illustrierte Buch an. Es widersteht der Versuchung, die lückenhaften, widersprüchlichen und von unterschiedlichsten Interessen verzerrten historischen Quellen zu einer durchgängigen Geschichte zurechtzubiegen.

„Wir stellen die verschiedenen, teils widersprüchlichen Darstellungen Karls des Großen dar, ohne uns auf eine Sichtweise festzulegen“, sagt Petermann. So tauchen im Buch zum Beispiel vier verschiedene Versionen der Kaiserkrönung auf und auch Themen wie Sexualität und Gewalt im Mittelalter werden sowohl in Worten, als auch in Bildern geschildert. „Auf diese Weise möchten wir jeden Leser dazu einladen, sich selbst sein eigenes Karlsbild zu machen“, sagt sie.

Da Autorin Petermann wie auch Illustratorin Loodts nach eigenen Angaben selbst im Vorfeld „nicht viel über Karl wussten“, haben sie einen der führenden Mittelalter-Experten Deutschlands, Max Kerner von der RWTH, zu Rate gezogen, der ihnen bei der Recherche beratend und unterstützend zur Seite gestanden hat. „So haben wir nicht nur viel über Karl den Großen, sondern auch über die Methoden des historischen Forschens erfahren“, so Petermann. Auch Kerner selbst freut sich über das jüngst erschienene Buch und mahnt zur Vorsicht.

„Es darf nicht passieren, dass Kultur zu einer Altenbespaßung wird“, sagt er und meint damit, dass es bei historischer Literatur eben auch darauf ankäme, dass sie nicht nur einem kleinen, elitären Kreis der Bevölkerung zugänglich ist, sondern beispielsweise auch junge Menschen erreicht. Dies sei den beiden jungen Frauen durch die Art und Weise der Umsetzung durchaus gelungen, so Kerner.

Durch das Zusammensetzen von gezeichneten Graphic-Novel-Passagen, Kurztexten, Zitaten und Infografiken hat das Buch das Potenzial, Jugendliche und Erwachsene zu fesseln und gleichzeitig historische Fakten zu vermitteln. Das haben auch die Verantwortlichen der Route Charlemagne entdeckt, die das in insgesamt drei Sprachen erschienene Buch gezielt an Touristen und Schulklassen weiterempfehlen wollen.

„Das Buch stellt in vielerlei Hinsicht eine sinnliche Erfahrung dar und ist somit Zeichen für einen Methodenwechsel in der Aufbereitung historischer Themen“, so die Museumspädagogin der Route Charlemagne, Pia vom Dorp.

Das Buch „Karl der Große – Die ganze Wahrheit“ ist zu einem Preis von 24,90 Euro in allen Aachener Buchhandlungen erhältlich.

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