Die Fleddermäuse machen den Abflug

Von: Matthias Hinrichs
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„Schluss mit lustig!“: Diesmal meinen es die Fleddermäuse ernst. Bei der Premiere ihres gleichnamigen letzten Programms am 19. November dürfte so oder so kein Auge trocken bleiben. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nehmen wir uns ein Beispiel an den wahren Vettern der einzigen Wirbeltiere, denen es bislang gelungen ist, der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen und noch jede heikle Hemmschwelle flugs zu umkurven. Sagen wir‘s einfach geradeheraus: Die „Fleddermäuse“ machen die große Flatter. Kein Witz diesmal.

 Immer noch keine Peilung aufgenommen? Also nochmal, frei nach dem bühnenreifen Bonmot aus der Gag-Werkstatt des quirligen Quassler-Quintetts – man kann heutzutage gar nicht so dumm denken, wie es dann kommt: Die „Fleddermäuse“ hören auf!

So. Das war die schlechte Nachricht für abertausende Fans der gepflegten satirischen Höhenflüge mit absolutem, jawohl: Kultstatus (der reichlich zerfledderte Begriff lässt sich hier schlechterdings nicht vom redaktionellen Radar verbannen).

Jetzt die gute Nachricht. „Schluss mit lustig!“ sagen die Kabarett-Kanoniere Ursula Wawroschek, Bettina Groos, Michèle und Wolfgang Offermann, Jürgen Fleuster und Manfred Hammers natürlich nicht, ohne im gleichnamigen finalen Programm noch einmal die heftigsten Lachsalven zu fabrizieren. Mehr oder minder politisch gepfeffertes Pulver haben die Fünf in den vergangenen 38 Jahren ja nun allemal gehortet.

Wieder richtig gelesen: Man schrieb das Jahr 1978, als ein ziemlich friedensbewegtes Grüppchen sich anschickte, die ersten protestantischen Pfarrfeste mit frechen Sprüchen aufzumischen. „Damals nannten wir uns noch ,Die Kirchenwühlmäuse‘, in Anlehnung an die Berliner Wühlmäuse“, erzählt Manfred Hammers. Spätestens drei Jahre darauf kam das junge Ensemble selbst ziemlich groß raus. „Als wir auf dem Kirchentag 1981 in Hamburg zum ersten Mal vor tausenden Leuten aufgetreten sind, haben wir richtig Blut geleckt“, erinnert sich Hammers.

Triumphe bei „Gaudimax“

Apropos Blut: Kurz darauf mutierte die (sa)ti(e)risch bissige Truppe sozusagen zur schrägen Familie der verbalen Vampire. Die „Fleddermäuse“ waren geboren, und sie machten vor keinem Tabu mehr Halt, um mit politischer Unkorrektheit und funkelnder Angriffslust frischen Wind in die Hirnwindungen einer stetig wachsenden Anhängerschar zu pusten.

„Anfang der Achtziger war die Kabarett-Szene in Aachen ja sehr umtriebig“, erzählt Offermann. Die Fleddermäuse peilten schnell die geräumigsten Säle der Stadt an, feierten die ersten Triumphe vor allem beim „Gaudimax“-Spektakel im größten Hörsaal der Hochschule und eroberten alsbald die Bühnen der ganzen Republik. Als letztere nach dem Mauerfall beträchtlich gewachsen war, entschlossen sie sich, nach einer Tournee durch „Neufünfland“ ihrerseits ein wenig kürzer zu treten – rein geografisch, versteht sich.

Das Audimax mit seinen rund 1000 Sitzplätzen füllten sie seither weiter regelmäßig im Handumdrehen. Die Tickets für ihre Auftritte an der Wüllnerstraße sind flotter vergriffen, als mancher Lachmuskel zucken kann. Kein Wunder also: „Der Entschluss aufzuhören, ist uns wahrhaftig nicht leichtgefallen“, sagt Michèle Offermann.

Am Ende sei der enorme Aufwand im monatelangen Probe-Anlauf Richtung Bühnenbretter einfach nicht mehr zu stemmen gewesen. „Und wir haben uns gedacht: Besser, die Leute freuen sich noch einmal nach dem Motto: ,Wow, da kommen sie wieder!‘, als dass sie irgendwann sagen: ,Och härrem, die schon wieder . . .‘“

So viel Koketterie darf wohl sein, bevor‘s am 19. November, natürlich um 20 Uhr, natürlich im Audimax, Wüllnerstraße, heißt: „Schluss mit lustig!“ Fast jedenfalls. Mindestens zwei heftige Nachschläge servieren die Fleddermäuse auf jeden Fall. Vielleicht noch ein paar mehr. Dann aber müssen die Fans sich an die schwierige Einsicht gewöhnen, welche die Gag-Garanten vom Dienst mal so formuliert haben: Auch in Zukunft wird eben früher alles besser gewesen sein.

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