Die FDP und der Hartz-IV-Schnorrer

Von: Albrecht Peltzer
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Aufräumen nach dem Einbruch im FDP-Fraktionsbüro (v.l.n.r.): Ratsfrau Gretel Opitz, Ratsfrau Sigrid Moselage, Fraktionssekretärin Dorethea Jungbluth und Ratsherr Daniel George. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Aachener Kriminalpolizei fahndet jetzt ganz offiziell nach einem „Hartz-IV-Schnorrer”. Nicht, dass sich die Beamten in die öffentliche Diskussion um FDP-Chef Guido Westerwelle und seine nicht unumstrittenen Äußerungen zum Sozialstaat einschalten wollen.

Aber mit den Liberalen hat der Fall schon zu tun, und mit Hartz IV irgendwie auch...

Der Dienstagmorgen. Eigentlich sollte zu dieser frühen Stunde Kistenpacken in der FDP-Fraktionsgeschäftstelle am Katschhof angesagt sein. Doch der Zutritt zu den Büros wird den Liberalen zunächst verwehrt. Die Spurensicherung der Kripo ist unterwegs, alarmiert vom Hausmeister. Der hat beim Austragen der Post entdeckt, dass in die Fraktionsgeschäftsstelle der FDP eingebrochen worden ist.

Der oder die Täter hatten offensichtlich relativ leichtes Spiel. Das Verwaltungsgebäude - das zum „Centre Charlemagne”, dem Ausgangspunkt des stadtgeschichtlichen Rundgangs „Route Charlemagne” - umgebaut wird, ist eingerüstet. Von der Ritter-Chorus-Straße aus sind die Fraktionsgebäude im ersten Stock quasi zu Fuß gut zu erreichen. Das Fenster ist schnell aufgehebelt, der Zugang frei. Der Drucker auf der Fensterbank ist kein wirkliches Hindernis für den oder die Einbrecher.

Am Mittwoch will die FDP-Fraktion in ihr Übergangsdomizil an der Habsburgerallee umziehen, also waren am Dienstag schon die meisten Kisten gepackt, alles fein säuberlich eingetütet und beschriftet, um den reibungsvollen Übergang vom einen ins nächste Büro zu gewährleisten. Von Ordnung kann aber am Dienstag keine Rede mehr sein. Alle Roll-Container sind durchwühlt, Kisten ausgeleert. „Das absolute Chaos”, berichtet Fraktionsgeschäftsführerin Sigrid Moselage. „Was für eine böse Überraschung am frühen Morgen.”

„Dank” der Umzugs-Ordnung finden sich der oder die Täter schnell vor Ort zurecht. Die Kartons mit Laptop und Beamer sind deutlich beschriftet und wechseln den Besitzer, verschwunden sind auch Briefmarken und die Fraktionskasse. Die allerdings ist mit rund 30 Euro zum Tatzeitpunkt eher spärlich bestückt. Andere Wertgegenstände, wie ein teurer Füller und eine nagelneue Computertastatur bleiben laut Moselage liegen.

Und was hat das Ganze jetzt mit Westerwelle und der Diskussion um Sozialleistungen zu tun? Die FDP vermutet schon, dass es einen Zusammenhang gibt. Am Abend vor der Tat tagte die Partei im Eurogress, um einen neuen Vorstand zu wählen. Und im Briefkasten vor dem Fraktionsbüro fand man Dienstagmorgen eine Zettel mit unmissverständlicher Botschaft: „Schöne Grüße vom Hartz-IV-Schnorrer”, stand da in großen Lettern. Sigrid Moselage: „Das macht einen schon nachdenklich.”

Nach dem ersten Schreck machen sich die Liberalen dann am Mittag mit vereinten Kräften doch noch an die Umzugsvorbereitungen. Es geht zur Habsburgerallee, wieder in den ersten Stock. Über den dortigen Penny-Markt. Dass manch einer über Letzteres Scherze anstellt, finden die Liberalen übrigens nicht besonders komisch.
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