Aachen - Die europäische Geschichte in all ihrer Vielfalt

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Die europäische Geschichte in all ihrer Vielfalt

Von: Carolin Kruff
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Mehr Europa wagen: Das vom Aachener Politikprofessor Winfried Böttcher präsentierte Buch „Klassiker des europäische Denkens“ entwirft ein vielschichtiges Bild des Kontinents. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der aktuelle Ukraine-Konflikt, das anstehende Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands und die verheerenden Folgen der Wirtschaftskrise – in Europa ist eigentlich immer etwas los. Krisen, aber auch positive Errungenschaften und vor allem die Friedensidee sind bezeichnend für den Kontinent.

2012 wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – diese Nachricht ging um die Welt. Dennoch polarisiert Europa wie kaum ein anderer Kontinent.

„Zum Scheitern verurteil“ behaupten Europaskeptiker, „eine beispiellose Erfolgesgeschichte“ entgegnen Europabefürworter. Zu Letzteren zählt sich der Aachener Politikwissenschaftler Professor Winfried Böttcher, der nun ein Buch herausgegeben hat, das eine Zeitreise durch 700 Jahre europäische Kulturgeschichte unternimmt. In den Aufsätzen, die von namhaften Autoren aus Wissenschaft und Politik verfasst wurden, stehen vor allem die Menschen im Fokus, die Europa prägten.

So versteht sich auch der Titel des Werks: Klassiker des europäischen Denkens. Angefangen bei Pierre Dubois, der 1306 einen ersten vollständigen Europaplan vorlegte, über Thomas Hobbes, Victor Hugo, Rosa Luxemburg bis hin zu Konrad Adenauer, Papst Johannes Paul II. und Václav Havel. Mehr als 100 herausragende Persönlichkeiten – mal bekannt, mal weniger bekannt – versammeln sich in dem Konvolut, darunter immerhin 16 Karlspreisträger. Kanon, Lexikon oder Grundlagenwerk – bei der offiziellen Buchpräsentation, die von der „Stiftung Internationaler Karlspreis“ und vom „Institut für Politische Wissenschaft“ der RWTH Aachen in der Domsingschule nun organisiert wurde, fielen unterschiedliche Bezeichnungen für das 781 Seiten umfassende Werk.

Das abschließende Kapitel „Europa – quo vadis?“ lässt jedoch mehr vermuten: Es soll nicht beim Nachschlagewerk bleiben, Denkanstöße für die Zukunft gibt es gleich mit dazu. Denn Europa ist und bleibt eine Aufgabe – das wird momentan wieder deutlich. „In der heutigen Zeit, die an Vorkriegszeiten erinnert, brauchen wir eine Überwindung der Polarisierung zwischen Russland und dem Westen. Wir müssen von den gegenseitigen Vorwürfen zu einem Dialog der Übereinstimmung kommen“, mit diesen Worten sprach Böttcher bei der Vorstellung vielen Gästen aus der Seele. Unter den vielen Zuhörern befanden sich auch einige der Autoren wie Dr. Jürgen Linden und Professor Max Kerner, die sich im Laufe des Abends den Fragen aus dem Publikum stellten.

Zudem konnte Böttcher mit dem niederländischen Politiker René van der Linden, ein ausgewiesener Experte der internationalen Politik, einen besonderen Gast präsentieren, der die Anthologie auf eindrucksvolle Weise vorstellte und zu aktuellen europäischen Themen Stellung bezog. „Sie haben uns ein Meisterwerk vorgelegt“, lobte van der Linden und machte keinen Hehl daraus, dass der eine oder andere Aufsatz ihm durchaus die Augen geöffnet hat. „Europa hat mit einer gemeinsamen Handelspolitik, dem Ausbau des Binnenmarktes und der gemeinsamen Währung schon viel erreicht. Jedoch gibt es noch viel zu tun.“ Van der Linden appellierte vor allem an den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl: „Auch in Europa gilt: Es gibt nicht die Good Guys and die Bad Guys.“

Wie bereits Böttcher in seiner Begrüßung forderte er aus aktuellem Anlass den Dialog mit Russland, aber auch mit der Türkei als Tor zum Nahen Osten. „Die Länder der EU müssen als Schicksalsgenossen partnerschaftlich denken, militärische Lösungen können und dürfen nicht das Ziel sein.“ Dennoch monierte er, dass die Ziele und Ambitionen der 28 EU-Länder immer noch zu weit auseinanderdriften, als dass Europa in der Weltpolitik als starkes Bündnis auftreten kann.

„Wir müssen Europa eine Seele geben, das funktioniert nur, wenn Politiker Vorbilder sind“, so van der Linden. Damit verfolgte er genau die Botschaft, die Winfried Böttchers Buch nennt: Mehr Europa wagen!

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