Die Beratungsstellen der Region schlagen Alarm

Von: mas
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Aachen. Die Beratungsstellen für Zuwanderer sind völlig überlastet, und es gibt keine Zeit für Fortbildungen oder aufsuchende Beratungen. Um über dieses Dilemma zu sprechen, haben die Beratungsstellen der Städteregion unter dem Titel „Politik trifft Praxis“ Vertreter der Politik zum Gespräch in die Nadelfabrik eingeladen.

Um ihre Situation zu verdeutlichen, nannten sie zunächst einmal Zahlen. Demnach gibt es in Stadt und Städteregion Aachen insgesamt fünf Beratungsstellen für Zuwanderer in Trägerschaft von fünf Wohlfahrtsverbänden. Wurden hier im Jahr 2014 noch 802 Personen beraten, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 1600 sein. Und das sei so nicht mehr zu schaffen, meinen die Wohlfahrtsverbände auch bundesweit und fordern zusätzlich 17 Millionen vom Bund, um den steigenden Anforderungen gewachsen zu sein.

„Vor Ort geschieht bereits ungeheuer viel“, meinte Helmut Brandt, CDU-Bundestagsabgeordneter, mit Blick auf die Praxis. Seiner Meinung nach sind die Gelder für Beratungen und Integrationskurse gut angelegt. Er wünschte sich aber gleichzeitig eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern und eine gute Netzwerksarbeit vor Ort.

Laut Heike Kessler-Wiertz von der Leitung der Werkstatt der Kulturen, funktioniert die in Aachen und der Städteregion schon sehr gut. Nichtsdestotrotz fehle das Geld, um die Arbeit mit den Zuwanderern zu intensivieren. Ganz im Gegenteil: Die Beratungsstellen hätten Wartezeiten von bis zu acht Wochen.

„Eine finanzielle und personelle Aufstockung ist unerlässlich“, meinen die Vertreter der Beratungsstellen. Und die geladenen Politiker zeigten Verständnis. Hans Müller, sozialpolitischer Sprecher der CDU im Stadtrat, hob hervor, wie wichtig zudem Kurse zur „Einführung ins praktische Leben“ seien.

„Viele der Zuwanderer sind an den Pluralismus nicht gewöhnt“, sagte er. Sie müssten erst lernen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Zudem forderte er eine noch größere Bereitschaft der Bevölkerung, sich auf die Zuwanderer einzulassen. „Integration muss auf beiden Seiten stattfinden“, sagte er.

Dass die anwesenden Politiker das Thema sehr ernst nehmen, wurde sehr schnell deutlich. Immer wieder fragten sie nach, um sich ein umfassendes Bild von der Arbeit der Beratungsstellen zu machen. Und immer wieder erzählten die Vertreter der einzelnen Träger von ihren Erfahrungen vor Ort. Sie zeigten sich wie Heike Kessler-Wiertz überzeugt, dass Integration eine „Daueraufgabe ohne Dauerlösung“ bleiben wird. Auch wenn nicht mehr so viele Flüchtlinge kämen wie zu den Hochzeiten im vergangenen Jahr, sei das Thema noch lange nicht vom Tisch. „Menschen migrieren immer“, sagte sie und forderte, sich entsprechend breit aufzustellen.

Eine dauerhafte Finanzierung in Sachen Integration hält Parlamentarier Helmut Brandt dennoch nicht für ratsam. Die erforderlichen Mittel für 2016 bereitzustellen und dann abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt, hält er für den besseren Weg.

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